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Kundenrezension

96 von 115 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Großartigen Klassiker verhunzt!, 4. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Schatzinsel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der halbe Erdball, die ganze englischsprachige Welt liest Stevenson im Original, wie er es vor über 130 Jahren zu Papier gebracht hat - wir Deutschen aber brauchen für jedes Jahrzehnt eine neue Übersetzung und noch eine und noch eine... Was war an den alten Übertragungen so falsch, daß sie ausgedient haben sollen, wozu soll das Buch "im 21.Jahrhundert ankommen"? Immerhin läßt sich die Geschichte auf Englisch so frisch und mitreißend lesen, als wär sie gestern geschrieben worden! Im Deutschen gibt es unter den zahlreichen Übersetzungen mindestens eine exzellente - von Karl Lerbs, der nicht pedantisch Wort für Wort übertrug, sondern elegante, der Stimmung, dem Tempo und Rhythmus des Originals entsprechende Wendungen fand.

Neue Versuche führen nur zu Einbuße an Kraft, an Tempo, an Sauberkeit - aber die Verlage scheinen zu glauben, daß man das Rad immer wieder neu erfinden kann. Für eine gelungene Übertragung braucht es eine gehörige Prise Sprachgefühl - und handfestes historisches und fachliches Wissen.

An beidem scheint es Andreas Nohl zu fehlen. Unsäglich schon, daß er die Figuren einander siezen läßt - formal möglich, jedoch fürs 18.Jahrhundert und eine Seeräubergeschichte denkbar unpassend; damit geht bereits ein gut Teil der Stimmung über Stag.
Selbst Synchronisationen drittklassiger Piratenfilme beweisen mehr Sinn fürs Flair und verwenden die Honorativa "Ihr" und "Euch"!

Alsdann gerät die kraftvolle und wunderbar reiche Seemannsprache unter die Räder oder vielmehr unter den Kiel, "da die Seefahrersprache nur Eingeweihten verständlich ist" - merkwürdig, daß die bisher so unverständliche Erzählung je zu einem Bestseller werden konnte... Es gibt kein Dollbord mehr, nur einen schnöden Bootsrand, keine dralle Jolle, nur ein höchst ungenau bezeichnetes Beiboot, der Fockmast wird zum Vormast - da wird doch der flotteste Schoner zum lahmen Prahm! Mit anderen Worten: man traut dem Leser kein Sprachverständnis zu. "Die Schatzinsel" für tumbe Simpel!
Als ich das Buch drei Käse hoch nicht unter der Bettdecke, wohl aber unterm Bett liegend verschlang, waren es neben Stevensons packender Schreibweise gerade diese wundersamen Wörter, die mir die Welt der knarrenden Planken und knatternden Segel eröffneten! - Man möcht nicht wissen, was in Nohls Händen aus dem "Seewolf" geworden wär, in dem es von weitaus mehr nautischen Begriffen wimmelt, oder aus Captain Marryats formidablen Seefahrerbüchern...

Peinlich wird's gar, wenn Nohl schlaumeierisch versucht, Stevenson zu verbessern - Captain Flints gellendes Papageiengekreisch "Pieces of eight! Pieces of eight!" wird nicht zum richtigen und obendrein lautmalerisch passenden ""Piaster! Piaster!" (ein gebräuchlicher Name für die spanischen Pesos de ocho oder 8-Realen-Stücke), sondern zu "Dukaten", weil, so bemerkt es Nohl überschlau, ein Papagei ohne Lippen keine Lippenlaute formen könne. Demnach wäre Stevensons Original ebenso falsch wie die alte Übersetzung ... als könnten Papageien keine Lippenlaute imitieren! Sie erzeugen auch gutturale Töne ohne Kehlkopf und Stimmlaute ohne Stimmlippen - das Argument ist also ganz verquer und entlarvt den Täter als Wichtigtuer, der sich kundiger gerieren will als der Autor von Weltruf!
Davon abgesehen kann ein Übersetzer nicht selbstherrlich den Text ändern (im Nachwort wird aber "größtmögliche Nähe zum Original" versprochen, der Klappentext gar rühmt dreist die "größte Werktreue"!)

