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Kundenrezension

am 23. Juli 2013
Klaus Berger scheint mir wie der kleine Junge in "Des Kaisers neue Kleider" zu sein, der es wagt, dem "Kaiser" der historisch-kritischen Theologie seine Nacktheit vor Augen zu führen. Allerdings geht er dabei weniger plump vor. Der Autor findet einen Weg zwischen dem ideologiegesteuerten Liberalismus und dem Fundamentalismus („Es ist so, wie es da steht. Keine Fragen bitte!“). Er steht auf dem biblischen Zeugnis, aber er widerlegt die z. T. absurden Ideen seiner Gegner argumentativ. Hierfür stellt er zunächst die Standpunkte der „Gegner“ dar und setzt diesen dann sein „Sed contra“ („Aber dagegen möchte ich sagen“) entgegen.

Die akademische Theologie scheint zu einem Wunschkonzert verkommen zu sein: Unbequeme Stellen werden als „unhistorisch“ entsorgt (nach dem Motto: Was nicht sein darf, das nicht sein kann) und andere Stellen so lange gedehnt, bis sie die eigenen Vorstellungen bestätigen. Ich fand es schlimm, zu welchen Verdrehungen Bibelkritiker in der Lage waren, um ihre Ideen (bis hin zur Päderastie, S. 120) zu belegen. Diese Auslegungen befriedigen nur die Ideologie der Exegeten und ihrer Gesinnungsgenossen, nicht aber das nach Wahrheit suchende Herz. Berger drückt dies so aus: „[D]er Gott der aufgeklärten Exegese ist kein persönlicher Gott mehr, zu dem man beten könnte.“ (S. 199) Da ist es kein Wunder, wenn die Menschen den Kirchen fernbleiben: Blutleere Lehre macht niemanden satt.

Beim Lesen des Buchs kam mir der Gedanke, dass liberale Theologie eigentlich ein Widerspruch in sich selbst ist. Entweder mache ich meinen Rationalismus (oder meine Ideologie) zum Axiom. Wozu aber brauche ich dann Theologie, die Disziplin, die sich mit einem Gott beschäftigt, der über meiner Ratio und über meiner Ideologie steht? Oder aber ich glaube an die Existenz eines Gottes, der diese Welt geschaffen hat, der Wunder wirken kann und der in Jesus seinen Sohn als Erlöser geschickt hat. Dann sind meine Vernunft und meine Weltanschauung nicht bedeutungslos (immerhin fordert uns Jesus auf, Gott „mit all unserem Verstand“ zu lieben!), aber ich akzeptiere doch, dass es eine Vielzahl an Dingen gibt, die meinen Verstand übersteigen, die aber dennoch existieren.

Das Einzige, was ich an dem Buch schwierig finde, ist Bergers Schreibstil, den ich als flatterhaft empfinde; mir war oft der Zusammenhang zwischen einzelnen Sätzen, Abschnitten und auch die Anordnung der Kapitel nicht klar. Berger verwendet etliche theologische Fachbegriffe; wer sie nicht kennt, kann in einem Glossar am Ende des Buchs nachschlagen. Somit denke ich, dass sich das Buch eher für Fachleute und interessiere Laien mit theologischer Vorbildung eignet, nicht für Suchende.

Akademische Theologie ist wahrscheinlich zum größten Feind des Christentums in der westlichen Welt geworden. Statt diejenigen aufzubauen, die sich dem Studium des Wortes Gottes besonders hingeben, unterminiert sie den Glauben ausgerechnet jener, die ihn weitertragen sollten. Ganz besonders eignet sich dieses Buch deshalb m. A. n. für diejenigen, die an einer Universität Theologie studieren; zum einen können Theologiestudenten wahrscheinlich besser mit Bergers Stil klarkommen als ich. Vor allem aber würden ihnen hoffentlich die Augen geöffnet, dass der Kaiser des historisch-kritischen Rationalismus tatsächlich nackt ist.
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