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Kundenrezension

am 2. Februar 2014
Das Thema ist, wie bereits in früheren Veröffentlichungen von Meier, die Überwindung der politischen Theologie durch die politische Philosophie. Zu diesem Zweck interpretiert Meier vorliegend zwei Klassiker des politischen Denkens, Machiavelli und Rousseau. Während bezüglich Rousseaus eine direkte Interpretation seines "Contrat social" den zweiten Hauptteil von Meiers Abhandlung bildet, erfolgt die Auseinandersetzung mit Machiavelli indirekt über dessen Interpretation durch Leo Strauss "Thoughts on Machiavelli", im ersten Hauptteil.

Gerade der erste Hauptteil ist für den Leser durchaus herausfordernd. Meier imitiert in gewisser Weise das esoterische Schreiben von Strauss und treibt es eine Ebene weiter. Das mag wissenschaftlich überzeugend sein, für den interessierten Laien ist es aber dem Lesevergnügen eher abträglich. Wer wird schon die Mühe auf sich nehmen, in Fussnoten versteckten Spuren des wirklich Gemeinten nachzugehen? Dass es auch anders geht, zeigt der Rousseau gewidmete zweite Teil.

Die spannende Frage, ob die Zeitdiagnosen Machiavellis und Rousseaus über die Gefährlichkeit des Christentums für die Entwicklung des konkret im Blick gehabten Gemeinwesens heute, im Zeitalter weitgehender Säkularisierung und Globalisierung noch trägt, bleibt leider unerörtert. So überzeugend es ist, auf die historisch ja durchaus belegte Gefahr eines Herrschaftsmissbrauchs durch eine unbedingten Gehorsam fordernde Priesterklasse hinzuweisen, ist doch in keiner Weise ausgemacht, dass eine von Philosophen angeleitete Elite die vorzugswürdige Alternative darstellt. Dass Machiavelli und Rousseau noch konkrete Staaten als Bezugspunkt dienten, nährt ein Unbehagen an der allzu unkritischen Übernahme ihres Ansatzes. Das gilt wohl auch noch für Strauss.

Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, kann es an der Suprematie der politischen Theologie keinen Zweifel geben. Aber auch wenn seine Existenz zweifelhaft ist, scheinen die besseren Gründe dafür zu sprechen, im Interesse der Menschheit von seiner Existenz auszugehen, d.h. in der Praxis politische Theologie zu treiben. Wie Meier auf S.179 ausführt, hatte Rousseau erkannt, dass die Berufung in allen drei Offenbarungsreligionen auf den Einen Gott als Urheber der Fundamentalgesetzes "noch heute die großen Männer anzeigen, die sie diktiert haben." Was auf den ersten Blick wie ein Betrug scheint, dürfte bei näherem Hinsehen dem selbst-vergöttlichenden Betrug der Weisen in der politischen Philosophie vorzuziehen sein. Wie denn soll man diese Weisen erkennen, bzw. wer entscheidet zwischen Weisem und Rattenfänger? Solange es noch keinem Weisen gelungen ist, jenseits der Kritik theologischen Machtmissbrauchs ein politisches System zu entwickeln, welches dem auf der christlichen Nächstenliebe fundierenden zumindest ebenbürtig ist, dürfte die These von der Erledigung aller politischen Theologie auch weiterhin den Beweis schuldig bleiben.
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