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Kundenrezension

TOP 100 REZENSENTam 22. Februar 2014
Zunächst mal Grundsätzliches zu meiner Rezension. Ich möchte mich meinungsmäßig weitgehend zurücknehmen und vor allem Thilo Sarrazin selbst sprechen lassen. Und so sehe ich den Zweck meiner Rezension weniger als weiteren Beitrag der Meinungsäußerung (Pro oder Contra zu den Sarrazin-Thesen), sondern eher als Angebot an Leser, die die wichtigsten Themen und Positionen im Buch kennenlernen möchten, um sich dann selbst ein Urteil zu bilden.

Das erste Kapitel startet mit einer grundsätzlichen Betrachtung der Bestimmungsgründe und Grenzen von Meinungsfreiheit. Im zweiten Kapitel wendet Sarrazin diese Erkenntnisse als Fallstudie bei sich selbst an. Er beschreibt also, welchen Furor sein Buch von 2010 "Deutschland schafft sich ab" bei den Medien, der Politik und der Gesellschaft insgesamt auslösten. Im dritten Kapitel beschreibt er, in welchem sozialen Umfeld Meinungen entstehen und was das für die Meinungsfreiheit bedeutet. Es werden hier z.B. solche Begriffe wie Tabu oder Schweigespirale behandelt. Im vierten Kapitel wird beschrieben, welche Bedeutung die Sprache bei der Meinungsbildung, und speziell bezogen auf das Buch, für den sogenannten Tugendterror spielt. Hier kommen dann auch solche Themen wie Geschlechterbeziehung (Mann/Frau sowie gleichgeschlechtlich) zur Sprache, aber auch sogenannte "Unwörter" wie "Wirtschaftsflüchtling". Im fünften Kapitel geht es um die Geschichte des sogenannten Tugendterrors. Dieses Kapitel ist aus meiner Sicht schon recht wissenschaftlich, weil Sarrazin tief in die Historie greift und dabei solche Ereignisse wie Christianisierung, Inquisition oder französische Revolution streift.

Nun zum sechsten, längsten und wohl brisantesten Kapitel mit dem Titel "Vierzehn Axiome des Tugendwahns im Deutschland der Gegenwart". Es werden also 14 Themen darin zur Diskussion gebracht, die derzeit in Deutschland besonders heftig debattiert werden. Das Besondere im Buch ist, dass der Autor jeweils eine These (im Buch Postulat genannt) und eine Gegenthese (im Buch Wirklichkeit genannt) anbietet. In der These (Postulat) greift er praktisch die Argumente der Gegenseite (also sozusagen der "Tugendwächter") auf und versucht die Sache aus deren Sicht zu sehen. In der Gegenthese (Wirklichkeit) bringt er dann seine eigenen Argumente und versucht, die der Gegenseite zu entkräften. Dieses fiktive Streitgespräch ist sehr spannend zu lesen, wie ich finde - egal zu welcher Seite man persönlich neigt. An meinen Beispielen wird man das hoffentlich sehen. Natürlich mag es erstmal anmaßend klingen, wenn Thilo Sarrazin seine Argumente als die Wirklichkeit tituliert. Aber erstens wirken sie aus meiner Sicht immerhin valide und nachvollziehbar, zweitens reklamiert Sarrazin keineswegs einen "Alleinvertretungsanspruch" auf die Wahrheit. Zitat: "Urteilen soll der Leser und für sich entscheiden, welche Position ihn jeweils mehr überzeugt". Wie bereits oben erwähnt, möchte auch ich als Rezensent dieser Maxime folgen, mich meinungsmäßig zurücknehmen und die anderen Leser entscheiden lassen, was für sie am glaubwürdigsten erscheint. DESHALB SIND DIE NACHFOLGENDEN ABSÄTZE AUSSCHLIESSLICH ZITATE AUS DEM BUCH. Auch die großgeschriebenen Überschriften stammen nicht von mir, oder geben gar meine Meinung wieder, sondern wurden original von Herrn Sarrazin gewählt. Mein eigener Beitrag besteht lediglich darin, dass ich natürlich eine subjektive Auswahl treffen musste, welche Axiome (ich habe 2 ausgewählt) und welche Aussagen hinsichtlich These und Gegenthese ich besonders interessant fand.

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ALLE MENSCHEN AUF DER WELT HABEN NICHT NUR GLEICHE RECHTE, SONDERN SIE SIND AUCH GLEICH UND SIE SOLLTEN EIGENTLICH ALLE EINEN ANSPRUCH AUF DIE GRUNDSICHERUNG DES DEUTSCHEN SOZIALSTAATES HABEN

DAS POSTULAT
Zu Unrecht haben die kapitalistischen Industriestaaten einen Großteil der Reichtümer der Welt an sich gerafft. Auf die staatliche Grundsicherung in Deutschland sollten grundsätzlich alle Bedürftigen in der Welt einen Anspruch haben, das ist ein moralisches Gebot. Wer immer es nach Deutschland schafft, aus welchen Gründen und auf welchem Wege auch immer, sollte in den vollen Genuss der Leistungen des deutschen Sozialstaates kommen. So können wir wenigstens einen Teil des Unrechts wieder gutmachen, das unser ausbeuterisches, verschwenderisches Wirtschaftssystem an der Welt begangen hat. Und wir in Deutschland werden im besonderen Maße davon profitieren, weil der sowieso nötige kulturelle und demografische Wandel damit beschleunigt wird.