Überdies wird durch diese durch nichts motivierte Verschlimmbesserung aus der riesigen in Lateinamerika seinerzeit in Massen geprägten und in aller Welt verbreiteten Silbermünze ein viel selteneres deutsches oder venezianisches Goldstück - ausgerechnet auf der spanischen Silberflotte niemals 350 000mal auf einen Schlag anzutreffen! - diesen faustdicken Humbug aber nimmt der scheinbar so auf Korrektheit pochende Übersetzer großzügig in Kauf. Schon ein Wunder, daß Nohl die "Plate ships", von Amerika nach Spanien abgehende Silberschiffe, nicht mit "Tellerschiffen" übersetzt hat, sondern mit "Goldschiffen". Über ein Quentchen Spanisch sollte verfügen, wer sich mit Piraten der Karibik beschäftigt; plata bedeutet Silber.

Auch an anderer Stelle leistet sich Herr Nohl derbe Schnitzer aus Unkenntnis der englischen Sprache.
So heißt es über Billy Bones im ersten Kapitel: "one of the cocks of his hat having fallen down, he let it hang from that day forth, though it was a great annoyance when it blew". Daraus wird bei Nohl "Nachdem eine seiner Hutfedern abgeknickt war, ließ er sie einfach herunterhängen, obwohl sie sehr lästig sein konnte, wenn der Wind blies."
Nun ist ein "cocked hat" kein Federhut, wie der Hahn im Namen nahelegen könnte, sondern ein Dreispitz oder, seemännisch gesprochen, Dreimaster; auch wenn nicht von "brim" die Rede ist, handelt es sich also um die Hutkrempe - schließlich trug kein Seemann einen straußenfederngeschmückten Kavaliershut à la française! Zudem wird hier aus dem flüssigen Englisch ein umständliches Deutsch mit vier Teilsätzen. Karl Lerbs übersetzte elegant mit "Als seine Hutkrempe sich auf einer Seite gelöst hatte, ließ er sie hinfort einfach baumeln, obwohl ihm das bei Windwetter lästig war." So einfach geht das.
Einen weiteren Fauxami findet man ein paar Kapitel später: "and John would touch his forelock" bedeutet natürlich nicht, Silver habe an seine Stirnlocke getippt - das seemännische Salutieren ist auch einem Kahlkopf noch möglich. Wer die Verfilmung von "Master and Commander" gesehen hat, wird den saloppen Gruß vor Augen haben. Offensichtlich gehören weder Herr Nohl noch sein Expertenstab zu den intimen Kennern der britischen Seefahrt! Dennoch hat Herr Nohl die Stirn, Stevenson der seemännischen Unkenntnis zu zeihen!

Der halbwüchsige Jim wird von Ben Gunn mit "Maat" angeredet, obwohl er dem Alter nicht mal Leichtmatrose sein könnte: "mate" hat eben ein paar mehr Bedeutungen, als Herrn Nohls Schulweisheit sich träumen läßt, unter anderem "Kumpel, Kamerad". Laut Glossar, das von der betreffenden Seite auf eine andere verweist, avanciert Jim dadurch sogar zum Steuermann - das ist schlichtweg grober Unfug.

Der verstörte Dick, dem nach seemännischem Aberglauben Unheil prophezeit wird, weil er eine Bibel geschändet hat, hofft, daß er es durch einen Kuß auf das Buch abwenden kann ("it'll do to kiss the book on still, won't it?"), doch "Das Buch ist aber noch gut genug, um darauf zu küssen, oder?" ergibt gar keinen Sinn. Auch ist eine Bibel, die bei einem Schwur nicht mehr bindet ("it don't bind more than a ballad-book"), im Fall eines Falles, nämlich bei einem Meineid, eben doch kostbarer als sei sie "genau so wenig wert wie 'n Liederbuch".

Ein einziges Mal hab ich eine Stelle entdeckt, die von Lerbs mißverstanden wurde und von Nohl richtig erkannt - wenngleich nun der absonderlich geheimnisvoller Ausdruck "Flints Faust" zum prosaischeren "Flints Gekrakel" wurde. Tatsächlich aber ist mit "fist" eine Handschrift gemeint: die Karte also.

Apropos Karte: nicht einmal die bleibt von Fehlern verschont! Daß das akribisch gezeichnete Original durch großschriftig darübergesetzte deutsche Namen vermehrt wird, mag noch als Schönheitsfehler durchgehen. Daß der größte Hügel, das "spyeglass", aber identisch ist mit dem "main mast", wird durch Silver beim ersten Anblick der Schatzinsel erklärt - auf der neuen Karte jedoch erhält ein bislang unbenamstes Hügelchen nahe der Nordbucht und nördlich des "Ausgucks" den Namen "Großmastberg" (was ähnlich tapsig klingt wie Zugspitzenberg oder Matterhornberg) - für die Eleganz und Kraft der Sprache fehlt dem Übersetzer anscheinend jeder Sinn.

