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5.0 von 5 Sternen Protokoll des Jahrhunderts, 27. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Jardin des Plantes: Roman (Gebundene Ausgabe)
Michel de Montaigne gibt Motto vor: "Keiner entwirft einen bestimmten Lebensplan… Wir bestehen aus Stücken; und diese sind so uneinheitlich zusammengefügt, dass jeder einzelne Bestandteil, zu jeder Zeit wieder anders, seine Rolle für sich spielt." Und weiter mit Fjodor M. Dostojewski: "Das Innere meiner Seele sowie eine hübsche Beschreibung meiner Gefühle auf ihren Markt zu zerren, wäre in meinen Augen ungehörig und niederträchtig."

Das lässt sich für einen Schriftsteller wie Dostojewski (und Claude Simon) allerdings nicht ganz vermeiden. Nur wie es geschieht, ist entscheidend. Viele Jahre wohnte und schrieb der französischen Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger von 1985, Claude Simon, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr gedenken, an der Place Monges, in unmittelbarer Nähe des Jardin des Plantes. Hier sind seine großen Werke entstanden: die Romane "Das Seil", "Die Straße in Flandern" und "Georgica". Und wenn man einmal mehr den genius loci bemühen will, hat er ausnahmsweise seine volle Berechtigung. Hier also ist 1997 das gleichnamige Werk des damals 85-Jährigen geschrieben worden. Dieser Garten und der Park liefern mit seiner geometrischen Architektur, mit seinen Bosketten, Baumreihen und Gewächshäusern das Grundmuster dieses Romans. Hier ist Claude Simon flaniert, hier hat er gedacht und geschrieben.

Wie im geordneten Chaos dieser Gartenanlage bewegt sich die Erinnerungsarbeit, werden Ereignisse der Lebensgeschichte, werden Texte quadratisch oder rechteckig als Prosablöcke montiert, ineinander versetzt, so dass der Leser meint, sich in einem Garten des Gedächtnisses und des Erinnerns zu befinden, an Themenbeeten entlang zu streifen. Claude Simon ist so ein monumentales Romanwerk gelungen, eine Art Gedächtnisprotokoll des Jahrhunderts.

Zentrales Thema sind die Ereignisse des 17. Mai 1940. Es ist Krieg und der Soldat Claude Simon rückt mit seinem Kavallerie-Regiment gegen die deutschen Panzer an. Das ganze Regiment wird bis auf vier Menschen, darunter Simon, vernichtet. Aber auch sie reiten eigentlich dem Tod entgegen.

Vorbei an den Verwüstungen des sinnlosen Kriegs, an Ruinen und Leichen, an toten Pferden. Fünf Kilometer bis Avesnes, ein Ritt von anderthalb Stunden – und doch eine Ewigkeit. Sie erleben Todsangst und die Melancholie der Furcht. Den Schriftsteller muss dieses Ereignis auf der Straße nach Flandern so sehr ergriffen haben, dass er immer darauf zurückkommt: in früheren Romanen wie Die Straße nach Flandern, und jetzt wieder in Jardin des Plantes. Und Simon erzählt mehr: von seiner Jugend in Frankreichs Süden, von der Besetzung Paris’, von seinen vielen Reisen, von seinem Arbeitszimmer und eben diesem Jardin des Plantes. Er reflektiert noch einmal über den Spanischen Bürgerkrieg und längst vergangene Liebeserlebnisse.

Es sind Fundstücke der Erinnerung, de Wiedererkennens, die augenscheinlich willkürlich montiert wurden, ein mäandernder Fluss des Erzählens; es ist der unmögliche Versuch, die lebendigen Erinnerungen einer bestímmten Zeit seines Lebens mitzuteilen… wir leben, wie wir träumen – allein. Claude Simon zitiert Joseph Conrad, wie er sehr häufig auch Proust zitiert, wie er an den Dichter Joseph Brodsky und an dessen Prozess im kommunistischen Russland erinnert. Wir lesen Passagen aus einem unbekannten Rommel-Tagebuch und den Memoiren Churchills. Simon begibt sich auf seine Weise auf die Suche nach der verlorenen Zeit, schafft eine, seine Weltordnung kraft seiner Erinnerung und seiner schriftstellerischen Fähigkeiten neu und ermöglicht so eine neue Sicht auf Welt und Geschichte.

Der existentielle Augenblick wird durch das Erinnern und das Erzählen zum Abbild dieses, de 20. Jahrhunderts der Zusammenbrüche. In einem Interview beschreibt Claude Simon dieses Jahrhundert so: "Es war das Jahrhundert der Monster. Alles in diesem Jahrhundert war monströs. Alles ist explodiert… alles ist in Fragmente zerfallen." Auch die Literatur. Und so ist der Roman Jardin des Plantes nicht nur eine authentische Beschreibung dieses Jahrhunderts. Er ist vermutlich auch die einzige Form, in der dies möglich ist. Weil sie eine neue Lesbarkeit ermöglicht. Damit ist dieses phänomenale Alterswerk nach Proust und Joyce und Kafka ein weiterer Jahrhundertroman und Claude Simon zweifellos einer der bedeutendsten Schriftsteller dieser Zeit.
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