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Kundenrezension

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Ich bin dankbar, leben zu dürfen.“, 29. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Tod ist ein Philosoph: Wie mich ein Sturz vom Berg auf den Sinn des Lebens brachte (Gebundene Ausgabe)
Nach einem glimpflich ausgegangenen Sturz vom Berg, wo Hürter dem Tod in die Augen sah und dann doch überlebte, ist seine Hauptaussage in diesem Buch, dass das Leben schön ist, und wir dieses Leben lebenswert machen sollten, gerade weil man sterblich ist. Als Philosoph und Mathematiker stellt Hürter einige Überlegungen vor, die andere Philosophen im Laufe der Jahrhunderte angestellt haben. Von Sokrates und Platon über Michel de Montaigne bis Heidegger und Mark Johnston kommen viele zu Wort, die sich mit dem Thema der Sterblichkeit intensiv auseinander gesetzt haben. Die Stärke dieser Abhandlung liegt in der sachlich- klaren Darlegung von Tobias Hürter, der einige der Gedanken der Philosophen auf den Punkt bringt. Manchmal ist der Punkt zwar etwas vorschnell gesetzt, nichtsdestotrotz ein sehr lesenswertes Buch.

Hürter bemüht hier über das Thema Tod hinaus auch die großen philosophischen Strömungen die als Versuch entstanden sind, den Menschen und dessen Weltbild zu beschreiben. Dualismus, Materialismus, Idealismus werden herangezogen um auf das Leib-Seele Problem einzugehen, auf die intellektuelle Herausforderung, zu einer „richtigen“ Weltanschauung zu gelangen. Meinungen, Weltbilder, Weltanschauungen, Religionen und wissenschaftliche Erklärungen gibt es viele über das Thema der Sterblichkeit bzw. Unsterblichkeit. Indem Hürter unterschiedliche Aspekte, Vor- und Nachteile, modifizierte, veränderte Weltanschauungen präsentiert, zeigt dies die Problematik auf, mit dem größten, weil uns alle betreffenden Thema des Todes, der Sterblichkeit des Menschen, zu einem für alle angemessenen Schluss zu gelangen. Ob der Tod aus dem Leben verbannt wird, indem der Mensch sich entweder als Unsterblich sieht, oder den Tod einfach aus seinem Bewusstsein löscht oder ob der Tod als Teil des Lebens angenommen wird und der Mensch sich jeden Tag dessen bewusst ist, dass er sterben wird oder ob man dem Tod Gleichgültigkeit entgegen bringt, sind alles Fragen, die in diesem Buch bearbeitet werden mit dem Versuch, die sinnvollste Einstellung auszuwählen. Hürter hat diejenige ausgewählt, die ihn dazu bringt, den Tod nicht mehr aus seinem Bewusstsein zu verbannen, sondern durch bewusste Annahme seiner Sterblichkeit den Wert des Lebens zu erkennen und dementsprechend seine Ziele auf sinnvolle, wertvolle Aufgaben zu richten und keine Zeit für unwichtige Dinge zu vergeuden.

Besonders gefallen an den Gedankengängen von Tobias Hürter hat mir sein doch wissenschaftlicher Ton, sein Bemühen allem Aberglauben zu entsagen und das Thema realistisch zu betrachten. Er versteift sich nicht auf eine einzige Sicht und versucht den Leser auch nicht von seiner eigenen Meinung zu überzeugen, sondern spielt sozusagen mit den unterschiedlichen Sichtweisen mit großem Wissen aus Philosophie und zum Teil auch aus den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Er bleibt sozusagen am Boden der Realität und der Erfahrung und ihm ist bewusst, dass alles, was man über den Tod und über das, was über den Tod hinausgeht sagt, einfach nur Spekulation ist. Deshalb setzt er sich eher damit auseinander, was der Mensch ist und welche Probleme dadurch auftauchen, dass man ihn zu fassen versucht, seiner Seele, seiner Identität, seinem Körper. Es ist nicht einfach so, dass ein Mensch stirbt, sondern man muss sich auch fragen, was dabei stirbt oder für jene, die an ein ewiges Leben glauben, was dabei nach dem physischen Tod erhalten bleibt und was sich durch den Tod verändert.

