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Kundenrezension

26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als "nur" Anmerkungen, 4. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Anmerkungen zu Hitler. (Taschenbuch)
Auch gut 30 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen stellen Sebastian Haffners "Anmerkungen" eine gelungene Einführung zum Thema Hitler dar. In sieben verschiedenen, nach Aspekten im Wirken Hitlers gegliederten Kapiteln untersucht der Autor das Wechselspiel zwischen biographischen Eigentümlichkeiten des Diktators und der politischen Entwicklung. Dass dabei bestimmte Passagen auch auf zeitgenössische Rezipienten höchst provokativ wirkten, erschließt sich unter Berücksichtigung auf die Zeit des ersten Erscheinens dieses Werkes: In gewissem Sinne haben Haffners Thesen Eingang in das heutige Verständnis dieser Epoche gefunden und erscheinen daher vom gegenwärtigen Standpunkt aus etwas weniger provokativ und spektakulär.

Kapitel Eins - "Leben" - wirft einen Blick auf den Werdegang Hitlers, sein Erleben des ersten Weltkriegs und der Revolution von 1918, die für seine späteren Entscheidungen prägend werden sollte, und untersucht die seltsam anmutende innerliche Ereignislosigkeit, die für das Leben des späteren Diktators so charakteristisch war. Ein Vergleich mit anderen Führerfiguren des 20. Jh. demonstriert die Unterschiede in sowohl Denken, Selbstwahrnehmung, Beziehungen zu anderen Menschen als auch der spezifischen politischen Ideologie, die eine Gleichsetzung fragwürdig erscheinen lassen. Das Kapitel "Leistungen" stellt in den Augen vieler den wohl provokativsten Abschnitt des Buches dar, erweckt er doch, bei oberflächlicher Betrachtung, den Anschein des Versuchs einer stückweiten Rehabilitation Hitlers. Worauf es Haffner allerdings ankommt, ist zu zeigen, dass es gerade das Verhältnis zwischen Leistungen (z.B. die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, wenngleich um den Preis einer freien Wirtschaft oder etwaiger Ansprüche der Arbeitnehmer) und dem "dosierten Schrecken" polizeistaatlicher Willkür war, der Hitlers politische Gegner und Kritiker zu Beginn seiner Herrschaft an sich selbst zweifeln lies. Kapitel Drei hingegen behandelt die Erfolge über andere. Haffners zentrale Frage lautet hier, weshalb die unflexible, stetig gleichbleibende Politik zu unterschiedlichen Zeitpunkten so verschiedenartige Resultate hervorrief. Eine Erklärung findet er in der Situation der Opponenten, mit denen es Hitler zu tun hatte: Nicht die Initiative des Diktators war demnach das ausschlaggebende Moment seines Erfolges, sondern der mal erstarkende, mal nachlassende Widerstand seiner Gegner. Hitler war kein Revolutionär. Er verstand es nur blendend, etwas bereits im Fallen Begriffenen - wie die Bestimmungen des Versailler Abkommens, die Weimarer Republik oder in letzter Konsequenz Deutschland 1945/46 selbst - den Todesstoß zu versetzen.

