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Kundenrezension

17 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Thema - methodisch mangelhaft behandelt, 15. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Toxic Parents: Overcoming Their Hurtful Legacy and Reclaiming Your Life (Taschenbuch)
Ich kann diesem Buch nicht viel Gutes abgewinnen, auch wenn ich damit einer verschwindenden Minderheit angehöre.

Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte und muss ich gleich hier zu Beginn betonen, dass ich - selbstverständlich! - Vernachlässigung, grausame Behandlung, Misshandlung und Missbrauch von Kindern durch ihre Eltern weder leugne noch billige, sondern dass ich sie eindeutig missbillige und verurteile.

Die Verfasserin hat völlig recht, wenn sie solche Eltern schildert und ihr Verhalten kritisiert.

A b e r :

Bücher von Psychotherapeuten, die nur therapieren, aber keine systematische Forschung betreiben, leiden allesamt unter einem 'selection bias' (Verzerrung durch Auswahl): Zu Psychotherapeuten kommen vorwiegend solche Personen, die entweder unter Depression (oder unter Angststörungen) leiden. Besonders Depressive berichten dann von schlimmen Kindheitserlebnissen, sie klagen über "toxische Eltern". Die Therapeuten schließen dann aus diesen Berichten, dass die Patientin/der Patient depressiv ist, w e i l die Eltern "toxisch" waren. Dies ist jedoch ein Fehlschluss. Vielmehr verhält es sich in aller Regel so, dass die
Patienten deshalb von "toxischen Eltern" berichten, w e i l sie depressiv sind. Ist die Depression verschwunden, sehen sie ihre Kindheit sehr schnell in viel freundlicherem Licht.

In vielen Fällen liegt hier also eine systematische Verwechslung von Ursache und Wirkung vor.

Dieser Zusammenhang wird gewöhnlich von Psychotherapeuten, die nur therapieren, aber keine systematische Forschung betreiben, überhaupt nicht gesehen. Und er wird ebenso wenig von Leserinnen und Lesern solcher Bücher gesehen, sofern sie keine Psychologie- u n d keine Methodenausbildung absolviert haben.

Die Tücke des 'selection bias" (Verzerrung durch Auswahl) kann man sich auch so vor Augen führen:

Oft wird behauptet, dass bei Vollmond mehr Leute pro Tag in psychiatrische Kliniken eingeliefert werden als bei anderen Mondphasen (wiederum pro Tag.) Um dies zu überprüfen, müssen wir eine Vierfeldertafel anlegen. Die Zelle A enthält die Zahl derer, die bei Vollmond eingeliefert werden. Die Zelle B enthält die Zahl derer, die bei Vollmond nicht eingeliefert werden. Die Zelle C enthält die Zahl derer, die bei Nicht-Vollmond eingeliefert werden. Und die Zelle D enthält die Zahl derer, die bei Nicht-Vollmond nicht eingeliefert werden.

Am besten ist dies zu verstehen, wenn man tatsächlich eine Tabelle mit vier Zellen und den entsprechenden Zeilen- und Spaltenbeschriftungen anfertigt.

Nun neigen die m e i s t e n Menschen dazu, nur die Zelle A zu beachten. Wenn diese Zelle irgendeine Zahl größer als 5 oder 10 oder eine noch größere Zahl enthält, fühlen sie sich sofort in ihrer Hypothese bestätigt, dass bei Vollmond mehr Leute pro Tag in psychiatrische Kliniken eingeliefert werden als bei anderen Mondphasen (wiederum pro Tag.) Die anderen Zellen beachten sie entweder überhaupt nicht oder sie haben sie nicht ausgefüllt.

Diese unangemessene Deutung von Zahlen oder Daten führt regelmäßig zu falschen Urteilen. (Man denke an Gelenkte Aufmerksamkeit, einen alten rhetorischen Trick, den schon Cicero und Paulus gekannt haben!)

