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Kundenrezension

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fort Apache, 18. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fort Apache - John Wayne [UK Import] (DVD)
"Fort Apache" (deutscher Titel: Bis zum letzten Mann) aus dem Jahre 1948 ist der erste Film aus John Fords berühmter Kavallerie-Trilogie mit John Wayne, die als solche eigentlich nicht geplant war. Es folgten "Der Teufels-Hauptmann" (She Wore A Yellow Ribbon, 1949) und "Rio Grande" (1950). Vorlage für das Drehbuch zu "Fort Apache" war die Geschichte "The Massacre" von James Warner Bellah. Die vernichtende Niederlage der 7. Kavallerie unter General George Armstrong Custer gegen die Sioux am Little Big Horn im Juni 1876 diente für diesen Film unverkennbar als authentische historische Basis. Bezeichnend ist dafür auch der Beginn des zweiten Filmes der Trilogie mit den Worten "Custer is dead!"

Alle drei Filme spielen zur Zeit der großen Indianer-Kriege nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Bereits John Fords nicht nur für das Western-Genre wegweisendes Schlüsselwerk "Stagecoach" (1939) war in dieser Periode angesiedelt. Die Handlung von "Der Schwarze Falke" (The Searchers, 1956) reicht in die Dekade um 1870 herein. Bereits Teile seines großes Western-Epos der Stummfilm-Zeit, "The Iron Horse" (Das Eiserne Pferd/Das Feuerross, 1924) spielen in dieser Zeitspanne. Ford wird später in "Der schwarze Sergeant" (Sergeant Rutledge, 1960) und in "Cheyenne" (Cheyenne Autumn, 1964), seinem letzten Western und großartigem Alterswerk, in diese Nachkriegs-Epoche zurückkehren.

Anspielungen, vor allem auf "Stagecoach" gibt es mehrere, unter anderem die eröffnende Szene mit Owen und Philadelphia Thursday in der Kutsche und der spätere Indianer-Angriff auf eine zurückkehrende Patroullie. Sogar die Kamera-Perspektiven ähneln sich stark. Musikalisch bietet bereits der Vorspann einige Elemente, die das Titel-Thema im zweiten Film ausmachen werden. Es tauchen im Verlauf noch weitere musikalische Motive auf, die später in der Trilogie wieder verwendet werden.

John Fords Kavallerie-Trilogie zeigt die Armee als warmherzige Ersatz-Familie, in der die einst verfeindeten Nord-und Südstaatler ihre Differenzen weitgehend überwunden haben und neue Rekruten jedweder Couleur einem zwar harten, doch niemals unmenschlichen Drill unterzogen werden. Viele Soldaten haben denselben Weg eingeschlagen wie ihre Vorfahren. In vielen Familien wird seit Generationen Militärdienst geleistet. Die Betreffenden sind zum Teil schon so lange dabei, dass sie und ihre Angehörigen ein Leben außerhalb der Armee gar nicht mehr kennen.

Die Armee erscheint im Vergleich zu späteren Ford-Filmen in einem idealisierenden Licht. Viele Motive und Themen aus "Fort Apache" wird Ford in den beiden anderen Filmen variieren, wobei er, seiner damaligen Haltung entsprechend, zuweilen doch sehr zur Glorifizierung der Männer in Uniform neigt. Doch spart der Meister, insbesondere in diesem ersten Film, auch ernste Töne nicht aus. So wird hier nicht nur die Rolle der Regierung im Umgang mit den Indianern kritisch beleuchtet. Weiter zeichnet Ford ein insgesamt sehr positives, von Respekt und Sympathie geprägtes Bild der leidenden amerikanischen Ur-Einwohner. Erstmals in einem US-Western darf sich ein Indianer auch verbal verteidigen. Zudem werden weniger sympathische Seiten innerhalb der Familie der US-Army wie Standes-Denken und Abhängigkeiten innerhalb der Hierarchie durchaus nicht verleugnet. Dieser und weitere kritische Ansätze, die Ford in einigen weiteren Filmen der 50er und 60er Jahre wieder aufgreifen und in einem anderen, deutlich pessimistischeren Kontext vertiefend behandeln wird, machen "Fort Apache" zu einem geradezu richtungsweisenden Werk.

