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Kundenrezension

TOP 1000 REZENSENTam 1. November 2013
Am Anfang erzählt der Autor Tobias Hürter seine persönliche Errettungsgeschichte, um daran anknüpfend bekannte Denkpositionen der Religionen und der Philosophie zu diskutieren. Bedingt durch den biographischen Anlaß überrascht es nicht, daß er den Schwerpunkt in die Beschreibung seiner eigenen Weltanschauung legt. Er verläßt sich dabei allerdings vielleicht ein bißchen zu sehr darauf, daß das, was er sich so denkt, für den Leser schon interessant genug sein wird und vernachlässigt die Genauigkeit in der Erörterung der philosophischen und theologischen Sachlage. Im folgenden dazu einige mehr oder weniger irritierende Beispiele:

HAL
Der Autor erzählt auf S. 80 von der Todesangst der künstlichen Intelligenz namens HAL im Science-Fiction-Klassiker Odyssee im Weltraum 2001, um dann unvermittelt zu extrapolieren, daß schon heutige Haushaltsroboter Gefühle zeigen, wenn mit sinkendem Akkustand ihr Hunger auf Strom steige und sie zum Aufladen an die Steckdose führen. Er versteigt sich in die Aussage, daß es so aussähe, daß auch Roboter und Computer, gebaut aus Siliziumchips, fühlen könnten und ein paar Seiten später, daß auch ein Thermostat etwas erlebe, wenn die Temperatur sich ändere. Das Buch ist nicht so unausgegoren wie diese Passagen, aber die möchte man tatsächlich glatt einschwärzen.

HEIDEGGER
Der Autor kann sich auf S. 107 des Bekenntnisses nicht enthalten, daß ihm Heidegger wegen seiner "verschwurbelten Sprache" und seiner "Nähe zum Nationalsozialismus" wenig sympathisch ist. Das wirkt inkonsistent, kommt er doch immer wieder auf Heidegger zu sprechen und zitiert ihn sogar noch wörtlich im Finale seiner letzten Textseite.

GANZTOD
Die christliche Ganztodhypothese besagt, daß es nach dem Tod vorerst keinen Himmel gibt, sondern daß mit dem Tod erst einmal alles aus ist und es erst am Jüngsten Tag weitergeht (wenn überhaupt ;-). Die zeitgenössische evangelische Theologie vertritt mehrheitlich diese These vom sogenannten Ganztod des Menschen, wie man z.B. vom Wiener Professor für Systematische Theologie Ulrich Körtner erfahren kann. Es wirkt extrem uninformiert, wenn bei dieser Sachlage Hürter auf S. 123 meint, die Zeugen Jehovas, als ihre Vertreter nennen zu müssen, die größere lutherische Fraktion aber unerwähnt läßt.

GEIST
Ein reiner Geist, ein rein geistiges Wesen könne nicht existieren, meint der Autor auf S. 127, weil es sich und andere nicht erkennen könne. Da hat der Autor ja schon recht, daß sich Menschen Geistwesen kaum vorstelen können. Wenn er es aber so darstellt, als ob es denkunmöglich wäre, daß solche Geister einander nicht erkennen können, weil sie ja keine Sensorik, also keine Sinnesorgane besäßen, dann regen sich doch mit Blick auf die Informatik einige Zweifel. Stellt man sich nämlich in einem Gedankenexperiment nur einmal zwei Avatare vor, die virtuell auf Rechnern im Internet existieren, dann bräuchten die, um miteinander zu kommunizieren erstens sowieso keine Sensorik für die Außenwelt und zweitens könnten sie doch jede Botschaft zwischen ihnen beiden zweifelsfrei identifizieren. Sie müßten nämlich einfach mit der gegenwärtigen Technik der asymmetrischen Verschlüsselung von Botschaften aus dem Datenstrom die für sie vom anderen bestimmten Botschaften herausfiltern. Sie würden sich also rein kommunikativ gegenseitig erkennen. Diese Analogiebetrachtung beweist natürlich noch nichts, läßt aber doch vermuten, daß es mit dem denknotwendigen Ausschluß von Möglichkeiten nicht ganz so einfach ist, wie es sich der Autor vorstellt.

