"vincent van gogh wird zwangsinterniert, in eine zelle gesperrt und rund um die uhr bewacht. er darf keine bücher lesen, nicht malen, nicht einmal seine geliebte, ihm unentbehrliche pfeife rauchen. er hat niemandem etwas zu leide getan, er hat keinem menschen ein haar gekrümmt, aber van gogh verstößt gegen bürgerliche konventionen, er ist ein außenseiter. die durchschnittsmenschen ängstigen sich vor ihm, stoßen ihn aus ihrer gemeinschaft aus. das genie wird verfolgt, geächtet, ans kreuz geschlagen oder in den tod getrieben" - so fasst dr. friedrich weissensteiner, wien, zum beispiel die lage des van gogh zusammen. neben kleist, zweig, hemingway (und einigen widerwärtigen größen des dritten reiches) unterzieht der historiker, streckenweise fast verblüffend teilnahmslos, auch das leben des zerrissenen malers einer genaueren untersuchung. die daten-sammlung, wenn auch mit wenig allgemeingültigen kommentaren versehen, - sie lässt den leser aber durchaus einige schlussfolgerungen ziehen. um beim beispiel van gogh zu bleiben: im abschlussbericht der anstaltsleitung heißt es u.a.: "... hat wiederholt versucht, sich zu vergiften, sei es durch schlucken der farben, sei es, indem er petroleum trank." kleine nachfrage an die anstaltsleitung: seine pfeife oder seine lieblingsbücher hat er aber doch nicht verschlucken wollen. warum wurden die ihm auch verboten? van gogh, nachdem er am 27. juli 1890 auf einer hochsommerwiese sich in die brustgegend geschossen hatte, schleppte sich mühsam zurück in das zimmer des gasthofes, in dem er untergebracht war. der herbeigerufene dorfarzt dr. gachets legte ihm ein äußerliches pflaster auf, überführte ihn jedoch in kein spital, sprach mit ihm kein wort. vorausgegangen war ein heftiger streit zwischen van gogh und dr. gachet: van gogh hatte sich in dr. gachets tochter verliebt, der hatte energischst sich gegen eine solche annäherung ausgesprochen. dem leser bleibt es überlassen, seine schlussfolgerungen zu ziehen - wie in den sieben anderen von weissensteiner erwähnten selbstmordfällen auch. hat das etwas taciteisches? der römische geschichtsschreiber hatte allen nachfolgenden historikern als vermächtnis hinterlassen: "sine ira et studio": ohne zorn und übereifer. mich hat beim lesen trotzdem manches mal der blanke zorn gepackt.