Ford wurde und wird immer wieder Rassismus unterstellt und vorgeworfen, er habe zu spät und halbherzig damit begonnen, ein positiveres Indianer-Bild in seinen Western zu zeichnen und das alte Schema Guter Weißer-Böser Indianer zu durchbrechen. Das, was Ford in "Fort Apache" (1948) tut, und was sicher auch Einfluss auf wegweisende Genre-Klassiker wie "Der gebrochene Pfeil" (Broken Arrow, 1950) oder "Hondo" (1953) hatte, wäre 10 Jahre zuvor in Hollywood-Western wie "Stagecoach" (1939) undenkbar gewesen. Bestenfalls konnte er einen sympathischen Indianer kontrapunktisch zur dramatischen Handlung für etwas Humor sorgen lassen, was er in "Trommeln am Mohawk" (Drums Along The Mohawk) bereits 1939 in der Figur des zum Christentum bekehrten Blueback auch tut. Er arbeitete im Studio-System der Goldenen Ära und musste sich lange gewissen Schemata unterwerfen. In der Folge begann sich das gesellschaftliche Klima zu wandeln. Die Zensur in Hollywood lockerte sich, so dass Ford sich in seinen Filmen mit Themen wie Rassismus und der leidvollen Geschichte der großen Indianerstämme viel differenzierter und ambivalenter auseinandersetzen konnte. Ford selbst hat im Laufe seiner Karriere eine bemerkenswerte Wandlung hinsichtlich seiner persönlichen Überzeugungen durchgemacht. Seine Filme machen diese Wandlung spürbar. John Ford war in vielerlei Hinsicht kein einfach zu fassender Charakter. Er war eine komplexe Persönlichkeit, aber sicher kein Rassist!

Neben Veteranen wie John Wayne, Henry Fonda und Ward Bond greift Ford auch diesmal wieder auf viele Schauspieler zurück, die zu seinem legendären Fundus immer wiederkehrender Darsteller zählen. Victor McLaglen gehört ebenso dazu wie Pedro Armendariz, George O`Brien, Jack Pennick, Anna Lee, Mae Marsh, Grant Withers und einige andere. Auch mit Shirley Temple hatte Ford schon einmal gearbeitet. Als sie noch ein Kinderstar war, hatte sie mit Ford "Rekrut Willie Winkie" (1937) gedreht.

Fords Inszenierung ist gewohnt sorgfältig und betont visuell. Die Dialoge sind geschliffen und werden oft, auch das ist ein Markenzeichen Fords, reduziert oder ganz weggelassen. Informationen und Emotionen transportiert Ford so ganz über die Kraft der Bilder. Die Kamera bewegt er nur in besonderen Momenten. Wann immer möglich lässt er vor allem in geschlossenen Räumen mehrere Charaktere in einer Einstellung agieren, schneidet punktgenau und nutzt Großaufnahmen nur dann, wenn es unbedingt geboten ist. Bei Szenen unter freiem Himmel bedient er sich genial der majestätischen Aura des Monument Valley. Zudem sind die Action-Szenen spektakulär. Gestorben wird gegen Ende reichlich, doch oft abseits des Bildes. Ford zeigt nur das Nötigste. Es ist nicht seine Art, ein solches Massaker voyeuristisch auszuschlachten. Die damalige Zensur tut ein übriges.