DIE WIKLICHKEIT
Jedes Land hat grundsätzlich das Recht, Einwanderung nach seinen eigenen Bedürfnissen zu steuern. Wenn es wie Japan oder China Einwanderung ablehnt, ist es auch in Ordnung. Politisches Asyl ist grundsätzlich human und erfreulich. Aber Armut allein kann kein Asylgrund sein. Menschen, die die Grenzen Deutschlands und der EU erreicht haben und Aufnahme begehren, sollten grundsätzlich nicht anders behandelt werden, als die Milliarden in der Welt, die diese Grenzen nicht erreicht haben oder gleich in ihrer Heimat geblieben sind. Die Aufnahme von Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland und Europa wollen, sollte sich auch nach wirtschaftlichen Kriterien richten. Es ist nämlich für Deutschland und Europa ohnehin nicht möglich, durch die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen die Not in den Auswanderungsländern fühlbar zu lindern. Allein in Afrika werden jedes Jahr fünfmal so viele Kinder geboren wie in ganz Europa und die Geburtenrate ist dreimal so hoch. Nähme Europa davon nur jeden Fünften auf, so wäre es in wenigen Jahrzehnten afrikanisch - ohne dass sich damit die Verhältnisse in Afrika maßgeblich verbessert hätten.

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KINDER SIND PRIVATSACHE, EINWANDERUNG LÖST ALLE WESENTLICHEN DEMOGRAFISCHEN PROBLEME

DAS POSTULAT
Jährlich werden in der Welt 140 Millionen Kinder geboren, davon allein 40 Millionen in Afrika und im westlichen Asien. Moralisch gesehen - im Sinne der Gleichheit vor der Natur und vor Gott - hat jeder von ihnen dasselbe Anrecht auf unseren Wohlstand, wie die 670 000 Neugeborenen, die zufällig jährlich in Deutschland zur Welt kommen. Wenn man nur eine ausreichend liberale Einwanderungspolitik betreibt, ist es möglich, unser jährliches demografisches Defizit von 300 000 bis 500 000 durch Zuwanderung auszugleichen. Der Vielfalt in Deutschland kann das nur guttun, und Vielfalt ist doch ein Eigenwert. Das so entstehende künftige Deutschland wird viel interessanter und bunter sein und sich viel besser in die Zukunft einfügen, als wenn bei uns nur Bio-Deutsche leben.

DIE WIRKLICHKEIT
In den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird es immer weniger gelingen, die quantitative und qualitative Lücke zwischen Angebot und Bedarf auf dem Arbeitsmarkt zu füllen. Nicht nur gehen künftig jedes Jahr etwa ein Drittel mehr Menschen in den Ruhestand, als neu in Erwerbsleben eintreten. Unter den neu Eintretenden sinken das durchschnittliche Qualifikationsniveau und die absolute Zahl an Hochqualifizierten, während gleichzeitig der Anteil jener zunimmt, die auch Grundfertigkeiten kaum beherrschen. Das Bemühen, durch Senkung der Bildungsstandards gegenzusteuern, zieht auch die Leistungsstarken mit nach unten. Nur kurzfristig schafft die Euro-Krise eine Atempause, weil gegenwärtig viele Arbeitnehmer aus den Krisenstaaten kommen. Diese Länder haben aber alle ein ähnliches demografisches Problem wie wir, und die Wanderungsströme werden sich wieder umkehren, wenn es diesen Ländern wieder besser geht. Dann verbleibt nur die Einwanderung aus der Türkei, Afrika, Nah- und Mittelost, die aber aufgrund der kulturellen Disparitäten das Qualifikationsproblem vergrößert, statt es zu reduzieren. Im wachsenden Umfang werden künftig die Menschen fehlen, die auf qualifizierte Arbeitsplätze nachrücken können. Deshalb ist jetzt schon der Zeitpunkt absehbar, und ist maximal noch 25 Jahre entfernt, an dem Deutschland trotz steigender Abgabenlast weder sein Sozialleistungsniveau aufrechterhalten, noch sein Rentenniveau sichern kann.

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GESAMTFAZIT ZUM BUCH

Aus meiner Sicht geht es nicht vorrangig darum, wer wieviel Recht hat. Wie in dem Buch und hoffentlich auch in meiner Rezension deutlich wird, gibt es immer Argumente für oder gegen etwas, die Wahrheit ist meist etwas sperrig. Und Herr Sarrazin hat natürlich auch keine Patentlösungen für alle Fragen anzubieten - das ist schon klar. Entscheidend aber ist, dass man über wichtige Themen (etwa die von mir erwähnten, wie Einwanderung oder Demografie) überhaupt redet und die dringend notwendige Diskussion darüber nicht mit Denkverboten und Tabus von vornherein erstickt. Und dass hierzu wirklich eine offene, sachliche Debatte notwendig ist, wird wohl keiner bestreiten wollen. Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch zumindest einen wertvollen Beitrag dafür gebracht. Lassen wir ihn deshalb selbst das Schlusswort halten, dem ich mich als Rezensent anschließen kann und möchte: "Gesellschaften, die ein Übermaß an Denkverboten praktizieren, behindern ihre eigene Entwicklung. Der Aufstieg des westlichen Abendlandes wurde ermöglicht durch die Freiheit des Denkens, das seit der frühen Renaissance um sich griff. Wenn der implizierte gesellschaftliche Konsens die Grenzen der Meinungsfreiheit verengt, dann verengt er gleichzeitig die Grenzen des Denkens und hemmt damit die gesellschaftliche Entwicklung".
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