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Kundenrezension

am 26. Januar 2006
Buchrezensionen sind immer eine höchst persönliche Sache. Da aber meine private Meinung wenig hilfreich für den potentiellen Leser und Käufer sein wird, versuche ich einen kurzen Kriterienkatalog als Entscheidungshilfe anzubieten(die aber natürlich dennoch meiner Sicht der Dinge entspricht). Bitte prüfen Sie.
1. Um das Buch inhaltlich ansatzweise zu verstehen, sollte der Leser Vorkenntnisse besitzen, und zwar hinsichtlich der Geschichte des ausgehenden Mittelalters/ der frühen Renaissance. Kenntnisse, die dem englischen Bildungskanon entsprechen, sind hilfreich, ebenso jene, die sich aus der Beschäftigung mit der Rolle und Funktion des Papstes, und, allgemeiner, der Kirche in einer sich erweiternden Welt ergeben.
Sind diese Kenntnisse nicht gegeben, wird sich das Buch dem Leser nicht tief genug erschließen, um daran Freude zu finden.
2. Sprachlich hohes Niveau erfordert vom Leser die Bereitschaft, sich nicht nur mit dem Inhalt, sondern auch der Form auseinander zu setzen: Alliteration und Lautmalerei, dazu Ab- und Ausschweifungen, die an den "stream of consciousness" erinnern, uneigentliche und höchst facettenreiche Sprache (dem Übersetzerteam gebührt Respekt!) - wer sich hieran nicht erfreuen kann, wird die Lektüre als mühsam empfinden.
3. Es ist wahrscheinlich, dass Leser der folgenden Bücher auch Norfolks "Nashorn" mögen: Eco, "Das Foucaultsche Pendel"; Mulisch, "Die Entdeckung des Himmels"; Norfolk, "Lempriere`s Dictionary" (natürlich) - und Schwanitz` "Bildung" (kein Scherz!)
4. Leser mit den folgenden Intentionen werden wahrscheinlich an diesem Buch verzweifeln - ich rate daher allen vom Kauf ab, die
- was zum Schmökern am Strand bestellen wollen
- was lesen wollen, was so ähnlich ist wie Ken Folletts "Säulen der Erde"
- nicht großartig über ein Buch nachgrübeln wollen
- es doof finden, wenn der Autor nicht "zur Sache kommt"
- nicht philologisch zumindest rudimentär vorgebildet sind (ein entsprechendes Studium ist für den deutschsprachigen Leser äußerst hilfreich - dies ist keine Arroganz, sondern ehrlicher Rat; aber machen Sie, was Sie wollen, lieber potentieller Leser. Es ist Ihr Geld).
Abschließend doch noch ein paar eher persönliche Anmerkungen: Norfolk ist ein Meister des "Welt-setzen-durch-Nennen". Seine Sprache gurrt und zischt, sie erstrahlt vom Himmel und regnet hernieder. Sie stürmt und fröstelt auf Usedom und schwitzt und lärmt in Rom, um dann doch - traurig - auf die Ostseeinsel zurückzukehren, den Leser in mannigfaltigem Bedauern zurücklassend ob des Endes einer Geschichte, die umfassender nicht hätte erzählt werden können, auch wenn wir es wünschten.
Dieses Buch will besiegt werden. Man muß es umfassen, packen, seinen Inhalt hervorbrechen, mit seiner Sprache ringen, sich mit dem Autor messen - sich dem Duell stellen -, die Anspielungen und Zitate (ihr Name ist Legion!) mit starker Hand greifen und in das Licht (gleißend? Schwächlich flackernd?) des eigenen Verstehens zerren.
Ich mag dieses Buch.
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Produktdetails

3,1 von 5 Sternen
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