Weiterhin wird nicht gesehen, dass überraschend viele Kinder und Jugendliche 'resilience' besitzen, also Belastbarkeit, Rückfederungsvermögen, Widerstandsfähigkeit oder elastische Rückverformung. Über dieses Phänomen berichten Scott O. Lilienfeld et al. in ihrem sehr empfehlenswerten Buch 50 Great Myths of Popular Psychology: Shattering Widespread Misconceptions about Human Behavior, S. 189 f. Psychotherapeuten bekommen Personen, die eine "Vergiftete Kindheit" (im Sinne von Susan Forward) erlebt und erlitten haben, sich aber nicht in Psychotherapie begeben, trivialerweise nicht zu Gesicht. Deshalb ist die Sicht vieler Psychotherapeuten zwangsläufig systematisch verzerrt.

(Wie erstaunlich robust die meisten Kinder sind, lässt sich auch daran erkennen: Ende der 1940er/anfangs der 1950er Jahre dürften mindestens 75% der Kinder in den Ländern Polen oder Israel (und anderen) schwer traumatisiert gewesen sein, und die wenigsten von ihnen dürften je einen Therapeuten auch nur von weitem gesehen haben. Einigen populären Thesen zufolge müssten sich diese Kinder zwangsläufig zu psychisch schwer gestörten Erwachsenen entwickelt haben, die ihrerseits wieder ihre eigenen Kinder traumatisiert haben - was zu einem beängstigend großen Anteil psychisch auffälliger Staatsbürger geführt haben müsste, was wiederum allen Beobachtern sofort hätte ins Auge springen müssen. Dem ist aber nicht so; die Bürger Polens bzw. Israels sind insgesamt genauso seelisch-geistig gesund wie die anderer Länder mit vergleichbarer sozialer und ökonomischer Struktur.)

Schließlich wird übersehen, dass 'parent blaming' ("die Eltern sind an allem schuld!") eine Psycho-Epidemie und ein Wirtschaftszweig geworden sind.

Carol Tavris und Elliot Aronson, zwei r i c h t i g e Psychologen, schreiben in ihrem sehr klugen Buch Mistakes Were Made (But Not by Me): Why We Justify Foolish Beliefs, Bad Decisions, and Hurtful Acts:

"Betsy Peterson produzierte unter dem Titel 'Dancing With Daddy' ein vollmundiges Lamento, in dem sie ihre Eltern beschuldigte, ihr lediglich Schwimmunterricht, Trampolinunterricht, Reitunterricht und Tennisunterricht, nicht aber Ballettunterricht gegeben zu haben. 'Das einzige, was ich mir wünschte, wollten sie mir nicht geben', schrieb sie." (S. 76; von mir übersetzt.)

Tavris und Aronson fahren fort: "Den Eltern die Schuld zu geben ist eine beliebte und bequeme Art der Selbstrechtfertigung, weil dies Menschen erlaubt, weniger unbehaglich mit ihren Bedauernissen und Unvollkommenheiten zu leben. Es wurden Fehler gemacht, aber nur von ihnen, nämlich den Eltern. Es tut doch gar nichts zur Sache, dass ich Krach geschlagen habe, um diese Unterrichtsstunden zu bekommen, oder mich störrisch geweigert habe, einen Nutzen aus ihnen zu ziehen. Das Gedächtnis minimiert unsere eigene Verantwortung und übertreibt die der Eltern." (Von mir übersetzt.)

Auch das sollte man im Auge behalten.

Empfehlen möchte ich auch die beiden Bücher How We Know What Isn't So: Fallibility of Human Reason in Everyday Life von Thomas Gilovich und How to Think Straight About Psychology von Keith E. Stanovich. Beide sind für Psychologie-Laien mit Englischkenntnissen auf dem Abiturniveau ohne Schwierigkeit zu lesen. Und sie machen klüger und urteilskräftiger.

Ich bin mir bewusst, dass ich mir mit diesem kritischen Einwurf nur wenig Applaus einhandeln werde. Wer nicht mit mir einverstanden ist, möge auf "Nein" klicken oder einen entsprechenden Kommentar verfassen.