KANT
Hürter hat Philosophie (und Mathematik) studiert. Da darf man erwarten, daß er Immanuel Kants Position (S. 146) mit besonderer Klarheit wiedergibt, zumal sie die Basis ist für die Thesen des emeritierten Philosophen Mark Johnston, auf dessen Thesen Hürters Buch sich am Ende zuspitzt. Hürter schreibt: "Der große Königsberger Transzendentalphilosoph sah rationale Gründe, auf ein Weiterleben zu hoffen. Tugend und Glückseligkeit zusammen bilden für Kant das »höchste Gut«, nach dem wir als rationale Wesen notwendigerweise streben müssen. Doch diese moralische Vollkommenheit können wir im irdischen Leben nicht erreichen, schließlich sind wir keine Heiligen. Da das Streben nach dem höchsten Gut aber moralisch gefordert ist, rnüssen wir annehmen, dass unsere Existenz als rationale Wesen ins Unendliche fortdauere. Die Unsterblichkeit der Seele ist daher ein Postulat der praktischen Vernunft«. Das gute Leben und der Tod hingen untrennbar zusammen."
Die Pointe bei Kant liegt aber gerade darin, daß das Streben nach Tugend und das Streben nach Glückseligkeit in dieser Welt nicht notwendig miteinander vereinbar sind. D.h., daß der böse Mensch widersinnigerweise glückseliger werden könnte als der gute, der u.a. auch wegen seiner guten Taten auf die Glückseligkeit verzichtet. Es sei denn, es gäbe einen Ausgleich in einem späteren Leben. Das muß es also geben, so postuliert Kant, wenn sich das Gute in diesem Leben Bahn brechen können soll. Daß der Autor diesen schönen Gedanken Kants nicht in der erwarteten Form ausgeführt hat, ist schade.

UNSTERBLICHKEIT
Die Leere und Sinnlosigkeit eines ewigen Lebens ist von vielen Schriftstellern behandelt worden. Einige Beispiele führt der Autor an. Und natürlich erheitert die britische Schriftstellerin Susan Ertz mit ihrer witzigen Absage an die Ewigkeit, wenn sie schreibt: „Millionen sehnen sich nach Unsterblichkeit und wissen nicht, was sie an einem regnerischen Sonntagnachmittag anfangen sollen“. Allerdings verfehlt dieser Witz gerade das Kantsche Postulat, daß es das Weiterleben vor allem dafür braucht, daß ein Mensch aufrechten Hauptes gut sein kann, weil der Tod als Schlußpunkt den Ausgleich der Glückseligkeit zwischen den Guten und den Bösen ja verhindern würde. Außerdem stellt das Wegpostulieren oder Wegwünschen eines Schlußpunktes noch lange kein Sehnen nach Ewigkeit dar. Zweifellos dürfte eine Gesellschaft mit unsterblichen Individuen, wie sie z.B. Jorge Luis Borges in "Der Unsterbliche" Das Aleph: Erzählungen 1944 - 1952 imaginiert, statisch und gelähmt sein, aber die literarischen Beispiele überzeugen trotzdem nicht ganz. Welchen Punkt genau sie verfehlen, läßt sich vielleicht mit folgendem Gedankenexperiment zeigen: Wenn wißbegierige Menschen gefragt würden, ob sie ganz persönlich das Schicksal der Menschheit bis zum Ende unseres Sonnensystems, also bis zum Untergang der Menschheit oder ihrem Aufbruch in ein anderes und auch die etwaige Transformation des biologischen Substrates ihres Bewußtseins mitverfolgen würden, wenn sie die Wahl bekämen, so dürfte man womöglich überrascht sein, wieviele Wissenschaftler und Philosophen allein aus Neugier mit ja optieren würden.

FAZIT
Hürters Buch ist auf alle Fälle lesenswert, vor allem, weil es zu eigenen Gedanken anregt, weniger deshalb, weil es der Autor mit dem, was über seine persönlichen Bekenntnisse hinausgeht, sonderlich genau genommen hätte. Dem Autor kommt aber das Verdienst zu, herausgestellt und in Erinnerung gerufen zu haben, daß der Leib-Seele-Dualismus kein ursprünglicher Bestandteil der christlichen Lehre ist. Dafür zitiert er sogar aus Joseph Ratzingers Benedikt XVI. Einführung in das Christentum. Seine Literaturhinweise und Quellenangaben sind vielleicht etwas sparsam geraten. Ein Stichwort- oder Namensverzeichnis fehlt leider ganz.
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