Kundenrezension

Rezension aus Deutschland vom 4. April 2003
"unser lagerältester hatte seine zigeunerkapelle gerade verloren. er führte uns in die halle, in der unter anderem die instrumente lagerten, und sagte: sucht euch was aus, es ist alles da. ich entschied mich für eine selmer von einer französischen firma, die auch die gitarren für django reinhardt baute ..."
heinz "coco" schumann, jüdischer jazz-gitarrist, schildert sein überleben und durchwandern dreier KZ's: theresienstadt, auschwitz-birkenau, zum schluss dachau-kaufering. auf der gratwanderung zwischen vergasung und überleben durch erzwungenes musizieren kommt das lebendig-bleiben wie eine tour in der hölle vor - trotz aller verdrängungskraft. coco schumann fühlt sich wahrlich nicht wohl beim berichten dessen, was er lange blockiert in sich trug. um so wichtiger ist es, dass man sich noch einmal hineinfühlt in das, was menschen einander antun können. trotz verlegung in immer elendere KZ's ließ schumann nicht von der musik ab:
"ein häftling des außenkommandos entdeckte in einer scheune eine alte vergammelte gitarre. leider fehlten die saiten. aber nachdem das außenkommando einige stücke kabel besorgt hatte, isolierte ich sie ab, spannte die drähte und baute sie ein. ich konnte das instrument wieder zum leben erwecken, es klang nicht einmal schlecht."
wie ein wunder überlebte coco schumann - und es ist ebenfalls wie ein wunder, dass er 1999 noch eine CD einspielte mit so gut gelungenen stücken wie "autumn leaves", "take the A-train", "georgia on my mind" oder seinem markenzeichen, dem "stripper-blues". es müsste mehr bücher geben wie dieses - oder nein: niemals hätte es eine welt geben dürfen, die solch ein buch nötig macht.
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