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Kundenrezension

am 3. Juni 2011
Diese Inszenierung der MET gehört sicher zu den optisch am besten gelungenen. Wie es für Otto Schenk typisch und an der MET üblich ist, gibt es wunderbare Kulissen, besonders im 2. Akt die Straße in Nürnberg mit den mittelalterlichen Häusern wirkt ungemein authentisch.
Entstanden ist eine spannende Inszenierung mit viel Situationskomik. Die Sänger gefallen mir mit kleinen Abstrichen sehr gut und sie wurden passend für die jeweilige Rolle ausgesucht.
James Morris ist optisch ein Hans Sachs, wie man sich ihn vorstellt. Er ist ein Sachs, welcher gütig und liebevoll ist, aber auch nicht davor zurückschreckt, Beckmesser einen Denkzettel zu verpassen und seinen Lehrbuben mittels eines Trittes in den Allerwertesten ins Haus zu befördern. Seine Darstellung des Sachs ist die beste, welche ich bisher sah. Dieser Sachs lebt, liebt und leidet glaubhaft und im Schlußbild, nach seiner Ansprache, sieht es fast so aus, als würden ihm tatsächlich Tränen in die Augen steigen. Mit seinem Spiel hat Morris absolut überzeugt.
Karita Mattila ist eine übermütige Eva und bewältigt diese Partie sehr mädchenhaft. Sie ist wirklich ein Backfisch, welcher anfägt zu zappeln, wenn der geliebte Mann in Sichtweite gerät. Und sie ist eine anschmiegsame Tochter, welche sich in der Schlußszene so glücklich in die Arme ihres Vaters schmiegt, dass man es ihr wirklich abnimmt.
Ben Heppner ist optisch absolut kein Stolzing, singt ihn aber ausgezeichnet. Und er kann auch sehr überzeugend in Wut geraten.
Hervorragend in Gesang und Darstellung ist Thomas Allen als Beckmesser, welcher mit verkniffenem Gesicht über die Bühne wieselt. Und sein Meisterstück ist sein Werbelied im 3. Akt, wo er, schon auf der Bühne stehend, noch immer den Text memoriert. Allerdings hatte er im 2. Akt offenbar Schwierigkeiten mit dem Text, denn er hat die Textzeile "... hier steht die allerlieblichste Jungfrau..." ausgelassen und dafür zweimal "... auf die ich all mein Hoffnung bau..." gesungen. Aber er hat es gut überspielt und diesen Fehler kann man bei seiner sonstigen Leistung gut verzeihen.
Besonders gut gefällt mir René Pape als Veit Pogner. Seine wunderbare weiche Baßstimme kommt mit Wagner bestens zurecht und er spielt einen vornehmen, gelassenen Pogner, welcher im 2. Akt gar nicht mehr sicher ist, ob Beckmesser wirklich der richtige Mann für seine Tochter ist. Und Pape stellt die Liebe zu seiner Tochter wunderbar dar. Mit kleinen liebevollen Gesten zeigt er, wie groß die Liebe zu seinem Kind ist. Und deutlich zeigt er im 3. Akt seine Erleichterung, als Stolzing der Sieger ist und seine Tochter sozusagen gewinnt.
Der David von Matthew Polenzani ist ein Lehrbub, wie man sich in vorstellt, welcher auch eine derbe Handschrift hat, was Beckmesser sehr zu spüren bekommt. Und Jill Grove ist eine manchmal sehr jugendlich wirkende Jungfer Lene.
In der Nebenrolle des Kunz Vogelsang ist Eric Cutler zu erleben, welcher mir sehr gut gefällt.
Besonders gelungen finde ich den 2. Akt. Hier spürt man, dass die Darsteller mit viel Spaß an die Produktion gegangen sind. Man sieht es Morris bereits bei seinem "Jerum! Jerum" an, dass er diese Rolle genießt. Die diebische Freude, die Hans Sachs beim "Merken" der Fehler von Beckmessers Ständchen empfindet und sie diesem auch noch deutlich zeigt, wird von James Morris wunderbar dargestellt. Der Sachs ist ja eine Mordsrolle, eigentlich steht der Sänger drei Akte lang ständig auf der Bühne, aber Morris bringt sie mit Spaß und ohne ein Zeichen von Anstrengung. Er ist zeitweise ein regelrecht abgeklärter Sachs, da kann man sich kaum vorstellen, dass er z.B. als Wotan toben, wüten und die Walküren in Angst und Schrecken versetzen kann. Aber auch als Sachs hat er seinen Wutausbruch, als er Eva die Leviten liest, weil sie ihm den Floh ins Ohr gesetzt hat, dass er um sie werben solle. Er hat viel Temperament, und das kann er hervorragend einsetzen.
Und Thomas Allens Beckmesser zieht sämtliche emotionale Register - es ist einfach ein Genuss, ihm zuzusehen, wie er versucht, Hans Sachs förmlich aus dem Weg zu räumen, indem er versucht, dessen Schusterutensilien ins Haus zu bringen. Toll gemacht,wie er zwischen "lieblichem Lächeln" zur angeblichen Eva und wütendem Schnauben zum Sachs hin- und herschwankt, dabei immer bemüht, Eva durch das Anspielen der Laute am Fenster zu halten.
Und Ben Heppners Stolzing lechtst förmlich nach Blut - er ist wegen der Singschul so in Rage, dass er sogar Hans Sachs killen möchte. Er spielt sehr gut und es ist einfach nur nett, wie er und die Mattila als Eva unter dem Fliederbusch auf der Bank sitzen und den "Zweikampf" der beiden Meister mit ihren Kommentaren verfolgen.
Der Höhepunkt dieses wunderbar inszenieren Aktes ist dann die "Prügelszene", in welcher sich mit Genuss auf der Bühne gebalgt wird. Da gibt es sogar einen Ansatz zum Kanibalismus, als einer der Handwerker einen anderen in den Knöchel beißt. Herrlich, mit welcher Geschwindigkeit die Bühne leer ist, als das Horn des Nachtwächters ertönt. Der wird gespielt vom jungen John Relaya und ist ein großer stattlicher Nachtwächter, der professionell die Zeit ruft und ins Horn bläst.
Es ist ein absoluter Spaß, dem zuzusehen und ich habe sehr oft geschmunzelt, so humorvoll wurde hier Wagner inszeniert. In der ganzen Oper sind es so viele kleine, liebevolle Details, welche den ganzen Humor dieser Oper zeigen. Der junge Richard Wagner hat selbst einmal in Nürnberg erlebt, wie wegen eines Ständchens in der Nacht eine handfeste Auseinandersetzung ausbrach. Dieses Erlebnis war so eindringlich, dass er es nie vergessen und schließlich in seinen Meistersingern verarbeitet hat. Die Inszenierung ist deutlich besser und überzeugender gelungen, als die gleiche Produktion an der Wiener Staatsoper.
Es ist hervorzuheben, dass alle Darsteller ein deutliches Deutsch singen, so dass man sich wirklich die Untertitel sparen kann.
Das Orchester unter James Levin spielt sehr gut und der Chor ist hervorragend, besonders die Lehrbuben sind absolut in ihrem Element.
Die DVD ist gut ausgestattet, es gibt ein nettes Booklet, Ton und Bild sind hervorragend.
Alles in allem eine absolute Kaufempfehlung.
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