Colonel Owen Thursday (Henry Fonda) wird nach Fort Apache versetzt, einen entlegenen Außenposten der Armee mit maroder Telegraphen-Verbindung. Begleitet wird der Witwer von seiner Tochter Philadelphia (Shirley Temple). Für Thursday, der bereits eine beachtliche Karriere in der Army gemacht hat und lange Abgesandter in Europa war, kommt der neue Posten einer Degradierung gleich. Der arrogante Paragraphenreiter, der keinerlei Erfahrung mit dem Kommando eines Regiments mitten im Indianer-Territorium hat, will seine Karriere mit Ruhmestaten wieder in Schwung bringen. Andere Befehlshaber führen Kampagnen gegen die großen Indianerstämme und bekommen auch medial entsprechend viel Aufmerksamkeit. Doch Ruhm kann man als Kommandant von Fort Apache kaum ernten. Dazu kommen die internen Spannungen zwischen Thursday und seinem alten Akademie-Kameraden Captain Sam Collingwood (George O`Brien), der selbst auf den Kommando-Posten und die damit verbundene überfällige Beförderung gehofft hatte und nun desillusioniert auf die Bewilligung seiner Versetzung an die Militär-Akademie wartet. Philadelphia hat sich zudem in den feschen Leutnant Michael O`Rourke (John Agar) verliebt, was auf Gegenseitigkeit beruht. Michael hat gerade West Point absolviert. Sein Vater, Michael senior, (Ward Bond), ebenfalls Offizier in Fort Apache, und seine Mutter (Irene Rich) platzen vor Stolz, doch dass seine Tochter einen Soldaten mit niederem Dienstgrad heiratet kommt für Colonel Thursday nicht in Frage. Hatte er anfangs noch eine recht hohe Meinung von dem schneidigen, disziplinierten jungen Mann, ist dieser nach einem ungefragten Ausritt mit Philadelphia bei deren gestrengem Herrn Papa erst mal unten durch.

Dass der vor allem in Sachen Dienstvorschriften und Kleiderordnung penible Thursday für den familiären Zusammenhalt im Fort und damit für den Fortbestand des Regiments eine ernsthafte Bedrohung darstellt, wird schon bei seiner Ankunft klar. Als er den Raum betritt unterbricht die Musik, die nicht, wie er glaubte, ihm zum Willkommen galt, sondern man sei, wie Captain Kirby York (John Wayne) ihm mitteilt, zu Ehren des Geburtstages von General George Washington zusammengekommen, ein Gedenktag, der dem Colonel leider vollkommen entfallen war. Später im Film wird Colonel Thursday einen Tanzabend mit dem Befehl beenden, das Regiment zum Abmarsch im Morgengrauen vorzubereiten. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Dieser Vorgesetzte wirkt von Anfang an wie ein Fremdkörper in der Gemeinschaft und eckt auch bei den altgedienten Offizieren an. Man folgt ihm zwar, wirklichen Respekt genießt er mit seiner pedantischen Art aber kaum, während seine charmante, kokette Tochter sich vor allem mit den Ehefrauen der Offiziere bestens versteht und herzlich umsorgt wird. Die Ford-typischen Tanz-und Gesangseinlagen stehen stellvertretend für Fords Sicht auf das Leben als Abfolge von Ritualen, besonders beim Militär. Ebenso gilt dies in witzigem Kontext, etwa wenn Michael O`Rourke junior zur Begrüßung in der kleinen Poststation Hassayampa (Hasenpfeffer, oder so ähnlich!) herzhaft der Hintern versohlt wird.

Bei ihrem Ausritt waren Philadelphia und Michael auf zwei tote Soldaten gestoßen. Eine Gruppe von Apachen unter Führung des Unterhäuptlings Diablo hat sich vom Rest des Stammes abgespalten und macht marodierend die Gegend um das Fort unsicher. Der ganze Stamm wurde von der Regierung in dem ihnen zugewiesenen Gebiet einfach sich selbst überlassen. Geschäftemacher wie der schmierige Händler Silas Meacham (Grant Withers) nutzen dies aus und betrügen die Indianer seit Jahren nach Strich und Faden. Meacham ist eigentlich als Vertreter der Regierung in das Gebiet geschickt worden. Anstatt seine Schützlinge mit ausreichenden Fleisch-Rationen, warmen Decken und anderem Lebensnotwendigen zu versorgen, dreht er ihnen wertlosen Ramsch an, zerstört ihre Familien mit Alkohol und verschachert unter der Hand sogar Winchester-Gewehre an die Indianer. Und die Schreibtischtäter in Washington sehen tatenlos zu.

