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Kundenrezension

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Musik funktioniert nur, wenn du alle Emotionen, alles was du hast in die Musik hineinlegst, 21. Januar 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: MTV Unplugged in Athens (Audio CD)
Als langjähriger Scorpions Fan habe ich auch die neueren Veröffentlichungen der Scorpions verfolgt und wurde von dem 2010 erschienenen Album "Sting in the Tail" positiv überrascht, ist dort doch die altbewährte Mischung aus soloorientiertem Hard Rock und Balladen zu finden, für welche die Band spätestens seit dem Zenit ihres Erfolgs in den 1980er Jahren bekannt ist. Grundsätzlich habe ich mich aber auch für die Scorpions interessiert, als diese den Hard Rock gegen den softeren Rock eintauschten (siehe z.B. "Pure Instinct" (1996)), zeichneten sich die Veröffentlichungen doch weiterhin durch solide und gute Kompositionen aus.

2001 veröffentlichten die Scorpions mit "Acoustica" das erste akustische Album, damals in einem alten Kloster in Lissabon, Portugal aufgenommen. Und bereits damals wurde die Setlist durch Neukompositionen ergänzt, welche sich gut in die Setlist integrierten und teilweise auch alleine überzeugen konnten (siehe z.B. Life Is Too Short"). Grundsätzlich ist ein akustisches Album von den Scorpions also nichts neues.

Neu ist jedoch die akustische Darbietung unter freiem Himmel als Stadionkonzert. Das wirkt erst einmal mutig. Ein großes Publikum unter freiem Himmel mit einem reinen Akustikkonzert zu begeistern ist eine Herausforderung, die von den Scorpions nicht überzeugend bewältigt wird. Da helfen auch nicht die "Special Guests", welche zur Unterstützung mit heran gezogen wurden: die deutsche Sängerin Cäthe, Johannes Strate von Revoverheld oder Morton Harket (ex A-ha), sowie Unterstützung der Band durch eine weitere Gitarre und Streicher. (Konnte das Management der Band hier eigentlich keine internationalen Stars (neben Morton Harket) oder griechische Interpreten für die Band gewinnen?!?)

"Musik funktioniert nur, wenn du alle Emotionen, alles was du hast in die Musik hineinlegst" und "da muss jeder seine Power reingeben [...] dann geht das auch in's Publikum über" eklärt der Gitarrist Rudolf Schenker in einem Interview mit dem NDR. Und genau das funktioniert hier nicht wirklich. Die gesamte Darbietung wirkt zwar gekonnt aber emotionslos und überflüssig. Vor dem Kauf der CD ist mit die sehr gelungene Setlist aufgefallen. Es sind Songs mit aufgenommen worden, welche noch nie, oder lange Jahre nicht gespielt wurden. "Born To Touch Your Feelings" beendete 1977 die CD "Taken By Force" mit gelungener Kreativität und einem Song, welcher ein sparsam und gezielt eingesetztes Zusammenspiel der Instrumente langsam steigerte und so Spannung aufbaute. Unplugged wird hier aber keine Spannung aufgebaut, sondern mit vollem Arrangement in den Song hinein geprescht, wodurch der Song nicht mehr größer auffällt. Schade, denn gerade hier wäre der gezielte Einsatz von einigen Streichern sicherlich lohnenswert gewesen. In dieser Schiene wird der Rest der Setlist ebenfalls abgearbeitet und bietet fast keine positiven Überraschungen. "Passion Rules The Game" wird ohne jegliche Leidenschaft vorgetragen und geht einem schnell auf die Nerven. "Rock You Like A Hurricane" rockt noch weniger als die Version, welche 2001 auf "Acoustica" veröffentlicht wurde und Johannes Strate kann hier nichts mehr retten. "In Trance" wirkt durch das Duett mit Cäthe noch nicht einmal im Refrain kräftiger oder frischer, sondern wird lediglich durch neue Soli von Streichern ergänzt, die an den meisten Stellen eher derangiert klingen. "Big City Nights" wird hauptächlich durch Schlagzeug und Bass getragen, sodass der Charme der Hard Rock-Ballade nicht mehr zu erkennen ist.