Hier noch ein paar Textstellen aus dem Buch:

In einer Stadt von der Größe meiner Heimatstadt München sterben täglich ungefähr 40 Menschen. Doch man sieht so gut wie nichts davon. Man lebt, als würde nicht gestorben. Klar, jeder weiß, dass jeder sterben muss. Aber doch nicht ich! Nicht jetzt! „Es gibt wohl kaum eine Erfahrung, die den Menschen in seiner Existenz so sehr berührt, wie die Erfahrung der Endlichkeit“, sagt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann.

Die Nonnen des Klarissenordens schliefen bis vor wenigen Jahrzehnten in den Särgen, in denen sie dann auch ihre letzte Ruhe fanden, und es gehörte zum Ritus ihrer Ordenweihe, ihr Totentuch über ihnen zu entfalten. Noch zu Zeiten unserer Urgroßeltern wurden Tote tagelang aufgebahrt.

Grenzsituationen reißen uns aus dem gedankenlosen Zutrauen in die eigene Kraft und setzen uns mit unverschleierter Gewalt dem Schmerz und der Ohnmacht aus. Damit beginnt die Philosophie, sagt Jaspers. In Grenzsituationen erfahren wir „die Unzuverlässigkeit allen Weltseins“, sagt er, „Wir werden wir selbst in einer Verwandlung unseres Seinsbewusstseins“. Um Bewusstsein geht es, nicht um Wissen. Natürlich wusste ich, dass ich sterblich und fehlbar bin. Aber Wissen und Erleben sind zweierlei.

Der Tod ist nun mal beides, selbstverständlich und unfassbar.

Das Paradox der Sterblichkeit ist der Fluch, den der Segen unseres Intellekts mit sich bringt […]Die Spannung, die es erzeugt, sei die Energiequelle, die unsere Zivilisation befeuert.

Wo ich bin, kann es nicht völlig leer sein. Leider scheitere ich kurz vor dem absoluten Nichts an mir selbst.

Am weitesten trieb es der irische Bischof George Berkeley mit seinem „Esse est percipi“ – sein ist wahrgenommen werden. Erstaunlicherweise geben ihm viele Physiker von heute Recht. Nach der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik werden Objekte erst dann wirklich, wenn jemand sie beobachtet.

Aus der Lukrez-Hume’schen Perspektive ist der Tod das Selbstverständlichste der Welt. Aus der Goethe-Freud’schen Perspektive wirkt er ungeheuerlich. Beide haben aus ihrer Sicht Recht.

Und so glauben viele aufgeklärte Menschen, dass mit dem Tod alles aus ist: Mit dem Gehirn endet das Bewusstsein und mit ihm der Mensch. Sie lösen das Problem auf radikal negative Weise: Was wir nicht kennen, kann nicht sein.

Die Epikureer waren keine Idioten. Sie waren die ersten Denker, die sich gründlich mit den menschlichen Emotionen beschäftigten. Gefühlsregungen waren für sie nicht nur dumpfe Wallungen der Körpersäfte, wie später für den griechischen Arzt Galen und seine Anhänger. Ihre große Einsicht war, dass die Menschen sich dieser Antriebe nicht immer bewusst sind. Um der Angst vor dem Tod zu entkommen, führen sie Kriege, schreiben Bücher, erklimmen Berge. Und sie legen sich ganz andere Erklärungen für ihr Tun zurecht, zum Beispiel Machtstreben oder Forschergeist. Die Epikureer entdeckten unter dieser mentalen Schutzschicht das Unbewusste, 22 Jahrhunderte vor Sigmund Freud.

Viele heutige Philosophen glauben, dass die Qualia, also die qualitativen Aspekte sinnlichen Erlebens, ein Alleinstellungsmerkmal der Seele sind. Sokrates jedoch würde die Qualia, all diesen sinnlichen Kram, samt den Bedürfnissen und Begierden, dem Körper zurechnen. Die Seele dagegen ist das reine Denken. Worüber denkt die Seele nach?

Der Verstand blickt in das Reich der Ideen wie das Auge in die physische Welt. Begreifen statt greifen.

Die Seele verhalte sich zum Körper wie die Harmonie zu einer Harfe, behauptet Simmias. Aber Harmonie ist zerstörbar, nämlich indem man das Instrument verstimmt oder kaputt schlägt. Dann ist es vorbei mit den harmonischen Klängen. Die Harmonie hängt also vom Instrument ab. Ebenso hänge die Seele vom Köper ab.

