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Kundenrezension

am 24. Juni 2013
Willkommen im Rausch der Sinne, des Schmerzhaft Schönen, des Bizarren und des Alptraums.
"Santa Sangre" ist wildes, zärtliches, blutiges, trashiges, opernhaftes und so facettenreiches Kino pur, daß einem schwindelig wird.
In der Tat ist dieser Film ein tiefer Strudel hinein in einen eigenen sinnenhaften Kosmos, der einen mitreißt und vollkommen gefangen nimmt.
Ungezähmt, abgrundtief schaurig und dann wieder so wehmütig, so mystisch, daß jeder der in irgendeiner Form einmal erleben möchte, was Kino abseits des Mainstream fertig bringt, wie es verschiedene Saiten des eigenen Empfindens zum Klingen bringen kann, diesen Klassiker gesehen haben sollte.
Eine unvergleichliche Tour de Force in dunkle freudianische Psychoanalyse, gepaart mit der Gaukler- Atmosphäre eines "Freaks", "Kinder des Olymp", der exzentrischen Machart eines Fellini finden sich hier.
Hitchcock ist als Einfluß erkennbar und ein Dario Argento, der hier mit seinem Bruder Mitproduzent war, setzt ebenfalls dem Meisterwerk eine blutig, delirierende Note hinzu.
Und so wie bei allen Filmen, die mutig ihren eigenen kreativen Weg gehen, sei es ein "Antichrist", sei es Pasolinis "Salo" etc. so ist auch "Santa Sangre" bestes einzigartig kontroverses Kino.
Eins ist sicher lieber Interessent; sie werden ihn entweder hassen, weil sie so gar nichts damit anfangen können oder lieben und wie in einem Diamant immer wieder neue funkelnde Seiten in ihm erkennen.
Wenn Sie ein Faible für aufregendes, andersartiges Independent-Kino haben, dann ist letzteres sehr wahrscheinlich.
Jodorowsky ist einer der großen Kino-Exzentriker und wer aus den sechziger, siebziger Jahren noch sein "El Topo" oder "Holy Mountain" kennt, der weiß daß hier ein unabhängiger, magischer Bilderkünstler am Werk ist, der, einem Salvador Dali ähnlich tiefste irrationale Empfindungen auf die bewegte Leinwand bringt.
"Santa Sangre" ist unfassbarer Surrealismus und jedes Bild eine sagenhafte Metapher die mitten ins Herz trifft.
Da er Ihr eigenes Empfinden anspricht, ist er auch so schwer in Schlagworte zu fassen, jede sachliche Einordnung greift zu kurz.
Seien Sie einfach offen für diesen Filmkosmos, der zu Tränen rührt, anwidert, berauscht, schockiert, wunderschön ist, in seinen grotesken Szenen auch belustigt und dann wieder tief verstört.
Das Häßliche im Schönen und das Schöne im Häßlichen wird hier zelebriert.
Herzenswärme und Liebe trifft auf Grausamkeit und Tod.
Ein Bildersturm voller Gegensätze. Eine Hymne an die Poesie und auch an die fast religiöse Erlösung.
Jodorowskys Herz schlägt hier leidenschaftlich für diejenigen, die wahre reine Liebe verkörpern, ohne Hintergedanken oder Egoismus.
Da sind die elfengleiche, stumme Tänzerin zu nennen, da sind die Szenen mit Geistig Behinderten, und da ist der Hauptdarsteller Fenix.
Schauplatz ist ein kleiner Wanderzirkus. Die Welt der Illusionen. Messerwerfer, tätowierte Schlangenfrauen, Raubtiere, Drahtseiljongleure.
Fenix lebt hier in sich gekehrt ein Leben welches so gar nicht in das spektakuläre Schaubuden- und Artistendasein seiner Eltern passt.
Seine Mutter ist zudem Mitbegründerin eines religiösen Ordens. Sie betet eine Art Götzenbild an. Ein Heilige, deren Arme von Vergewaltigern abgehackt wurden.