Ich betone: Es geht mir ganz bestimmt nicht um "Verwirrung und Verharmlosungen durch zielgerichtet geschönte Statistiken", wie ein Rezensent der deutschen Übersetzung Vergiftete Kindheit: Elterliche Macht und ihre Folgen gemutmaßt hat. Ein solches Vorgehen wäre durch nichts zu rechtfertigen, es wäre schlicht und einfach schlechte Wissenschaft, weil es Fälschung wäre.
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.01.2010 15:59:00 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.01.2010 20:00:29 GMT+01:00
Offenbar gibt es - wieder einmal - einige Leute, die mir für meine neuesten Rezensionen systematisch und in Serie "Nicht hilfreich"-Punkte geben. Wenn dadurch ihre Lebensqualität verbessert wird, nur zu! An irgend etwas muss ein kleiner Mensch ja Freude haben!

Veröffentlicht am 30.10.2010 23:19:46 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.10.2010 23:50:43 GMT+02:00
Bingge meint:
Sie schreiben: "Die Therapeuten schließen dann aus diesen Berichten, dass die Patientin/der Patient depressiv ist, w e i l die Eltern "toxisch" waren. Dies ist jedoch ein Fehlschluss. Vielmehr verhält es sich in aller Regel so, dass die Patienten deshalb von "toxischen Eltern" berichten, w e i l sie depressiv sind. Ist die Depression verschwunden, sehen sie ihre Kindheit sehr schnell in viel freundlicherem Licht."

Bitte belegen Sie diese Behauptung.

Zum Thema "Robustheit von Kindern" möchte ich darauf hinweisen, dass heute erwiesen ist, dass schwere emotionale Vernachläßigung sowie traumatische Erlebnisse in der Kindheit dauerhaft zu veränderten Gehirnstrukturen führen und Psychotherapien dieser Tatsache hilflos gegenüberstehen - versucht wird, den Betroffenen wenigstens soweit Werkzeuge in die Hand zu geben, dass sie den Alltag möglichst "unauffällig" im Sinne von sozial angepasst zu bewältigen vermögen (beschrieben u.a. in "Trauma und Persönlichkeitsstörungen" von Wolfgang Wöller). Was "Israel" und "Polen" angeht, stellen Sie ebenfalls bloß eine Behauptung auf, ohne diese zu belegen; Sabine Bode zeigt in ihren Büchern etwas ganz anderes auf, nämlich dass zumindest deutsche Kriegskinder keinesfalls "robust" aus ihren schrecklichen Erlebnissen hervorgegangen sind. Ergänzend siehe auch "Die dunklen Schatten unserer Vergangenheit: Hilfen für Kriegskinder im Alter" von Hartmut Radebold. - Kinder sind "robust" nur insofern, als sie ALLES daran setzen, zu ÜBERleben.

Veröffentlicht am 21.12.2011 17:33:56 GMT+01:00
Iffigenie meint:
Sehr geehrter Herr Dr.Bogner,

sie haben es mit Ihrer Rezession geschafft, das mich dieses Thema über toxische Eltern ec. sehr interessiert! Ich wäre für eine Buchempfehlung von Ihnen in der Sprache Deutsch sehr dankbar!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.05.2013 18:57:20 GMT+02:00
Y meint:
Die negativen Reaktionen könnten natürlich auch daran liegen, dass Ihre Behauptungen (und ich benutze ganz bewusst das Wort "Behauptungen") jeglicher Substanz entbehren und die Klagelaute eines dummen Menschen sind, der entweder Aufmerksamkeit sucht oder überkompensieren muss (siehe Angabe des Titels). Selbst 2 1/2 Jahre später muss man auf so eine, bald schon gefährliche Herabwürdigung von Kindern elterlicher Gewalt ihrerseits reagieren!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2014 08:16:00 GMT+01:00
A. Merika meint:
Die Rezension erweitert meinen Gesichtskreis durch
Literaturhinweise, die ich nicht kannte. Nun freue
ich mich in das neue Material hinein zu schnuppern.
Danke für die Mühen des Schreibens der Rezension.
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