Als die immaterielle Seele unter Philosophen allmählich aus der Mode geriet, mussten sie sich andere Kriterien für personale Identität einfallen lassen. Die erste Idee war, das Gedächtnis als Seelenersatz zu nehmen.

Kurzum: keine Kontinuität der Person ohne Kontinuität des Gedächtnisses.
Der englische Empirist John Locke, ein Zeitgenosse von Leibniz, durchdachte diese Idee weiter. Seine kurze Antwort auf die Frage, was eine Person ausmache, lautet: „ein denkendes intelligentes Wesen, das Verstand und Reflexion besitzt und sich selbst als sich selbst betrachten kann, als dasselbe denkende Ding, zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten“. Noch kürzer gesagt: Eine Person ist ein beständiges Bewusstsein ihrer selbst.

Das ist die vielleicht natürlichste Lösung des personalen Identitätsproblems: Eine Person ist ein Körper. Christine bleibt Christine, weil jeden Morgen in ihrem Bett dasselbe Gebilde aus Fleisch, Knochen und Blut aufwacht. Das ist die Sicht des Menschen, die offenbar auch die frühen Christen hatten. Sie setzten den Menschen gleich mit seinem Köper, zumindest lassen sich einige ihrer Schriften so deuten.
Ihr Chefideologe Paulus rang mit der Frage der personalen Identität Jesu, als er über dessen Auferstehung schrieb. Er legte größten Wert darauf, dass die leibliche Kontinuität zwischen dem gekreuzigten Jesus und dem auferstandenen Jesus gewahrt blieb.

Nehmen wir also an, ein Mensch sei gleich seinem Körper. Von einem Tag auf den anderen bereitet das keine Schwierigkeiten. Ich bin heute Morgen mit demselben Körper aufgewacht, mit dem ich Abends zuvor eingeschlafen bin, und dieser selbe Körper wird wahrscheinlich auch nächste Woche noch unbestritten der Meinige sein. Aber in zehn Jahren? In diesem Zeitraum wechselt der Körper so gut wie alle Zellen aus. Ist es noch derselbe Körper? Aber ja doch, antworten die meisten Menschen, und dagegen ist nichts zu sagen, außer dass es keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Entscheidung ist, es so zu sehen. Man kann es auch so sehen, dass der Körper ausgewechselt ist.

Aber ein klares Kriterium für die Identität einer Person ist nicht in Sicht. Der britische Philosoph Derek Parfit hat besonders gründlich darüber nachgedacht, was eine Person ist. Er hat die abstrusesten Szenarien von Gedächtnisverlusten, Gehirntransplantationen und Teletransportern durchdacht und kommt zu dem Schluss: Personale Identität ist keine Frage von ganz oder gar nicht. Sie hat Abstufungen, ähnlich wie die Identität einer Nation. War das Deutschland von 1815 dasselbe wie das Deutschland von 2013? Es gibt kein einfaches Ja oder Nein.

Beispielsweise folgert er aus seiner Vorstellung der personalen Identität, dass es oft rational ist, entgegen seinem eigenen Interesse zu handeln. Die Degradierung des Selbst mag dem gesunden Menschenverstand widersprechen, aber sie ist auch eine Befreiung vom Egoismus. „Die Wahrheit unterscheidet sich sehr von dem, was wir zu glauben geneigt sind“, erklärt Parfit.

Das Altern ist in den Augen der Transhumanisten eine Krankheit: weit verbreitet, bisher zu 100 Prozent tödlich, aber heilbar. Zur Prophylaxe schluckt Ray Kurzweil täglich 250 Nahrungsergänzungsmittel und trinkt literweise grünen Tee. Das verspricht kein lustiges Leben, aber vielleicht ein etwas längeres. Der englische Biologe Aubrey de Grey hat ein Programm namens SENS (Strategies for Engineered Negligible Senescence) gegen das Altern initiiert, mit dem er Menschen die Option auf unbegrenzte Lebenszeit öffnen will, vorrangig mit Methoden der regenerativen Medizin. Der erste Mensch, der ein Alter von über 1000 Jahren erreichen werde, sei bereits geboren, behauptet de Grey.

„Millionen sehnen sich nach Unsterblichkeit und wissen nicht, was sie an einem regnerischen Sonntagnachmittag anfangen sollen“, schrieb die britische Schriftstellerin Susan Ertz.
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