Die Szene in Meachams Warenlager ist ein typisches Beispiel, wie Ford ein Kompendium komplexer Themen mit Charakterzeichnung kombiniert und das Ganze im richtigen Moment mit Comic Relief-Elementen würzt. Nicht nur dass er bei der Konfiszierung von gepanschtem Schmuggel- Whiskey in einer mit der Aufschrift "Bibles" markierten Kiste dem steifen Thursday mit "Sergeant, pour me some scripture" wunderbar beiläufig einen der besten Sprüche des Filmes in den Mund legt und das Gesöff von Sergeant Festus Mulcahey (Victor McLaglen), dem Patenonkel des jungen O`Rourke, der mit den Kameraden Shattuck (Jack Pennick), Quincannon (Dick Foran) und Beaufort (Pedro Armendariz) ein trinkfestes Quartett bildet, testen lässt. Die Order an die vier, was sie mit dem im wahrsten Sinne brandgefährlichen Fusel tun sollen, ist ebenfalls glasklar: "Destroy it!" Nun ja, das tun die Herren dann auch, auf ihre Weise...

Um dem Teufelskreis im Reservat zu entkommen, sah Häuptling Cochise (Miguel Inclan) nur den Ausweg, das Gebiet zu verlassen und mit seinem Volk über den Rio Grande nach Mexiko zu ziehen, was einem Bruch des mit Washington geschlossenen Vertrages gleichkommt. Thursday wittert die Chance, sich als der Mann zu profilieren, der Cochise zurückbrachte. Bei den Unterhandlungen mit Cochise und den Vertretern der anderen Apachen-Stämme, unter ihnen Geronimo, zeigt sich schließlich seine ganze Unfähigkeit. Der Colonel besitzt zwar ein enzyklopädisches Wissen hinsichtlich militärischer Geschichte und theoretischer taktischer Manöver, jedoch beurteilt er jede noch so diffizile Lage nach denselben Parametern. Er ist kein völliger Unsympath. Seine Tochter liebt er über alles und auch großzügige Gesten zeigt er hin und wieder. Jedoch haben sein Ehrgeiz und seine rigide, unflexible und daher für Konfliktsituationen in der Praxis vollkommen ungeeignete Art sein Amt auszuüben verheerende Konsequenzen. Er verachtet Leute wie Silas Meacham zutiefst, und doch deckt er ihn gegen die erhobenen Anschuldigungen. Seinem Wertesystem zufolge hat ein "Wilder" und Vertragsbrecher keine Ehre und daher kein Recht, sich einem Regierungsvertreter zu widersetzen. Cochises zu erwartende Weigerung, in das Reservat zurückzukehren, ist für Thursday der willkommene Vorwand zum Angriff. Selbst als alles verloren ist, reitet er, anstatt zu kapitulieren, bereits schwer verwundet wieder in den Kampf. York schafft es nicht, ihn zurückzuhalten.

Captain Kirby York kennt sich mit der angespannten Situation, der Kultur der Indianer und ihrer Notlage in allen Facetten bestens aus. Er hat Häuptling Cochise als Ehrenmann kennengelernt. York mahnt immer wieder zur Vernunft und ist ein Verfechter der Diplomatie. Er beißt bei seinem engstirnigen Vorgesetzten, dem jedes Einfühlungsvermögen im Umgang mit einer fremden Kultur fehlt, aber letztlich auf Granit. York wird von Thursday sogar dazu missbraucht, Cochise zurück auf amerikanischen Boden zu locken. Thursday glaubt, die stolzen Apachen leicht in Schach halten und militärisch besiegen zu können. Ein verhängnisvoller Irrtum. Doch selbst als das Regiment sich auf fremdem Terrain einer Übermacht gegenübersieht weicht der Colonel nicht zurück. Erst in der Schlacht selbst beginnt er seine Irrtümer einzusehen, doch seine durchaus ehrlich gemeinten Entschuldigungen kommen zu spät. Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Auch Collingwood, der um die Kampfkraft der Apachen weiß, aber es wie all die anderen nicht über sich brachte, im entscheidenden Moment den Gehorsam zu verweigern, reitet mit ihm dem Untergang entgegen, just als seine Frau Emily (Anna Lee) ein Telegramm bekommt. Die Versetzung wurde bewilligt! Anstatt ihn zurückzuholen, lässt sie ihn ziehen. "Sam is no coward. Keep this for the Captain`s return." Doch kaum sieht sie das Regiment am Horizont verschwinden, beginnt sie Schlimmes zu ahnen: "I can`t see him. All I can see is the flags"...

