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Kundenrezension

am 9. April 2012
...beginnt im Frühjahr 1962, als durch die Verzögerung bei der Produktion von "Cleopatra" die beiden männlichen Hauptrollen neu besetzt werden mussten. Für Peter Finch als Caesar sprang Rex Harrison ein und statt Stephen Boyd sollte nun der walisische Schauspieler Richard Burton Marcus Antonius spielen. Bei einer kurzen Begegnung bei einer Party von Jean Simmons und Stewart Granger im Jahre 1953 hatte es noch nicht gefunkt. Der junge aufstrebende Frauenheld empfand die Taylor selbstkritisch als in einer anderen Liga spielend, die verwöhnte Taylor befand sich schon auf einem ersten Höhepunkt ihrer steilen Karriere und dürfte mit dem noch nicht so bekannten Schauspielerimport nicht viel anzufangen gewusst haben. Neun Jahre später aber begannen sie, obwohl beide anderweitig verheiratet waren, eine stürmische Affäre miteinander. Welcher vermeintliche "Star" kann heute noch von sich behaupten sogar vom Vatikan verurteilt worden zu sein? Eben! Nach einer selbst verordneten Trennung und zwei hässlichen Scheidungen heirateten Burton und Taylor im März 1964 und hielten die Öffentlichkeit über zwei Ehen und eine innige Freundschaft nach der letzten Scheidung bis zu Burtons Tod 1984 in Atem.
Den Autoren, dem Vanity- Fair- Redakteur Sam Kashner und seiner Frau, der Lyrikerin Nancy Schoenberger, gelang es in Absprache mit Elizabeth Taylor Einblick in einige unveröffentlichte Quellen zu erhalten. Dabei handelt es sich um Briefe Burtons an Taylor sowie ein nicht veröffentlichtes Manuskript über Taylors Leben (anscheinend von Taylor selbst mit Richard Meryman verfasst). Leider gibt die Danksagung wenig Aufschluss darüber, wie Kashners und Schoenbergers Recherchen genau ausgesehen haben. Es wird lediglich einigen Gesprächspartnern gedankt, u.a. Sally Burton, Robert Hardy, Waris Hussein (Regisseur von "Seine Scheidung, ihre Scheidung"), Christopher Mankiewicz, Mike Nichols, Franco Zeffirelli usw. Burtons Tochter Kate habe "ihren Segen" zu dem Buch gegeben, aber anscheinend nicht weiter mit den Autoren gesprochen. Allerdings wurden auch "Menschen aus Elizabeth Taylors engstem Umfeld" befragt. "Wir respektieren ihren Wunsch, nicht namentlich genannt zu werden", sie hätten "dieses Buch jedoch erst möglich gemacht". Hm, ich muss gestehen, das klingt für mich nicht nach dem Gipfel der Glaubwürdigkeit. Der Fokus der Doppelbiographie (bezogen auf die Jahre 1962-1984) liegt dann auch tatsächlich auf dem Alkoholkonsum, dem Jet- Set- Leben, dem ständigen Reisen, um Steuern zu sparen, Krankheiten, den enormen Ausgaben für Juwelen und Jachten usw. Man sollte es kaum für möglich halten, dass die beiden auch vielbeschäftigte Schauspieler waren.
Klatsch und Tratsch kommen hier nicht zu kurz. Wer aber etwas mehr über die Schauspieler erfahren möchte, könnte etwas enttäuscht werden. Auch wenn sich Kashner und Schoenberger nicht als Filmkritiker verstehen, so hätte ich es aufschlussreich gefunden, wenn sie auch ein paar persönliche Eindrücke zu ihren Filmen beschrieben hätten. Wenn ein Drehbuchautor oder Regisseur befragt wurde, nehmen die Filme wenigstens etwas Raum ein, sonst ist es lediglich name dropping. Da werden allgemeine Kritiken wiedergekäut, ohne dass klar wird, ob die Autoren die Filme oder die Darstellerleistungen genauso bewerten. Da fehlte mir schlicht das Herzblut. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass einige Filme den Autoren nicht bekannt sind, wie könnte sonst behauptet werden, "Reflections in a golden eye" spiele in Südamerika?
Meine Lieblingsstelle im Buch ist ein "Portrait" Burtons über Taylor, die sich darüber sehr amüsiert haben soll: "Sie ist ein nettes, fettes Mädchen, das Mücken liebt und verpustelte, verpickelte Waliser hasst, Boote verabscheut und Flugzeuge mag, kleine Augen wie schwarze Johannisbeeren, winzige Brüste und keinen Humor hat. Sie ist prüde, eingebildet und furchtbar schüchtern."