Bleiben noch die Neukompositionen, welche den Gesamteindruck leider nicht wirklich verbessern können. "Dancing Withe The Moonlight" klingt für mich eher nach dem Niveau einer zwar guten, aber kompositorisch nicht besonders talentierten Schülerband. "Delicate Dance", das von Matthias Jabs komponierte und instrumental gehaltene Stück wirkt dahingegegen etwas frischer und kreativer, hinterlässt jedoch auch keinen bleibenden Eindruck. "Love Is The Answer", von Rudolf Schenker gesungen trieft nur noch vor Streichern und zarten Melodien, dass es für eine Band, welche sich selbst weiterhin als Hard Rock-Band bezeichnet, nur noch peinlich ist. "Follow Your Heart", von Klaus Meine komponiert zeigt, dass die Stimme von Klaus Meine keine nennenswerte Kraft mehr aufbauen kann. Dadurch wirkt der gesamte Song kraftlos, geht aber zum Glück recht schnell wieder vorüber. "Rock N' Roll Band" sollte als Rock-Revoluzzer-Song im Grunde am Anfang einer Bandkarriere stehen und wirkt wiederum etwas nach Schülerband.

Nun bleiben nicht mehr viele Songs, die positiv hervor stechen können. Zum Glück überzeugt die Version von "Blackout", welche energievoll vorgetragen wird und man wünscht sich schnell, dass das gesamte Konzert in diesem Stile ausgefallen wäre. "Wind of Change" wirkt auch etwas aufgefrischt und durch das Duett mit Morten Harket in etwas neuem Gewand, sodass der Klassiker, welcher seit der Entstehung gerade mal auf den Wacken-Konzerten fehlen durfte, diesmal durch die x-te Wiederholung nicht mehr nervt. Auch "Pictured Live" konnte mich etwas positiv überraschen und verdient allein dadurch eine Erwähnung, dass es endlich (nach den Konzerten mit Uli Jon Roth vor einigen Jahren) mal wieder live gespielt wurde.

Das gesamte Konzert wirkt zu Hause leider nicht mehr nach einem Livekonzert, sondern eher nach einer Studioaufnahme mit nachträglich hineingemischten Publikum. So ist das Publikum hauptsächlich zwischen den Songs wahrnehmbar und in den Songs nur dann wirklich merkbar, wenn es, wie bei "Still Loving You", zur Mitwirkung animiert wird. Dadurch ist ein großer Teil eines live-feelings nicht vorhanden, wie dies z.B. bei "World Wide Live" (1985) der Fall ist.

Alles in allem funktioniert hier die Musik nicht. Da hat leider der Eine oder Andere nicht seine gesamte Power mit hineingegeben. Die Stimme von Klaus Meine wirkt abgekämpft und kommt längst nicht mehr in die Höhen, in die sie mal gekommen ist, bietet keine Kraft mehr. Daran leidet leider der eine oder andere Song, der früher gerade zu einem großen Teil durch den Gesang getragen wurde. Die Arrangements sind z.T. erheblich verändert worden. Ich finde dies kann eine Band, welche Songs teilweise seit über 20 Jahren live spielt durchaus tun. Und ein Unplugged-Konzert bietet hierfür auch den richtigen Anlass. Jedoch sollten die neuen Arrangements in diesem Fall auf eine andere Art und Weise überzeugen, einen neuen Aspekt mit sich bringen. Und dies ist hier leider nicht geschehen. Und so wirken die Songs oftmals wie eine Hommage an sich selbst, die einen jedoch sehr schnell wieder zu der Originalveröffentlichung drängen. Oder wie ein Tribute an die Scorpions, welcher eben leider nicht wirklich an das Original heran kommt. Schade, denn ich hatte mich auf das Album gefreut.

Für wen könnte dieses Album noch interessant sein? Natürlich für den eingefleischten Scorpions-Fan, der jegliche Veröffentlichung besitzen möchte. Und vielleicht für einen eingefleischten Akustik-Fan. Denn wirklich schlecht ist die CD nicht. Sie kommt eben nur nicht an die Magie und Energie der Songs heran, die diese mal innehatten. Da passt es in meinen Augen auch, dass die CD uunter dem Label MTV veröffentlicht wurde. Scorpions und MTV hatten definitiv mal bessere Tage und waren mal einflussreicher. Dies zeigt sich auch daran, dass man vergeblicht nach einer Rezension der CD unter einem renommierten Namen sucht.

PS: Wer nach einem überzeugenden Unplugged-Konzert sucht, sollte sich nach Aerosmith MTV-Unplugged (1990) umschauen. Leider nicht offiziell veröffentlicht, aber z.B. bei Youtube sehr schnell zu finden.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.01.2014 00:19:06 GMT+01:00
katasen meint:
tl;dr

Veröffentlicht am 26.04.2014 03:56:16 GMT+02:00
shaboo meint:
Schön, dass sich zu diesem Album auch mal eine ausführliche und fundierte negative Rezension findet! (Ansonsten gibt's hier ja leider überwiegend Jubelarien von Altfans oder Totalverrisse von Scorpions-Hassern zu lesen.) Vielen Dank!
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