In einem großen Becken wird als Reliquie ihr heiliges Blut( Santa Sangre ) verehrt.
Der Vater ein grobschlächtiger, brutaler Artist, der sich mehr und mehr dem Trunk ergibt.
Einen Adler wird er seinem verängstigten Sohn in die Brust tätowieren.
"Sei stark wie dieser Adler mein Sohn". Doch dieser wird ,nach dem der Vater wiederholt fremdgeht ein furchtbares Familiendrama miterleben in dessen Verlauf sein Vater stirbt und seine Mutter grausam verstümmelt wird.
Wie ihr Heiligenbild werden auch ihr die Hände abgeschnitten werden.
Diese traumatische Erfahrung zerstört die Seele des kleinen Jungen.
Jahre wird er in einem Sanatorium verbringen. Bis seine über alles geliebte Mutter ihn zu sich nimmt.
Die verstümmelte Frau benutzt ihren Sohn nun als Ersatz für ihre Hände.
Ein unglaubliches unvergessliches Bild, wenn beide nun in einer grotesken, puppenhaften Pantomime Theatervorstellungen geben. Ein besseres Bild für die Last der Vergangenheit, die Last von menschlicher Hörigkeit und den Sünden der Eltern gegenüber den Kindern läßt sich kaum finden.
"Ohne mich bist du ein Nichts. Du bist meine Hände." Und so wird der Sohn in einer unvergleichlich verstörend und bildhaft gemachten Persönlichkeitsspaltung zum wortwörtlichen Handlanger seiner Mutter ,schließlich auch zum vielfachen Mörder.
Wir haben hier eigentlich eine tiefe schockierende Darstellung von einem traumatisierten, schizophrenen Triebtäter.
Doch mit wie vielen außergewöhnlichen, arabeskenhaften, hochpsychologischen Ansatzpunkten hier Jodorowsky herangeht ist phänomenal und bleibt in seiner schwindelig machenden Komplexität in der Kinogeschichte einmalig.
Ein wunderschönes Porträt einer zutiefst grauenhaften Geschichte.
Bilder die einmalig sind: der Einzug des kleinen verwahrlosten Zirkus in die verarmten Slums Rio de Janeiros.
Das irrsinnige Bild des schweren toten Elefanten, der in einem riesigen Sarg, einen Abhang heruntergestoßen wird, um dort in einem sakralen Akt als Nahrung für die Slumkinder zu dienen.
Die hypnotischen Traumsequenzen mit den weißgeschminkten Leichen auf dem Friedhof, der Schlange, die sich Fenix um den Hals wickelt als Sinnbild erstickender Lust auf den weiblichen Körper.
Das Spiel der Hände, die schon lange nicht mehr ihrem eigentlichem Besitzer gehorchen. Metapher über Metapher.
Das Ende ist von solch schauerlich, trauriger, genialer Meisterschaft, daß einem, wie übrigens den ganzen Film über der Mund offen stehen bleibt.
Über die gesamte Laufzeit eine einzige wilde Halluzination.
Man kann den Film nicht weiter als in ein paar Stichpunkten rational zusammenfassen, man würde ihn sonst viel zu sehr verkürzen , er wirkt tief im Unterbewusstsein. Und mehr noch als viele andere eigenständige Meisterwerke, müssen sie gerade diesen unverstellt sinnlich selbst erleben.
Ein Spiel mit den Themen Tod, Liebe, Erlösung.
Werfen Sie lieber Interessent alles was Sie an Filmerfahrungen haben über den Haufen und fangen sie mit Jodorowskys "Santa Sangre" wieder das grosse Staunen an.
Wenn am Ende das stumme Mädchen, dem starren tätowierten Adler auf der Brust des Mörders sinnbildlich Flügel verleiht, dann ist dies ein Appell an die Menschlichkeit, an den Sieg der erlösenden Liebe und an die Vergebung.
"Meine Hände, es sind tatsächlich meine Hände", und mit diesen Worten endet eine wahre Naturgewalt an Filmwunder.
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