ABER NUN: Trotz des angenehmen Plauderstils ist nicht zu überlesen, wie schlampig das Lektorat war. Anscheinend ging hier Schnelligkeit vor Genauigkeit. Zwar verzeichnet das Buch 2010 als Erscheinungsjahr, die englischsprachige Originalausgabe erschien allerdings im April 2011, kurz nach dem Tod von Elizabeth Taylor. Es gibt zu viele Redundanzen, Widersprüche, ungenaue oder falsche Angaben, die einem Lektor, der sich etwas in der Materie auskennt, hätten auffallen müssen. Das schmerzt natürlich den Taylor/ Burton- Fan, der sich nun auch angesichts anderer Angaben im Buch fragt, ob das denn nun so stimmen kann.
Einerseits beschreiben die Autoren, es sei Philipp Burton wegen des ungenügenden Altersunterschiedes nicht möglich gewesen, Richard Jenkins zu adoptieren, um ihn einige Seiten später als Adoptivvater vorzustellen. Die Dreharbeiten zu "Wer hat Angst vor Virginia Woolfe" sollen Taylor und Burton besonders entspannend gewesen sein, da sie ihre Konflikte bei der Arbeit ausleben konnten und zu Hause gekuschelt hätten. Ein paar Seiten später wird beschrieben, dass sich Taylor Sorgen gemacht habe, da die Rolle der Martha auf ihre Persönlichkeit abgefärbt und sie Burton nun so angeschrieen habe wie ihre Filmfigur ihren Mann. Hm, wenn es dazu verschiedene Quellen gibt, könnte ein guter Autor (vielleicht ist hier das Teamwork ein Problem, das sich hier wie Patchwork liest) diese Quellen gegenüber stellen und den Leser ermutigen, sich sein eigenes Bild zu machen.
An einer Stelle wird ausführlich die Affäre zwischen Claire Bloom und Burton und die Wirkung auf seine Ehe mit seiner damaligen Frau Sybil beschrieben um einige Seiten später (Bloom drehte mit Burton 1965 "Der Spion, der aus der Kälte kam") das Ganze zu wiederholen. Da hätte man straffen müssen, um den Text als Ganzes stringenter zu machen. Leider passiert das öfters im Text.
Die Autoren bemühen sich, möglichst viele Passagen durch Quellenangaben zu belegen. Anscheinend ist es im angelsächsischen Bereich unüblich, im Originaltext mit Hinweisen (hochgestellte Ziffern) darauf hinzuweisen. So wird ein Teil des Zitats im Anhang wiederholt, was den Leserhythmus etwas zäh macht. Am anschaulichsten und seriösesten sind die Passagen, die sich auf Melvyn Braggs bisher unübertroffene Burton- Biographie stützen (Richard Burton. Die Biographie). Dass aber in manchen sehr privaten Momenten (allein im Hotelzimmer, niemand war Zeuge) ausgerechnet Skandalnudel Kitty Kelley als Quelle herhalten muss (an zwei Stellen im Buch verweisen die Autoren sogar selbst auf den zweifelhaften Ruf ihrer "Biographie" über Taylor), ist schon bezeichnend. In einigen besonders ausführlichen Stellen, in denen sich Taylor z.B. ausführlich (in wörtlicher Rede!) mit ihrer Mutter über Burton unterhält, fehlt leider jeder Hinweis. Sollte da die Phantasie mit den Autoren durchgegangen sein?
Gelegentlich verführt die enzyklopädische Faktenfülle die Autoren dazu, allzu Privates oder Irrelevantes zu verarbeiten, das lediglich voyeuristische Interessen befriedigt. Dass die betrunkene Ehefrau eines Schauspielerkollegen ihren Hund sexuell befriedigt habe, gehört sicherlich zu den nicht unbedingt notwendigen Beschreibungen. Von den ernsten Hämorrhoiden- Problemen der Diva wissen die meisten Fans, aber sooo genau müssen wir auch nicht wissen, wann und wo es zu Komplikationen kam. Zudem sprechen die Autoren davon, dass die beiden gerne v*gelten. Ich bin nicht prüde. Wenn jemand das von sich selbst in der 1. Person sagt, spricht das für ein gesundes Selbstbewusstsein. In der 3. Person (über andere) empfinde ich das als unnötig vulgär.
Auch die deutsche Übersetzung ist gelegentlich nicht makellos. Da steht mehrmals "wegen ihr" (statt korrekt ihretwegen), sehr umgangssprachlich "kriegen" (statt bekommen oder erhalten), an mindestens zwei Stellen fehlt ein Wort, so dass der Sinn des Satzes dubios bleibt. Aber angesichts der Länge des Textes sind die Klopse vertretbar.
Zwar enthält das Buch einen Anmerkungsapparat und ausführliche Quellenangaben, aber keine Zeitleiste, die einige Ereignisse in die richtige Reihenfolge bringen. Bei einer einigermaßen chronologischen Darstellung bleiben so einige Unklarheiten im Handlungsablauf. Oft heißt es dann am Kapitelende lapidar, dass sie auch in dieser Zeit wild aufeinander waren. Fast zeitgleich entstand ein anderes Buch über Burton/ Taylor (»Wir haben uns verzweifelt geliebt«: Elizabeth Taylor und Richard Burton), das ich mir als nächstes vornehmen werde.

Fazit: Ein durchaus fesselndes Buch, das aber etwas schlampig redigiert wurde. Ein gewisses Misstrauen den übrigen Fakten (?) gegenüber bleibt. Schade. Wegen des überwiegenden Vergnügens an der Lektüre aber noch vier Sternchen.

[1] Weder Burton noch Taylor mochten die vermeintlichen Kosenamen, so dass man hier von zwei Beziehungen sprechen könnte, der "öffentlichen" (Liz und Dick) und der "privaten" (Elizabeth und Richard).
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