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Kundenrezension

am 8. Februar 2012
Clint Eastwood ist mit diesem Film aus meiner Sicht ein Meisterwerk gelungen. Er erzählt von 1919 bis Anfang der 70er Jahre die Geschichte des einst mächtigsten Mannes der USA, der mehr als vier Jahrzehnte der Chef des FBI war. Die Erzählweise Eastwoods über J.Edgar Hoover ist nie verurteilend, läßt Spielraum für eigene Interpretionen und zeigt vielleicht eher die Gründe auf, warum in der amerikanischen Gesellschaft Urteile auf die ein oder andere Weise gefällt werden.

Er zeigt den Protagonisten als vielschichtigen Charakter, rücksichtslos und rassistisch, fortschrittlich und weitblickend, dem Wahn verfallen, alles (wohl nicht nur vor dem Kommunismus) beschützen zu müssen und gleichzeitig innerlich zerbrechlich, fast panikerfüllt vor der eigenen Idendität. In einer Zeit, in der man das Wort Homosexualität nicht mal aussprechen durfte, sich zum männlichen Geschlecht hingezogen fühlend, mit einer dominanten Mutter(großartig gespielt von Judi Dench), die dem Sohn klar macht, was sie von ihm erwartet und dass sie Homosexualität verachtet, scheint er keine Chance zu haben, einen Ausweg aus dem inneren Chaos zu finden.
Um so mehr ordnet er die äußeren Strukturen akribisch.

Natürlich kommen neben dem Aufbau der Behörde, des FBI durch J. Edgar Hoover all die bekannten politischen Irrungen und Wirrungen dieser Zeit im Film vor, wie etwa die Entführung des Charles Lindbergh Sohnes, die diversen Affairen der Präsidenten oder deren Gattinen, die er alle ausspionieren ließ und sein Wissen nutzte. Ebenso sind der bis heute geheimnisumwitterte Mord an Kennedy sowie J. Edgars Vorgehensweise gegen Martin Luther King Thema. Erst in Richard Nixon und noch während des Vietnam Krieges findet er in dem 8. Präsidenten, den er erlebt, seinen Meister. Inzwischen alt und krank, hat er diesem nichts mehr entgegezusetzen.

Besonders berührend und großer Teil des Films ist, trotz der schwierigen Umstände und den Urteilen der eigenen Mutter wie der Gesellschaft zu dieser Zeit, die lebenslang dauernde Liebesgeschichte zwischen J. Edgar und seinem Berater Clyde Tolsen. Sie läßt zwar einige Schlüsse offen und Raum für Fantasie (da der letztliche Beweis ja immer fehlte), aber sie wird von Clint Eastwood doch deutlich und in wunderbaren Bildern inszeniert. Obwohl J. Edgar Angst vor seinen Gefühlen und denen seines Freundes hat, kommen diese in einer Hotelszene zwischen ihm und Clyde(wunderbar gespielt von Armie Hammer) schließlich zum Ausbruch und werden über den gesamten Film in vielen weiteren kleinen und doch so bewegenden Szenen, in denen die beiden sich bis ins hohe Alter umeinander sorgen, beschrieben.

Der Abschluss des Films ist dann nocheinmal überraschend, sehr gelungen und berührend. Ausgerechnet von Clyde wird J.Edgar in einer entscheidenden Nacht sein Leben gespiegelt. Auch hier geht es um all die großen politischen Ereignisse wie J Edgar sie sieht (und man begreift mal wieder, dass man doch selbst so oft einen Film nur durch die Augen des Protagonisten sieht...um dann den Aha-Effekt zu bekommen), vor allem aber um die Liebe zueinander und sich gegenseitig endgültig nichts mehr vorzumachen.

Leider ist der Film in den deutschen Kinos bis dato gefloppt. Unverständlich und doch wieder verständlich, da es kein Film für jedermann ist. Keine seichte Twilight Unterhaltung (nichts gegen Twilight ;-)), sondern anspruchsvolles Kino, vielleicht eher nicht für die ganz junge Generation. Ich kann nur empfehlen, sich diesen Film, solange er noch im Kino läuft oder auf DVD anzusehen. Er ist etwas über zwei Stunden lang, aber nie langweilig. Die Farben, Eastwood typisch gedämpft, die Erzählweise wunderbar respektvoll.
Ganz besonders hervorzuheben ist aber die Leistung nicht nur Clint Eastwoods, sondern die aller Schauspieler: Armie Hammer als J.Edgars großer Liebe, Berater und Freund, Judi Dench als Mutter, ebenso wie Naomi Watts als seine ewig, bis zu seinem Tode treue Sekretärin und Bewahrerin aller Geheimnisse. Allen voran aber ein Leonardo di Caprio, der sich wie schon in so vielen Filmen zuvor mit einer Intensität in die Rolle hineinversetzt, dass es einen schaudert. Dieser Mann hat seit Titanic eine schauspielerische Entwicklung durchgemacht, die ihresgleichen sucht. Schon für Aviator, Blood Diamond, Departed, Shutter Island und Inception wäre ein Oscar mehr als verdient gewesen. Als J.Edgar zeigt er erneut, dass das schwierige und facettenreiche im Menschen darzustellen, seine Leidenschaft ist. Allein die Szene, als J.Edgars Mutter im Film stirbt und er sein Outing nur für sich vor dem Spiegel erlebt, das gleichzeitig die Liebe zur Mutter und die Furcht vor ihr, wie seine eigene Identität zeigt, die ihn schließlich zusammenbrechen läßt, ist so authentisch und keineswegs übertrieben gespielt, dass einem deutlich wird, wie überfällig der Oscar längst ist.

Unbedingt ansehen!

An Clint Eastwood und Leonardo: Danke für dieses Meisterwerk und diese wunderbare Kino-Unterhaltung!
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Produktdetails

3,7 von 5 Sternen
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