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Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Prächtig, aber nicht perfekt, 28. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Arias for Farinelli (Deluxe Edition) (Audio CD)
In London war er der gefährlichste Konkurrent Händels während dessen zweiter Opernakademie; im Herbst seines Lebens beschäftigte er den jungen Joseph Haydn als Diener und musikalischen Assistenten. Wenn es danach ginge, in wie vielen bedeutenden Lebensläufen Nicola Porpora eine Rolle spielte, säße er unter den Großen der Musikgeschichte in der ersten Reihe. Sein Ruhm als größter Gesangslehrer in den Annalen der Oper ist bis heute unverblasst. Die gängigen Urteile über seine Bedeutung als Tonschöpfer jedoch lassen sich in etwa auf die Formel bringen, für einen Gesangslehrer sei er auch noch ein ganz passabler Komponist gewesen.

Auffällig ist immerhin die Tatsache, dass Porporas Karriere als Opernkomponist erst wirklich in Fahrt kam, nachdem er seine beiden ersten privaten Gesangsschüler in die Öffentlichkeit entlassen hatte: die Kastraten Antonio Uberti (der sich seinem Lehrer zu Ehren Porporino nannte) und Carlo Broschi, der unter dem Künstlernamen Farinelli zur Legende wurde. Auch Caffarelli alias Gaetano Majorano stammt aus Porporas Gesangsschule, deren Absolventen offenbar der Erfolg garantiert war. Die Erfolge seiner Schüler verschafften auch dem Maestro zahlreiche Aufträge als Komponist von Opern, in denen natürlich eben diese Schüler in für sie maßgeschneiderten Rollen glänzen konnten. Als Kenner der menschlichen Stimme dürfte Porpora kaum zu übertreffen gewesen sein. Er wusste seine Gesangslinien jedem seiner Zöglinge so individuell in die Kehle zu legen, dass man heute noch anhand der Partituren etwa die für Farinelli geschriebenen Arien ohne Weiteres von denen für Caffarelli unterscheiden könnte, selbst wenn die Besetzungszettel nicht überliefert wären.

Daher ist es ein spannendes Konzept, einmal ein Recital ausschließlich mit Arien zusammenzustellen, die Porpora für Farinelli komponiert hat, und so den gemeinsamen Werdegang von Lehrer und Schüler zu verfolgen. Die vorliegende, opulent und liebevoll präsentierte Auswahl bietet manches Bonbon, aber auch manches Stück, das denen Recht zu geben scheint, die Porpora eher in der zweiten Komponistengarnitur sehen. Jedenfalls ist die kompositorische Qualität der hier versammelten Arien sehr unterschiedlich. Neben einem Jahrhunderthit wie dem zu Recht berühmten "Alto Giove" aus "Polifemo" (einer Oper, die der Londoner "Opera of the Nobility" ein brechend volles und Händels konkurrierender "Royal Academy of Music" ein gähnend leeres Haus bescherte) stehen Nummern, deren Gehalt sich lediglich in skurrilen Läufen, Trillern und Sprüngen erschöpft. Viele der überlieferten Arien aus Porporas Feder spiegeln eher die speziellen Fähigkeiten der Interpreten wider, für die sie bestimmt waren, als dass sie den Stempel der Persönlichkeit ihres Schöpfers trügen. Ausnahmen nicht ausgeschlossen: Dazu gehören die beiden Duette aus "Polifemo" und "Mitridate", für die sich Cecilia Bartoli mit hörbarem Vergnügen als "zweite Stimme" zur Verfügung gestellt hat.

Nach seiner bisherigen Diskographie zu urteilen, hätte es keinen geeigneteren Sänger für dieses Projekt geben können als Philippe Jaroussky. Doch das Ergebnis erfüllt die hoch gesteckten Erwartungen nicht ganz. Dies ist zwar ein sehr gutes Album, aber nicht sein bestes. Ein Sänger vom Karat eines Jaroussky muss sich nicht zuletzt an den Maßstäben messen lassen, die er mit früheren Veröffentlichungen wie der fantastischen "Carestini"-CD selbst gesetzt hat. Im direkten Vergleich mit Letzterer ist nicht zu überhören, dass auf dem neuen Farinelli-Album nicht mehr Alles so mühelos gelingen will wie früher. Jarousskys Stimme hat ihren unverwechselbaren warmen Klang und die Koloraturgeschmeidigkeit in der mittleren Lage behalten, aber die feine Lasur seines Timbres wird ein wenig spröde, sobald die Vollhöhe gefordert ist. Möglicherweise ein Indiz dafür, dass sein Instrument sich von einem auch die Altlage umspannenden Sopran nun zu einem reinen Mezzosopran bzw. Alt entwickelt. Das bedeutet beiliebe keine "Krise", erfordert in dieser Phase aber einen besonders pfleglichen Umgang mit solch einem kostbaren Organ. Bezeichnenderweise ist auf der jüngst veröffentlichten Aufnahme des "Stabat Mater" von Pergolesi, wo Jaroussky die Altpartie singt, von den erwähnten Problemen nicht das Geringste zu spüren. Auch der Sesto in Mozarts "La clemenza di Tito", mit dem Jaroussky unlängst live brillierte, ist eine Mezzo-Rolle (zwischen Mezzosopran und Alt machte man im 18. Jahrhundert noch keinen Unterschied). Man darf also gespannt sein, wohin sich die Karriere dieses - man verzeihe das inflationär gebrauchte, aber berechtigte Prädikat - Ausnahmesängers entwickeln wird. Und darf sich hoffentlich noch auf viele Entdeckungen freuen.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.11.2013, 10:59:47 GMT+1
Lilienthal meint:
Sesto natürlich in "Giulio Cesare", nicht in "La Clemenza di Tito". Wäre ja schön, wenn er mal Mozart sänge... .

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.11.2013, 17:45:14 GMT+1
Claus Fischer meint:
Das meinte ich natürlich auch. Bitte um Vergebung, dass ich im Eifer des Gefechts die beiden Sestos verwechselt habe. Da muss wohl auch ein wenig der Wunsch Vater des Gedankens gewesen sein...Immerhin hat Jaroussky schon ein ganzes Recital mit Arien von Johann Christian Bach aufgenommen, der ja von Mozart nicht gar so weit entfernt liegt.

Herzlichst
CF
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Ort: Lampertheim, Hessen

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