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Kundenrezension

am 1. August 2012
Das steht so ähnlich auf Seite 273 dieses Buches, vorsichtshalber mit einem "vielleicht" abgeschwächt und mit einem Fragezeichen bedacht. Aber im Kontext dieses Buches muss man es wohl als seine Kernaussage betrachten. Auf der Rückseite werden wir schließlich noch gewarnt, dass wir alle betroffen sind und sofort richtig handeln müssen, um am Ende nicht mit leeren Händen dazustehen.

Leider sind die Ratschläge dazu auf knapp 23 Seiten des allerletzten Kapitels etwas dünn und zu allgemein, um wirklich in zielgerichtetes Handeln münden zu können. Sie gehen auch nicht über das hinaus, was man in anderen Büchern zum Teil viel besser vorfindet. Die wirkliche Stärke dieses Buches besteht darin, die Machenschaften eines außer Kontrolle geratenen Finanzsystems zu entlarven, dass die westlichen Gesellschaften inzwischen vollständig beherrscht und sie zu ihrem Niedergang führen wird.

Nicht ohne Grund wissen nur die wenigsten Menschen darüber bescheid, wie unser Geld entsteht und wie Banken funktionieren. Und das, obwohl Geld eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft spielt. Es entsteht immer als Schuld. Würden in diesem System alle Schulden bezahlt sein, gäbe es kein Geld mehr. Unser Papiergeld hat keinen inneren Wert wie Gold oder Silber. Es kann deshalb beliebig vermehrt werden. Die Entscheidungen darüber liegen in der Hand von dilettantischen Politikern und von durch Eigeninteressen getriebenen Bankern, die jeweils glauben, ökonomische Gesetze würden sich ihrem Willen unterordnen.

Nachdem die Autoren zunächst sehr plastisch die Entstehung unseres Geldes und die Privilegien der Banken in diesem Prozess beschrieben haben, kommen sie zur Erklärung der amerikanischen Subprime-Krise. Auch diese auf den ersten Blick komplizierte Materie meistern sie didaktisch eindrucksvoll. Die Folgen für Deutschland und die Rolle der Politik bei diesen Vorgängen werden ebenfalls hervorragend beschrieben. Insbesondere entlarven sie die Heuchelei bestimmter Politiker, die in den Kontrollgremien der Landesbanken saßen, all die Zockerei munter genehmigten oder sogar dazu aufriefen, um sich dann hinterher öffentlich darüber aufzuregen.

In diesem Zusammenhang kommen die Autoren immer wieder auf den ehemaligen NRW-MP Steinbrück und dessen späteren Staatsekretär Asmussen im BFM zu sprechen. Asmussen leitete erst die Deregulierung des deutschen Finanzmarktes ein und spielte später den Retter Deutschlands in der Finanzkrise, für deren deutsche Variante er in vorderster Linie mitverantwortlich war. Nun vertritt er Deutschland in zentraler Funktion in der EZB.

Die Autoren zeigen deutlich auf, wie die staatlichen Landesbanken in Steueroasen Zweckgesellschaften gründeten, die zwei ganz klare Ziele besaßen: Sie sollten aus der Bilanz der Bank verschwinden, um kreditfinanziert mit einem extremen Hebel beim Herumzocken mit amerikanischen Subprime-Krediten teilnehmen zu können. Herr Steinbrück musste das bei seiner West LB wissen, andere Landespolitiker für ihre Banken ebenfalls.

Allein dafür, dass diese Verlogenheit deutlich dargestellt wird, verdient das Buch viel Lob. Die Autoren zeigen immer wieder, dass es keinen politischen Willen zu einer wirklichen Regulierung des Finanzsystems gibt. Ganz im Gegenteil: Wesentliche Gesetzestexte werden inzwischen von externen Kanzleien erstellt, die von den Banken kontrolliert werden. Auf diese Weise können eigentlich sinnvolle Maßnahmen, wie eine Erhöhung der Eigenkapitalquote oder gewisse Bilanzierungsvorschriften geschickt mit Gesetzeslücken umgangen werden. Ein öffentlich als Regulierung verkaufter Schritt läuft entsprechend ins Leere. Stattdessen feiert die Politik (wie auch die Autoren) eine Steuer, die zwar Geld bringen wird, aber nichts am System ändert, sondern von ihm profitiert.