Auch für Stevensons Sprachrhythmus hat Nohl kein Ohr.
Man lese, wie gleich zu Beginn der alte Käptn beschrieben wird - gleichsam mit Jim Hawkins' Augen über die pittoreske Gestalt wandernd: "I remember him as if it were yesterday, as he came plodding to the inn door, his sea-chest following behind him in a hand-barrow; a tall, strong, heavy, nutbrown man; his tarry pigtail falling over the shoulders of his soiled blue coat; his hands ragged and scarred, with black, broken nails; and the sabre-cut across one cheek, a dirty, livid white." Nohl zerhackt diesen nicht grundlos so langen, doch immer noch gut lesbaren Satz in drei und steht nicht an, den letzten wie nach einem Stocken mit "und" beginnen zu lassen: "...die Fingernägel schwarz gerändert und abgebrochen. Und der Säbelschmiß auf seiner Wange...". Das holpert und stolpert nun wie ein Schulaufsatz - nicht nur an dieser Stelle, denn für Satzanfänge mit "und", die seit Fritzing Reuter verpönt sind, hat der Übersetzer eine Vorliebe - sie tauchen sogar im Doppelpack auf.
Geradezu gestelzt klingen Ausdrücke, die umgangssprachlich salopp klingen sollen: "mir hat der Job kein Zehntel so gut gefallen, bevor ich das Gespräch mit dir hatte" sagt kein Mensch

Mitunter liest sich Nohls Deutsch geradezu, als hätte er Tucholskys Anleitung für einen schlechten Redner zugrunde gelegt. Doppelte Genitive geben sich ein fröhliches Stelldichein, kraftvolle Verben verkümmern zu bürokratischen -ung-Wörtern usw. usf. Schon die Überschriften tschilpen es vom Dache: "Die Seemannskiste" (statt "Die Seekiste"), "Fortsetzung der Erzählung durch den Doktor: Die letzte Fahrt mit dem Beiboot" (statt "Der Doktor setzt den Bericht fort: "Die letzte Fahrt der Jolle") und dergleichen mehr.

Besonders greulich finde ich aber solche gequälten Modernismen wie "hau mich der Lukas!" - aus dem Munde von Long John Silver unsäglich! Das ist nicht seemännisch gesprochen, ja, nicht mal umgangssprachlich, sondern arg gekünstelt und klingt für meine Ohren schlichtweg falsch.

Nein, dieser unsterbliche Klassiker hat einen solch garstigen Kastratenschnitt nicht verdient. Über die Planke damit!
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Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 35 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.07.2014, 15:10:24 GMT+2
[Von Amazon gelöscht am 25.07.2016, 11:56:26 GMT+2]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2014, 12:59:43 GMT+2
Nachtwindhund meint:
Der Vergleich mit Neonazis zeigt nur allzu deutlich, wem der Schaum vom Munde geifert. Die "haarsträubenden Vorwürfe" habe ich mit zahlreichen Beispielen untermauert - wären sie zu entkräften gewesen, hätten Sie, Herr Nohl, sicherlich in wenigstens einem oder zwei Fällen entsprechend argumentiert. Sachliche Entgegnungen vermisse ich jedoch in dieser Replik, stattdessen fällt der Vorwurf der groben Tonlage in ganzer Schwere auf Sie zurück.

Was die "begeisterten Rezensionen in Presse und Rundfunk - von Fachjournalisten" anbelangt, so danke ich Amazon, daß es hier einem schlichten Leser ein Forum bietet, seinen eigenen unverfälschten Eindruck wiederzugeben. Die zustimmenden Reaktionen darauf zeigen, daß die Rezension wohl doch dem einen oder anderen hilfreich war - und dafür nehme ich gerne mal verbale Entgleisungen in Kauf.

Veröffentlicht am 11.07.2014, 13:08:01 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 15.07.2014, 08:38:06 GMT+2
Nachtwindhund meint:
Oder mit dem Volksmunde gesprochen: welch getroffenem Hunde der Schuh paßt, der zieht bellend ihn sich an ;-)

Freilich, wer durch die Presse verwöhnt wurde, den schmerzt es umso mehr, wenn er die Reaktionen derer erfährt, die einzig zählen: die der Leser.