Dass Ehefrauen und andere Angehörige zusehen, wie ihre Männer heroisch der Gefahr entgegen reiten, ist eines dieser klassischen John Ford-Motive, das später in "The Searchers" (1956) auf bitterste Art ironisch ins Gegenteil verkehrt werden wird. Dort sind es letztlich die Daheimgebliebenen, denen Gefahr droht. Und auch sie wird das Unheil mit voller Wucht treffen.

"Fort Apache" ist ein in letzter Konsequenz durchaus bitterer Film über falsches Heldentum, blinden Ehrgeiz, Gehorsam, die Wertigkeit von Pflichterfüllung und die Macht verlogener (amerikanischer) Mythen. Owen Thursday, der für die Vernichtung eines ganzen Regiments verantwortlich war, wurde posthum zum General befördert. Er gilt, vergleichbar mit dem authentischen General Custer, nach seinem Tod in der Schlacht als Held. Selbst York, der das Massaker als einer der wenigen überlebt hat und sein Nachfolger geworden ist, macht, obwohl er wie der Zuschauer die Wahrheit kennt, auch Jahre danach, als er vor dem Beginn eines Feldzuges gegen Geronimo steht, einigen Reportern gegenüber keine Anstalten, an dieser vielleicht von oben verordneten Legende, die sich mittlerweile im Bewusstsein auch nachfolgender Generationen manifestiert hat, zu kratzen.

Michael O`Rourke junior, dessen Vater ebenfalls gefallen ist, und Philadelphia Thursday haben mittlerweile geheiratet und sind Eltern eines Sohnes. Schon bei der Wahl des Namens bleibt kein Zweifel, in wessen Fußstapfen der kleine Windelträger einmal treten wird. Yorks pathetischer Monolog als er am Fenster steht und sich darin das in Linie vorbeiziehende neu formierte Regiment spiegelt, erhöht noch die Ironie. Die Musik setzt dem Ganzen die Krone auf: Bei Yorkes Monolog erklingen einige Takte aus "His Truth Is Marching On."

Mit der Wirkung eines falschen Helden-Mythos auf die Psyche einer ganzen Nation und der Rolle der Medien wird John Ford sich Jahre später in seinem genialen Alterswerk "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (The Man, Who Shot Liberty Valance, 1962) noch viel tiefgründiger beschäftigen.

Bei der hier vorliegenden DVD handelt es sich um einen Import aus England. Die Disc bietet lediglich eine englische Tonspur in 2.0 Mono. und hat nur englische Untertitel. Der Film liegt im Vollbild-Format in der ungekürzten Original-Fassung vor und präsentiert sich in einer exzellenten Qualität. Offenbar wurde für den Transfer ein komplett restauriertes Master verwendet. Das Bild ist, berücksichtigt man das Alter des zugrunde liegenden Materials, wirklich beeindruckend ruhig, scharf und kontrastreich. Der Ton klingt sehr klar und sauber. Defekte und störendes Rauschen sind praktisch nicht vorhanden. Extras gibt es nicht.