Nachdem dem Leser schließlich auch noch erklärt wird, warum der Euro kaum Vorteile für Deutschland brachte und weshalb er scheitern muss, beschreiben die Autoren die komplexen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Politik und Banken sowie das paradoxe Finanzierungssystem der westlichen Staaten. In Europa verleiht die EZB den Großbanken Geld, was vorher nicht existierte, zu einem sehr niedrigen Zins, damit es diese Institute dann zum Aufkauf von Staatsanleihen benutzen können, die einen viel höheren Zins abwerfen, wenn die entsprechenden Staaten nicht gerade pleite gehen.

Diese Zinsen zahlen schließlich die Steuerzahler. Und falls das alles dennoch schief geht, stehen sie auch noch für die Rettung dieser Banken ein, notfalls auch auf dem Wege einer wie auch immer gearteten Enteignung, beispielsweise durch eine Währungsreform. Den Weg der Staatsfinanzierung über Banken soll ein direktes Gelddrucken durch Staaten verhindern. Doch inzwischen wird selbst das bereits indirekt von den europäischen Pleitestaaten gefordert. Diesen ganzen absurden Zustand beschreiben die Autoren sehr gut.

Neben den vielen guten Erklärungen besitzt der Text leider auch einige Mängel. Natürlich fällt es den Autoren schwer, bei all dem geschilderten Irrsinn kühl zu bleiben. Sie gleiten im Laufe des Buches immer mehr ins Polemisieren ab. Gelegentlich greifen sie allerdings auch etwas daneben. So wird beispielsweise die deutsche Terminbörse EUREX als eine Art Hort des Bösen aufgebauscht. Das hat etwas von geistiger Maschinenstürmerei an sich.

Denn erstens haben EUREX-Termingeschäfte einen ökonomischen Sinn. Sie sind ihrem Wesen nach keine Wetten, sondern Absicherungsgeschäfte. Und zweitens machen nicht die EUREX-Termingeschäfte die Gefahr bei den Derivaten aus. An der EUREX werden nämlich standardisierte Geschäfte in einem transparenten und regulierten Markt abgewickelt. Ganz anders sieht dass im Interbankenverkehrs aus. Bis heute sind diese undurchsichtigen Märkte völlig unreguliert. Darüber hinaus bestehen keine befriedigenden Regeln, die das Risiko beim Derivatehandeln von Banken in ein vertretbares Verhältnis zu ihrem faktischen Eigenkapital setzen. Es sind also nicht die standardisierten Derivate der EUREX, sondern der unregulierte Interbankenhandeln und der ungehemmte Einsatz von gehebeltem Fremdkapital, die die wirklichen Gefahren darstellen. Eine differenziertere Betrachtung dieser nicht einfachen Sachlage hätte dem Buch gut getan.

Ähnlich diffus sind die Ausführungen zum Zins. Nicht der Zins ist das Problem, sondern die Art, wie unser Geld entsteht. Leider machen die Autoren darauf nur in einem Nebensatz aufmerksam. Der Zins spielt eine wesentliche Rolle im Wirtschaftssystem. Er liefert entscheidende Informationen für die Marktteilnehmer, wenn er wirklich frei an einem regulierten Markt entsteht. Planwirtschaftliche Zinsmanipulationen durch die Zentralbanken oder politische Entscheidungen (wie die Euro-Einführung) führen zu erheblichen ökonomischen Verwerfungen. So sind beispielsweise alle großen Immobilienblasen der letzten Jahre (in den USA, Irland oder Spanien) auf Zinsmanipulationen zurückzuführen, die in der Folge völlig falsche ökonomische Entscheidungen auslösten. Den Zins abschaffen zu wollen, hieße also das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Dafür, dass die Autoren die Kumpanei zwischen Politik und der Staat und Gesellschaft beherrschenden Finanzoligarchie aufdecken und im Detail beschreiben, bekommen sie fünf Sterne. Auch wenn ihre Zitate oft genau den Kern eines Sachverhaltes aufdecken, so würde ich doch raten, die Bücher, aus denen die Zitate stammen (v. Mises beispielsweise), auch zu lesen, anstatt auf Zitatendatenbanken zurückzugreifen. Dann würde man vielleicht auch die Wachstums- und Zinsproblematik anders bewerten.

Alles in allem ein gutes, wenn auch etwas polemisches Buch, das hoffentlich viel gelesen wird, denn es beschreibt das paradoxe Finanzsystem, in dem wir leben, unter aktuellen Gesichtspunkten recht treffend.
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