Übrigens liegen, wenn Sie Ihre zoologischen Erkenntnisse konsequent verbreiten wollen, noch große Aufgaben vor Ihnen: der "Robinson Crusoe" mit dem Ihrer Ansicht nach unmöglichen Papagei Poll muß ebenso umgeschrieben werden wie alle "Polly wants Cracker"-Anekdoten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 28.07.2014, 20:09:11 GMT+2
Buchstütze meint:
Man versteht natürlich, dass Sie nicht auf alle Vorwürfe antworten können, es sind ja auch sehr sehr viele, und alle berechtigt. Antworten Sie doch einfach mal - pars pro toto - auf einen einzigen, zum Beispiel den mit den Labiallauten. Da wollten Sie doch schlauer sein als der Autor. Komisch, dass von all Ihren Beratern niemand etwas gemerkt hat.
Und was die "begeisterten Rezensionen" angeht: Glauben Sie im Ernst, dass diese Rezensenten das Original lesen und dazu die diversen Übersetzungen zum Vergleich heranziehen? Dann sind Sie naiv.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.08.2014, 19:03:16 GMT+2
[Vom Autor gelöscht am 01.08.2014, 19:15:10 GMT+2]

Veröffentlicht am 04.08.2014, 22:06:58 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 04.08.2014, 22:09:22 GMT+2
Montaigne meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 05.08.2014, 19:05:22 GMT+2
Nachtwindhund meint:
Vielen Dank, Buchstütze, für den sachlichen Beitrag - mir selbst geht ja leicht der Hut hoch, wenn Werke meiner Lieblingsschriftsteller derart verstümmelt werden. Ich finde, es bedarf schon eines gerüttelten Maßes an Chuzpe, um einem Autoren von Weltrang wie Stevenson Fehler nachweisen zu wollen - Ihre Deutung, das sei oberlehrerhaft, ist sogar recht freundlich formuliert.

Bravo, Montaigne: Sie haben zwar noch keine einzige Rezension für Amazon verfaßt, brüsten sich aber bereits mit einem illustren Namen der Weltliteratur! Wie Sie meine Fähigkeiten als Leser aus der Ferne und ohne meine Bibliothek zu kennen einschätzen können, bleibt mir ein wundersames Geheimnis; ich will es auch gern fürderhin bewahrt wissen. Ihre Meinung zum betreffenden Buch sei Ihnen unbenommen, die können Sie gern in einer eigenen Besprechung an den Mann bringen. Mir scheint jedoch arg, auch Sie haben auf meine konkreten Beispiele schlimmer, teils willkürlich gemachter Übersetzungsfehler nichts Konkretes zu erwidern. So hemmungsfrei wie Sie würde ich ja nicht mal den großartigen Karl Lerbs belobhudeln:
"wir dürfen dankbar sein, dass wir überhaupt solche großartigen Menschen unter uns wissen"... Großartige Menschen, die gezielte Kritik mit den Hetzereien von Neonazis gleichsetzen, na danke! Man reiche mir einen Feudel, Reinschiff zu machen!

Wer das fürchterlich komplizierte Wort Jolle scheut, wer hispanische Silberschiffe für Träger von Unmengen Goldes hält und wer glaubt, ein - möglicherweise dreimastiger - Schoner könne keinen Besanmast tragen, also auch keine Besanwanten, dem muß die Neuübersetzung freilich einer Erlösung gleichkommen (ja, es gibt drei-, vier- und selbst fünfmastige Schoner, auch wenn die Herren Übersetzungsexperten derlei für unmöglich erklären. Man möge Hinstorffs Blauem Band "Schoner in Nord und Süd" nachlesen).

Wer aber Stevenson liebt, wer ein wenig von Seemannschaft versteht, wer eigenmächtige, von keinerlei Sachkenntnis getrübte Verschlimmbesserungen verabscheut, der greife zu den guten alten, den bewährten Übersetzungen. Punktum!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.08.2014, 13:26:17 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 25.07.2016, 12:25:42 GMT+2
Andreas Nohl meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2014, 12:43:27 GMT+2
Zuletzt vom Autor geändert am 07.10.2014, 17:19:22 GMT+2
Nachtwindhund meint:
Herr Nohl,

es wird ein jeder verstehen, daß Ihnen als Getroffenem der neutrale Standpunkt versagt bleiben muß.
Dennoch hätten Sie auf wenigstens einen meiner Kritikpunkte eingehen können - stattdessen zitieren Sie sich selbst, und zwar genau mit den Aussagen, die ich für höchst kritikwürdig halte. Kein "Pars pro toto", nicht ein Tüttelchen haben Sie widerlegt; es sind ein und dieselben falschen Behauptungen - als ob eins und eins fünf ergäbe, wenn man es nur oft genug wiederholt. Ein Fluchtversuch, um es klar zu sagen, und zwar ein mißlungener.