Die deutsche Kinowelt-DVD bietet neben der ungekürzten Original-Version auch die deutsche Fassung, jedoch ist diese um mehr als 30 Minuten gekürzt und indiskutabel synchronisiert. Obendrein sind bei der deutschen DVD vor allem bei der Original-Version die Bild-und Tonqualität alles andere als optimal. "Fort Apache" ist ein Film, den man in der Original-Version sehen muss(!), wenn man seine ganze Komplexität erfassen und die Charaktere verstehen will. Wer dieses Werk nicht nur in voller Länge, sondern auch in angemessener technischer Umsetzung genießen will und ohne deutsche Untertitel auskommt, sollte zu der englischen Import-DVD greifen!

"Fort Apache" ist ein Film von leider zeitloser Relevanz, in dem gerade aus heutiger Sicht ein viel komplexerer Subtext steckt, als John Ford es sich Anno 1948 wahrscheinlich selbst hätte träumen lassen. Doch gerade diese zeitlose Komplexität macht die Filme Fords auch für spätere Generationen zu einem wertvollen Gut, das man immer wieder neu entdecken kann. Militärisches wie menschliches Versagen durch Selbstüberschätzung, die Unfähigkeit, sich anderen Kulturen zu öffnen und sinnlose Interventionen mit hohem Blutzoll, auch aufgrund wirtschaftlicher Interessen, gab und gibt es, vor allem in der Geschichte der USA, immer wieder.

Beeindruckend gefilmt im Monument Valley, unterfüttert mit typischem John Ford-Humor und bis in die Nebenrollen großartig gespielt. Henry Fonda ist klasse gegen den Strich besetzt. John Wayne gibt wunderbar subtil den aufrechten Pragmatiker, der das Unheil kommen sieht, es aber nicht verhindern kann. John Agar überzeugt in seinem Filmdebüt als junger Idealist. Und nicht zu vergessen John Agars damalige Ehefrau, die zuckersüße Shirley Temple! Ein immer wieder sehenswerter Klassiker!
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.02.2014, 18:17:20 GMT+1
Hallo Martin,

eine wundervoll detaillierte Rezension, die dem Film und seinem Regisseur Gerechtigkeit widerfahren läßt. Mittlerweile habe ich "Fort Apache", der aus der Kavallerietrilogie mein Lieblingsfilm ist, mehrmals gesehen und würde ihn als viel subversiver interpretieren als zu der Zeit, da ich hier meine Rezension bei Amazon eingestellt habe. Dein Bezug zu "The Man Who Shot Liberty Valance" trifft genau den Punkt, denn letztlich ist es ja der Film selbst, der den von York aufgebauten Mythos um den heldenhaften Thursday vor dem Zuschauer entlarvt. In "Valance" geht Ford ja letztlich noch einen Schritt weiter, denn dort erfährt ja auch Stoddards Frau die Wahrheit, was - wie ich finde - zu einer gewissen Entfremdung zwischen den Eheleuten führt.

Auch Deine Ausführungen zu Fords differenzierter Darstellung der Indianer möchte ich unterschreiben: Hier können wir Cochises Beweggründe nachvollziehen und ihnen darüber hinaus auch Sympathie entgegenbringen. In "Rio Grande" dann gibt es m.E. dann wieder ein eher negatives Indianerbild, das die Ureinwohner - wie in "Stagecoach" - als eine gesichtslose Bedrohung zeichnet, in deren Angesicht die Weißen ihre Differenzen begraben und gemeinsam handeln müssen. Daß Ford beileibe kein Rassist war, erhellt wohl auch daraus, daß er einer der ersten war, die die Ureinwohner unter den Statisten fair entlohnten - und manchmal organisierte er den Dreh auch so, daß die Indianer für mehr Drehtage als eigentlich nötig zur Verfügung stehen mußten, was ihnen am Ende auch eine höhere Bezahlung einbrachte.