Bilden die ersten drei Kapitel eine thematische Einheit, die sich mit dem Aufstieg Hitlers beschäftigen, so widmet sich der Autor im folgenden dem Weg in die Katastrophe. "Irrtümer" behandelt das schon in sich widersprüchliche Weltbild Hitlers, das bereits zu frühen Zeiten, als an eine politische Karriere nicht zu denken war, die Basis für seine Rassenideologie und seinen mörderischen Judenhass legte. "Fehler" führt diese Überlegungen in ihrer politischen Konsequenz weiter. Hitler war ein Mann der Extreme, des "alles oder nichts", in dessen Denken die Möglichkeit einer Kompromisslösung nicht existierte. Dass auch seine Kriegspolitik von diesem Denken bestimmt war und ihn zu skandalösen Fehleinschätzungen verführte, erklärt seinen unvermeidlichen Niedergang. Doch nicht allein seine Unfähigkeit, sich als Friedenspolitiker und Reichsorganisator zu behaupten, bilden die Grundlage für den Terror, der vom Naziregime ausging: Zweifellos war Hitler auch ein Massenmörder, der seine Chance nutze, so wie er sie sich leisten konnte. So möchte Haffner unter "Verbrechen" auch weniger die im Krieg begangenen Gräuel verstanden wissen, die auf allen Seiten vorkamen, sondern vor allem den millionenfachen Mord an Juden, Zigeunern, Homosexuellen, Intellektuellen und Systemgegnern, die mit dem eigentlichen Kriegsgeschehen in keinerlei Zusammenhang standen. Die Kritik, der Autor würde hier für eine Entkriminalisierung der im Krieg begangener Gräueltaten einstehen, trifft allerdings nicht den Punkt: Zutreffend ist, dass Haffner Kriege als unvermeidliche Erscheinung im Konflikt zwischen Staaten betrachtet, solange es keine den Nationen übergeordnete Instanz gibt, die auf Grund ihrer allgemeinen Billigung und Durchsetzungskraft die Kriege verhindern könnte.

Das letzte Kapitel "Verrat" beschäftigt schließlich sich mit dem Versuch Hitlers, nach dem Scheitern seiner Eroberungs- und Vernichtungspläne wenigstens noch die vollständige Eliminierung des deutschen Volks, von dem er sich in seinem falsch verstandenen Heroismus und dem Kampf bis zum bitteren Ende im Stich gelassen sah, herbeizuführen und es den Grundmöglichkeiten seines Weiterlebens zu berauben. Mit dieser Maßnahme sorgte er für eine schnellere Abkehr der Deutschen von ihm und seiner Politik, als das den Befreiern wohl je möglich gewesen wäre. Die abschließend aufgeworfene Frage, weshalb der Nationalsozialismus sich gerade in Deutschland zu einer derartigen menschlichen Katastrophe entwickeln konnte, möchte Haffner nicht mit einer besonderen Affinität der Deutschen zu faschistischem und judenfeindlichem Gedankengut verstanden wissen: Gerade Deutschland galt bis zur Machtergreifung 1933 als ein Platz, an dem es sich als Jude relativ gut leben lies. Seine Antwort, die ein Augenmerk auf die politische Vormachtstellung Deutschlands in Europa und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu der Zeit lenkt, als Hitler sich entschloss, seine Pläne hier zu verwirklichen, kann gleichzeitig als Warnung verstanden werden: Die hier begangenen Verbrechen sind keine notwendig singuläre Erscheinung, die vor der Gefahr einer Wiederholung an anderer Stelle sicher wäre. Die aus der Geschichte zu ziehende Lehre ist Wachsamkeit nach allen Seiten.

Die mediale Präsenz der Auseinandersetzungen mit der Thematik verleiten zu der Vorstellung, man wäre über die Zeit des Nationalsozialismus bestens informiert. Um so überraschender ist, dass das vorliegende Werk durchaus neue Sichtweisen bietet. Die Feststellung, es gäbe zu Hitler noch wesentlich mehr zu sagen, ist richtig, als Kritik jedoch ungeeignet, es sei denn man hielte die Formulierung "Anmerkungen" für eine bloße Bescheidenheitsfloskel. Haffner legt vielmehr Gewicht darauf, bestimmte Strukturen sichtbar zu machen; Fußnoten und Quellverweise sucht man hier vergeblich. Die sozialwissenschaftliche Wende in der Geschichtswissenschaft hatte die Bedeutung der gesellschaftlichen Zustände gegenüber der Entscheidung von Einzelpersonen herausgestellt. Die "Anmerkungen zu Hitler" demonstrieren perfekt durch die direkte Verknüpfung von Biographie und politischen Folgen, dass es trotz allem die Entscheidungen einzelner seien können, die historisch tiefgreifende Veränderungen bewirken. Die Struktur des deutschen Nationalsozialismus wird nur verständlich, wenn er in Beziehung zur Biographie seines Führers gesetzt wird.
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