Sie behaupten von sich eine unübertreffliche Liebe zu Stevenson - und sprechen ihm Sachkenntnis ab.
Sie behaupten von sich eine unübertreffliche Liebe zur "Schatzinsel" - und verfälschen sie.

Ein Übersetzer, gleichgültig wie hoch oder spärlich seine Gaben, ist dem Original verpflichtet - er kann nicht selbstherrlich angebliche Fehler eines Originals ausmerzen. Selbst mögliche Fehler gehören zum Buch.
Stevenson hat aber keine begangen!

Es ist unerheblich, ob Papageien einen Labiallaut erzeugen oder nur täuschend echt nachahmen können. Hunderttausende deutscher oder oberitalienischer Goldmünzen in der spanischen Karibik aber sind historischer Unfug. Ein Schoner im engsten Sinn ist zwar ein Zweimastfahrzeug, Schoner ist aber auch die Gattungsbezeichnung für gaffelgetakelte Schiffe allgemein, ab dem dritten Mast heißt der letzte Besanmast, die Zahl der Masten der Hispaniola wird aber nie genannt. Et cetera et cetera et cetera.

Sie verweisen auf Ihren Zeitmangel, um die Argumente nicht entkräften zu müssen - schreiben aber eine stattliche raumfüllende Replik. In der dafür draufgegangenen Zeit hätten Sie ja Buchstützes Rat folgen und auf ein Detail antworten können.

Ist es unehrenwert, unter anderem auch Haushaltsgegenstände zu rezensieren? Ich denke nicht. Falls Sie sich mein Profil näher angeschaut haben, sollte Ihnen aufgefallen sein, daß ich weitaus mehr Bücher besprochen habe, in den überwiegenden Fällen positiv.
Sie meinen, nicht jeder hergelaufene Rasierapparatrezensent dürfe auch Weltliteratur rezensieren? Ihre Arroganz wetteifert mit Ihrer übersetzerischen Unfähigkeit.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: nicht jeder beliebige Übersetzer darf sich an (längst trefflich übersetzter) Weltliteratur vergreifen!

Sie nennen unsere Rezensionen "Missbrauch der subjektiven Privatmeinung zuungunsten des abgewogenen Urteils und eine flagrante Verzerrung des öffentlichen Meinungsbilds" (welch hübsches Bürokratendeutsch), uns kritische Rezensenten aber Schreihälse und stellen uns Neonazis gleich - wer, Herr Nohl, verzerrt hier die Wirklichkeit? So ein Vergleich ist meines Dafürhaltens sogar justitiabel.

Die Wahrheit ist ganz einfach: sie wird von Ihnen nicht vertragen. Sie möchten nur Lobhudelei. Selbstverliebt verweisen Sie - wiederholt - auf die positiven Besprechungen der Medien. Daß die ephemer sind und in einem Jahr keinen mehr interessieren, Online-Rezensionen aber weiterhin gelesen werden, ist Ihre schlecht verhohlene Angst. Die ist aber ganz berechtigt.
Wenn Leser sich kritisch äußern, werden ihnen sofort alle ehrenhaften Motive abgesprochen und von Ihnen verunglimpft: die billigste und armseligste Methode, mit Kritik umzugehn.

Vielleicht sollten Sie sich verdeutlichen, daß ein Übersetzer lediglich ein Vermittler von Kultur ist (oder es sein sollte) und kein Schöpfer. Ein bißchen Demut, Herr Nohl, stünde Ihnen gut zu Gesicht.

Ein Trost: Stevenson wird weiter unsterblich sein, wenn alle verkorksten Übersetzungen bereits lange in der Makulatur modern.

Veröffentlicht am 17.09.2014, 12:38:25 GMT+2
Openuser meint:
Kommt ganz selten vor, dass ein Autor sich persönlich hier einmischt. Aber warum nimmt sich Herr Nohl dann nicht noch ein paar weitere Minuten Zeit und geht auf einige Punkte ein? Schade.
Für mich selber bleibe ich dabei: Ich schreibe keine Rezensionen, sondern gebe nur meine private, subjektive Meinung wieder. Es kommt sicher oft vor, dass ich ein Buch nicht verstanden habe. Im Einzelnen ist meinen Meinung also völlig unerheblich. Aber aus der Vielzahl der Meinungen, die sich hier wiederspiegeln, kann ein Interessent durchaus ableiten, ob er ein Buch anschaffen sollte oder eher nicht. Mich interessieren jedenfalls die Meinungen der Durchschnittsleser oft mehr als die professionellen Rezensionen in der FAZ.
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Ort: Harz

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