LG und auf bald,
Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.02.2014, 22:46:08 GMT+1
Zuletzt vom Autor geändert am 04.02.2014, 22:48:47 GMT+1
Martin Püsch meint:
Hallo, Tristram,

vielen Dank für die lieben Worte. Ford hat sehr viel für die Indianer getan. Auf die gestreckten Drehzeiten bist du ja schon eingegangen. Die Indianischen Darsteller hatten dadurch ja nicht nur per se höhere Gagen, sondern kamen, besonders beim Dreh zu "The Searchers" in den Genuss allgemeiner sozialer Absicherung und einer angemessenen Gesundheits-Fürsorge in ihrem Reservat. Außerdem organisierte Ford für Indianer, vor allem wäherend eines harten Winters, immer wieder Versorgungs-Aktionen, bei extremer Wetterlage auch aus der Luft.

Ford hat auch nicht-indianische Darsteller seiner legendären Stock-Company, vor allem solche, deren Karrieren nach dem Wechsel zum Tonfilm ins Schlingern geraten waren und die kaum noch große Rollen bekamen, manchmal wochenlang auf den Bezahl-Listen des Drehplans führen lassen, auch wenn diese Schauspieler ihre meist nur wenigen Szenen längst abgedreht hatten. Dafür genoss er allerorten sehr viel Respekt.

Was die beiden anderen Filme der Trilogie angeht, die ich ebenfalls sehr mag und über die ich eines schönen Tages wohl auch mal schreiben werde, wird schnell klar, dass Ford vor allem beim dritten Film Rio Grande ein Wenig auf Nummer sicher ging. Schon Der Teufels-Hauptmann hätte er vielleicht gar nicht gedreht, wenn Fort Apache auf Anhieb ein großer Erfolg gewesen wäre, jedoch floppte er zunächst. Der zweite Film war da schon wesentlich erfolgreicher, und den dritten nötigte man ihm auf. Ford wollte endlich sein Herzensprojekt The quiet man realisieren. Da dieser beim Studio im Vorfeld als sicherer Flop galt, drehte Ford auf Geheiß von Studio-Boß Herbert J. Yates dann zuerst Rio Grande, der wie erhofft erfolgreich war. The Quiet Man war übrigens ebenfalls ein Riesen-Erfolg.

LG Martin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.04.2016, 15:49:58 GMT+2
westernfan meint:
der rezession kann man so und so gegenueber stehen

fuer mich steht in erster linie der film im vordergrund ob Ford damit etwas transportieren wollte sei mal dahin gestellt - denn wen ja dann bitte auch etwas historisch genauer

zudem zeitpunkt wo dieser film spielt (nach dem buergerkrieg ) und in anlehnung an custer war cochise schon tod !

denn letzten krieg denn Cochise fuehrte war wegen der bascom affaere und nicht wegen eines regierungs beauftragtem

das nennt man wohl kuenstlerische freie gestalltung die sich nahtlos in dem teufelshauptmann fort setzt !

nichts destotrotz unterhalten die 3 kavalerie western sehr gut und wer es mit historischen genauigkeiten nicht so ernst nimmt ist mehr wie herrvoragend dabei aufgehoben

ich persoenlich fuehle mich sehr gut unterhalten und mag die filme sehr nur etwas hinein zu interpretieren was vollkommen falsch dargestellt wurde ist doch wohl etwas weit hergeholt und wer weiss auch schon die beweggruende dafuer was Ford geritten hat einen film zu machen in anlehnung an Custers schlacht am Little Big horn
denn schlechter ging es kaum !

nur ein beispiel : arizona naehe der mexikanischen grenze da ist es sehr heiss und dann ueber 400 jacals von Apachen ! nie und nimmer soviel wasser und soviel wild an einem platz um soviele menschen zu ernaehren war schlichtweg fuer indianer im jahr 1876 nicht moeglich !

Ford hatte da wohl einen ganz anderen blick drauf als wiir heute und von daher ist es auch schlecht vergleichbar und man solle sich nicht anmassen was Ford mit diesem film transportieren wollte dafuer ist das feld was es alles sein koennte zu viel gross

mein fazit : schoener film fuer mich als westernfreund das richtige aber bitte nicht drueber nachdenken - dafuer gibt es andere und bessere western
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