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Kundenrezension

NR. 1 HALL OF FAMEam 11. Oktober 2004
Im Eingang diversester Filmrezensionen stand mit der Veröffentlichung von "Der Untergang" wiederholt die Frage: Darf man? Darf man überhaupt (noch dazu in Deutschland, mit einem deutschen Regisseur, einem deutschen Produzenten) sich dieses Themas bemächtigen?
Die Filmgeschichte zeigt uns: Man darf. Genug oft wurde, meist recht klischeehaft, die Persönlichkeit Adolf Hitlers filmisch thematisiert, inszeniert, oder gar karikiert - wie bei Charlie Chaplin's "The Great Dictator". Doch von dieser schwarzen Komödie mal abgesehen - die als Meisterwerk ihren Stellenwert in der Filmgeschichte Platz gefunden hat - waren die Ergebnisse des Versuchs einer Hitler-Biografie meist klischeehaft verfärbt, historisch verfärbt, oder schlichtweg pauschalierend-verzerrt, um nur ja den Führer als "Monster" darzustellen, damit es auch das dümmste Kind begreift.
Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Oliver Hirschbiegel wollten nun einen Neuzugang wagen - und die Figur Adolf Hitler aus einer völlig neuen Perspektive zeigen. Natürlich nutze man zu einem gewissen Grad die gesellschaftliche und mediale Präsenz der Thematik, die, von Autoren wie Jörg Friedrich, zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Bomben auf deutsche Städte, etc. zu verkaufsträchtigen Themen stilisiert haben; aber angesichts eines Produktionsbudgets von 12 Mio Euro ist es schon verständlich, nicht nur einen guten, sondern auch an den Kinokassen erfolgreichen Film abzuliefern.
Gestattet die filmische Inszenierung "Der Untergang" als packende Geschichte zu verfilmen, die von den letzten Tagen des 'tausendjährigen Reichs' Zeugnis ablegt, und den 'Führer' als von Krankheit gezeichneten Mann, zwischen 'gutem Onkel' und 'judenhassendem Monster' wandelndes Individuum präsentiert; als Geschichte aber auch, die nicht anklagt, sondern schlichtweg darstellt?
Soll aber auch heißen: Nach welchen Maßstäben soll man einen Film wie "Der Untergang" bewerten - sofern hier eine Bewertung, im Sinne von Sternen, Punkten oder Prozenten überhaupt legitim (moralisch) ist?
Rein von der Inszenierung her, der Intensität seiner Bilder, ist "Der Untergang" mit Sicherheit einer der ausgereiftesten Filme, die in Deutschland seit der Nachkriegszeit produziert wurden. Und auch die Umsetzung der Geschichte weiß zu überzeugen: "Der Untergang" ist da wörtlich zu nehmen, ist zum greifen nah, stets präsent, im Führerbunker der zur letzten Festung für die Letzten an den 'Endsieg' glaubenden, engsten Mitarbeiter Adolf Hitlers wird. Die Angst liegt wie eine bleierne Last in den engen Räumen, menschlicher Wahnsinn und unmenschliche Grausamkeit liegen in ihren letzten Zuckungen, während in den verwüsteten Straßen von Berlin das letzte Gefecht begonnen hat, auch ein Gefecht gegen die eigene Bevölkerung, gegen Dessateure, Alte, Kranke: Der Wahnsinn menschlicher (verzweifelter) Abgründe zeigt seine schwärzeste (makaberste) Seite - wozu ist der Mensch fähig, wenn Wahnvorstellungen sich in die letzten Ritzen der klaustrophobischen Enge eines Bunkers verkriechen? So realistisch, wie Iflandring-Träger Bruno Ganz Adolf Hitler 'darstellt', aber auch Corinna Harfouch als Magda Goebbels (gnadenlos und eiskalt jene Szene, als sie ihre Kinder vergiftet). Da verschwimmen die Grenzen des Schauspiels, da überfällt einen das blanke Entzetzen, und wenn die Goebbel'schen Kinder zum 'Onkel Adolf' drängen, das Mitgefühl. Das ist Kino in seiner pursten Form, die intimsten Momente des Films sind seine Stillen, und die berührendsten liegen in der Ruhe des Führerbunkers, wenn die Granateneinschläge nur als fernes Donnern zu hören sind.
Regisseur Oliver Hirschbiegel begann seine Karriere mit dem ambitionierten TV-Projekt "Mörderische Entscheidung" - der von ARD, ZDF und ORF produzierte Fernsehfilm lief 1991 synchron auf zwei Fernsehkanälen, in der Version eins wurde die Kriminalgeschichte aus der Sicht des Killers, in der Version zwei aus der Sicht der Polizei geschildert. Nicht minder engagiert waren seine "Tatort" Filme, bis er mit "Das Experiment" internationale Aufmerksamkeit erzielte. Kompromißlosigkeit und Geradlinigkeit überforderten zwar das Mainstream-Publikum, filmisch waren es Werke von erster Güte. Oliver Hirschbiegel jedenfalls darf sich als absolutes Ausnahmetalent wähnen - und Deutschland kann gute Filme machen, wenn es will. Wolfgang Petersen, der mit "Das Boot" ein historisches Ereignis in einen Film von bleibendem Wert umsetzte, hat mit seinen neuen Werken 'Made in Hollywood' vielleicht kommerziell erfolgreiche Filme geschaffen, aber der Wert, der Inhalt? Und Roland Emmerich liefert ohendies zwar unterhaltsames (und technisch perfektes) aber inhaltlich anspruchsloses und amerika-patriotisches Mainstrem-Kino.
Nach "Der Untergang" soll jedenfalls niemand behaupten können, es gäbe keine Regietalente in Deutschland (mehr). Wer, wie Hirschbiegel, zu Kompromißlosigkeit und Risiko bereit ist, und den Mut besitzt, 'brisante' Geschichten filmisch zu thematisieren, wird auch international akzeptiert werden - und man sollte nicht den Fehler begehen, sich am 'Mainstream' zu orientieren, oder nach Amerika zu schielen. Das ist eine andere Welt.
Daher darf man nicht nur, man muß sich Themen wie diesem widmen. Konsequent, ehrlich, direkt.
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