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Customer Review

on June 6, 2013
Mit "Strache - Im braunen Sumpf" liefert der österreichische Journalist Hans-Henning Scharsach ein erschütterndes Zeugnis darüber, wie weit rechts die FPÖ und ihr aktueller Bundesparteiobmann Heinz-Christian "HC" Strache stehen (Scharsach hat sich übrigens u. a. bereits in "Haiders Kampf" mit der FPÖ angelegt). Mit mehr als 1.000 Quellenangaben werden in der blauen Parteilandschaft braune Flecken belegt, die teilweise weit außerhalb der Verfassung und der Gesetze liegen. Der Autor zeigt überaus anschaulich, welch enge Verbindungen zwischen der FPÖ und rechtsextremen Personen bzw. Gruppierungen bestehen. Beschrieben wird dabei auch Straches "Schritt zurück", der ideologische Rückbau der FPÖ und die Machtübernahme der bisweilen am äußersten rechten Rand angesiedelten Burschenschafter, die nach der Abspaltung des BZÖ immer stärker forciert wurde. Fast schon "nebenbei" beschreibt das Buch, wie der Feindbildwechsel vom FPÖ-Klassiker "die Ausländer" zur "drohenden Islamisierung" von Statten gegangen ist, ein Prozess der allerdings noch nicht abgeschlossen ist. Wenn man liest, welche Slogans und Botschaften dafür verwendet werden, welcher Quellen und Redner sich die FPÖ bedient, wo und wofür sich Parteifunktionäre engagieren und wen sie als "Freunde" bezeichnen, kann einem tatsächlich Angst und Bang werden. Im Prinzip erzählt Scharsach nichts Neues. Vieles, worüber er berichtet, wurde in den vergangenen Jahr(zehnt)en mehrfach in verschiedensten Medien thematisiert, wie man an den vielen Quellenangaben erkennen kann. Aber auch wenn der Journalist im Eifer des Gefechts gelegentliche Polemik nicht vermeiden kann, ist es definitiv starker Tobak, dermaßen viele Verfehlungen österreichischer Politiker gesammelt und genau belegt vor sich zu sehen.

"Strache - Im braunen Sumpf" erschöpft sich jedoch nicht in einer Kritik an der FPÖ, ihrer Vergangenheit, ihrem aktuellen Chef und ihrer Verbindungen zum Rechtsextremismus. Scharsach beschäftigt sich auch mit den Folgen des von der FPÖ maßgeblich geschaffenen, feindseligen Klimas der Angst. Speziell in den neuen Medien, insbesondere auf Facebook sind die aktuellsten Auswüchse eines - hoffentlich - kleinen Teils der FPÖ-Wählerschaft zu beobachten. Die Kommentare von Usern, die man nach wie vor regelmäßig auf Straches Facebook-Auftritt zu lesen bekommt (und die oft lange ungelöscht stehen bleiben), sprechen für sich; ebenso die Kommentare und Links, die Administratoren und User auf anderen FPÖ-Facebook-Seiten posten. Es wird aber auch nicht verhehlt, dass es in der FPÖ durchaus kritische, vernünftige und besonnene Stimmen gibt - die allerdings kaum durchzudringen scheinen. Scharsach negiert auch nicht die Gegengewalt, die dieses vorsätzlich geschürte Klima des Hasses schaffen kann. Seiner Ansicht nach könnte ausgerechnet die ständige Panikmache und Hetze, die von der FPÖ betrieben wird, letztlich die Zustände schaffen, vor denen die Partei so unermüdlich warnt.

Einziger Wermutstropfen: Im Buch existiert zwar ein Namensregister, eine Übersicht mit den bisherigen (rechtskräftigen) Verurteilungen der einzelnen FPÖ-Politiker wäre jedoch noch schlagkräftiger gewesen. Dass die vielen Anzeigen und Verurteilungen im Text genannt werden ist zwar gut, aber meines Erachtens nicht so wirkungsvoll.

Fazit: Die schiere Ballung an rechtsextremen "Ausrutschern", Provokationen und Verharmlosungen, die Anzahl und Art der Verbindungen in ein neonazistisches Milieu lässt den Leser betroffen und fassungslos zurück. Wer nach der Lektüre dieses Buches Straches FPÖ - allem (teilweise) berechtigten Ärger über die Regierungsparteien zum Trotz - ernstlich für eine wählbare Alternative hält, darf sich nicht wundern, wenn er selbst "ins rechte Eck" gestellt wird. Dementsprechend muss man das Buch nicht nur Strache-Gegnern, sondern speziell auch seinen Anhängern empfehlen. Leider ist die Hoffnung, dass FPÖ-Wähler zu diesem Buch greifen werden, eher begrenzt.
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