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Kundenrezension

am 3. April 2013
"Reservoir Dogs", "Pulp Fiction", "Death Proof" - was für eine Ansage, was für tolle Filme, was für ein genialer Regisseur - dachte ich, als ich auf dem Weg ins Kino war, um mir den neuesten Streifen von Quentin Tarantino anzusehen. Nachdem mich allerdings bereits "Inglorious Basterds" nicht mehr so sehr überzeugen konnte, ging ich eher mit gemischten Gefühlen dorthin. Und ließ mich in den Sessel fallen, um den Film auf einer großen Leinwand zu genießen.

Die Figur des Dr. King Schultz nervt mich von der ersten Minute an. Tarantino hat sich scheinbar keine Gedanken darüber gemacht, dass man mit dem Overacting und der Darstellung des irgendwie depperten und gleichzeitig sprachgewandten Hans Landa im wilden Westen jegliche Spannung bereits im Keim erstickt. Seine gekünstelte Sprache ist total deplatziert, denn es ist keine echte Kunstsprache - von Überhöhung im Sinn von Brecht oder Fassbinder mal ganz zu schweigen. Nein - hier ist ein selbstgefälliger Super-Held aus Österreich zu sehen, den nichts einschüchtern kann. Der seine selbstverliebten Schauspieler-Mätzchen aalglatt aus "Inglorious Basterds" in den amerikanischen Süden kopiert. Ich habe gelesen, er hat für diese Masche sogar den zweiten Oscar bekommen. Krass!

Und beginne, mich zu langweilen. Und lehne mich etwas zurück - in meinem Kino-Stuhl. Denn so etwas Gewöhnliches hatte ich bei Tarantino nicht erwartet. Rechts und links von mir im Kino biegen sich einige vor Lachen. Witzig finde ich den Streifen in keiner Minute.

Ich denke sogar manchmal, ich bin im falschen Film. Und gewinne den Eindruck, Quentin Tarantino versucht, einen Film zu machen, der wie ein Tarantino sein soll. Aber warum nur?

Die Story ist von Anfang an vorhersehbar und bis auf wenige Rückblenden eindimensional abgefilmt, ohne die tollen Schnitte und überraschenden und manchmal absurden, aber immer denkbaren Dinge, die Tarantinos Filme bisher ausgezeichnet haben.

Auch die Tonspur überrascht nicht wirklich: die Musik ist zwar artgerecht, aber wer denkt mittlerweile nicht direkt beim Anblick von einer großen Portion Spaghetti an einen Western von Quentin Tarantino? Nun ja, da gibt es auch noch andere - Sergio Leone oder Sergio Corbucci beispielsweise. Ich möchte aber nicht ablenken - schließlich bin ich im Kino und möchte mich fesseln lassen. Leider passiert das Gegenteil: Ich langweile mich. Christoph Waltzs Auftritt nervt wie gesagt von Anfang an und ist aus schauspielerischer Sicht völlig indiskutabel und für die Zuschauer und den Film dramaturgisch eine Zumutung. Aber weder dem Regisseur noch der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ist diese 1:1-Kopie aus "Inglorious Basterds" aufgefallen. Nein - ganz im Gegenteil: für sie war die Vorstellung von Herrn Waltz scheinbar so revolutionär wie für das Nachkriegsdeutschland der Auftritt von Marlon Brando im verschwitzten T-Shirt in "Endstation Sehnsucht". Der Unterschied allerdings: Brando wusste immer genau, was er machte. Und er hatte Prinzipien und ließ sich niemals auf der Nase herumtanzen. Und - erschien auch einfach mal nicht, um einen Oscar entgegenzunehmen und ließ stattdessen eine Ureinwohnerin Amerikas das Wort ergreifen. - Nun ja, das kann man von einem Europäer ja auch nicht erwarten. Oder? Nein - das ist doch Amerika!

Noch einmal zum Thema "Schnitt": Ich vermisse in jeder Sekunde, in jeder Einstellung und in jedem Cut Sally Menke. Das Thema ist sicherlich das schmerzlichste - aber auf der anderen Seite ist das das Problem der Filmemacher, und nicht des Zuschauers. Trotzdem möchte ich Sally Menkes Arbeit in dieser Stelle nicht ganz unerwähnt lassen - sie hat Filme wie "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction" oder aber "Kill Bill" durch ihr Gefühl für Timing, Dramaturgie und die Tonspur erst zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich würde behaupten, ohne sie hätte Quentin niemals so unvergesslich tolle Filme machen können. Auch wenn er die Bilder seiner Filme ohne sie bereits vor Drehbeginn im Kopf hatte. Aber das macht noch keinen großen Film aus - man muss ihn auch drehen.

Und dann eben der Schnitt.

Und zwar so, dass es ein Tarantino wird. Und genau das vermisse ich bei "Django Unchained". Auch wenn die Medien hier anders ticken. Für sie ist Tarantino endlich hoffähig geworden und hat damit das Mainstream-Publikum erreicht. Es ist wie im richtigen Leben: man hört von "hipppen" Vierteln in der Stadt. Das sind meistens Randgebiete oder ärmliche Gegenden. Zuerst gehen die Künstler dorthin, weil sie sich die günstigen Mieten leisten können. Der Underground trifft sich zu Parties oder Konzerten an abgesprochenen Orten. Dann werden die Fuzzies der Lokalzeitungen wach und fangen an zu berichten. Dann kommen auch ein paar hippe Geschäfte und Lokale dazu. Und dann - aber da ist es bereits zu spät - fängt das Fernsehen an an, darüber zu berichten. Lieschen Müller oder Max Mustermann muss da hin! Auf einmal gibt es Plätze nur noch auf Vorbestellung. Jetzt sind auch die Banken da und die Mieten gehen hoch. Einige Leute zwitschern bereits. Auf facebook wird das Viertel bereits verrissen.

Zurück zum Film: sicherlich hat es noch keinen Film in der Art über die Sklaverei gegeben. Ja - klar. Aber ich gehe nicht ins Kino, um eine geschwänzte Geschichtsstunde nachzuholen und mich zu bilden. Nein - hier möchte ich nach allen Regeln der Filmkunst unterhalten werden. Und zwar auf hohem Niveau, wenn Quentin dafür verantwortlich zeichnet. Enttäuscht lief ich aus dem Kino - als erster. Positiv zurück lassen mich nur die Eindrücke richtiger Schauspieler - und die möchte hier auch nicht unerwähnt lassen:

Don Johnson: sein Auftritt war - ohne jegliches Overacting - sehr lakonisch. Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Eben ein Professioneller, der sich diese auch nicht durch seine tollen Auftritte in den achtzigern in "Miami Vice" nehmen lässt.

Samuel L. Jackson: für mich der Gewinn des (Kino-)Abends: er sah den Zuschauern direkt in die Augen und versprühte so viel Unheimliches, dass ich kaum glauben konnte, dass er Jules Winnfield in Pulp Fiction war. Der hat zumindest das Prinzip des "Method Acting" verstanden und verkörpert für mich als einziger in einem sehr enttäuschenden Film die Verwandlungsfähigkeit eines Schauspielers. Und ich rede hier von Schauspielern, die einen gewissen Anspruch haben. Die möchten, dass von ihnen auch noch in zwei oder drei Jahren gesprochen wird.

Herr Waltz ist in dieser Hinsicht mit seinen zwei Oscars schon in den siebten Schauspielerhimmel aufgestiegen und spielt sicherlich im nächsten Film Gott. Vermute ich mal - man munkelt ja so einiges in Hollywood. Der Rest ist Apotheose.
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