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Kundenrezension

38 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bisher unbekanntes Abenteuer aus der Antike, 30. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wurde Amerika in der Antike entdeckt?: Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya (Gebundene Ausgabe)
Abenteuer und ungelöste Rätsel sind der Stoff der Jungenherzen höher schlagen läßt. In meiner Jugend las ich mit glühenden Ohren über Ägypter, die wohl schon den afrikanischen Kontinent umrundet hatten, lange bevor die Römer nach der Macht griffen. Die Lektüre elektrisierte, weil sie einerseits zeigte, was mutige Menschen schon in frühester Zeit zu leisten fähig waren und andererseits konnte man mit Freunden stundenlang über Was-wäre-wenn-Szenarien debattieren.

Nach einer kurzen Meldung im SPIEGEL Ende 2012 und in Erinnerung an die Lesefreuden meiner Jugend fieberte ich dem Erscheinungstermin von Hans Giffhorns Buch entgegen - und wurde in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

Der bis zu seiner Pensionierung an der Universität Hildesheim lehrende Kulturwissenschaftler dreht schon seit vielen Jahren Dokumentarfilme. Auf der Suche nach einer als ausgestorben geltenden Kolibriart hörte Giffhorn 1998 in Nordostperu zum ersten Mal vom Stamm der Chachapoya und ihrer bisher kaum erforschten Kultur. Er lernte einige Fakten kennen, die ihn zur Vermutung brachten, daß dieser Stamm Wurzeln im antiken Mittelmeerraum haben könnte und daß Vorfahren dieser Indianer nach der Eroberung Karthagos durch die Römer nach Südamerika geflüchtet sein könnten.

In der Einleitung seines Buchs beschreibt Giffhorn sein wissenschaftliches Vorgehen. Er betont, daß hierzu das Formulieren von Hypothesen gehört. Ziel müsse nicht die Suche nach deren Bestätigung sondern der Versuch ihrer Widerlegung sein. Er ahnt sicher, daß zumindest ein Teil der "Fachwelt" über ihn, den Kulturwissenschaftler mit der unerhörten These, nach deren Veröffentlichung herfallen wird.

In Teil 1 des Buchs schreibt er über die Rätsel der Chachapoya, die Tatsache, daß schon den eingeborenen Zeitgenossen vor der Ankunft der spanischen Eroberer 1 535 die große Gestalt, das blonde Haar und die weiße Haut mancher Chachapoya aufgefallen sei. Geschickt wird der Hinweis, daß in über 1500 Jahre alten Mumien beim Röntgen Hinweise auf Tuberkulose gefunden wurden, obwohl die Tuberkulose nachweislich erst im Gefolge der Rinder der europäischen Eroberer ihren Weg nach Amerika fand, platziert.

Im zweiten Teil werden die Seefahrernationen der europäischen Antike betrachtet und die Frage gestellt, wie eine Kultaxt, die einen Stierkopf zeigt, vor mindestens 1500 Jahren in das Amazonasgebiet gelangt sein könnte.

Der dritte Teil präsentiert dann eine Reihe von Szenarien, wie Karthager, balearische Steinschleuderer und im Nordwesten Spaniens beheimatete Kelten zusammengefunden haben könnten und wie diese gemeinsam über den Atlantik und den Amazonas bis ins Andenhochland des heutigen Perus gefunden haben könnten. Weil es außer zwei antiken Quellen, wonach die Karthager Land fernab der Küste Afrikas entdeckt hatten, keine weiteren Hinweise gibt, muß dieser Teil spekulativ bleiben. Aber Giffhorn müht sich redlich, die Plausibilität seiner Szenarien nachzuweisen.

Nachdem er in einer Zwischenbilanz zu dem Schluß kommt, daß Kelten vor über 2000 Jahren in die Anden gelangten, bringt er im vierten Teil seine aktuellsten und wissenschaftlich wahrscheinlich schwer zu erschütternden Beweise (die ich der Spannung halber nicht verraten möchte).

Giffhorn weist wiederholt darauf hin, daß weder offizielle Stellen Perus noch Brasiliens ein Interesse daran haben, die aktuelle Vorstellung von der Besiedlung aus Asien und späteren spanischen Entdeckung Südamerikas in Frage zu stellen. Dies erkläre auch die mangelnde Unterstützung durch einheimische Behörden und Hochschulen. Giffhorn ist sich sicher, daß Genanalysen an den reichlich vorhandenen Mumien der Chachapoya seine Thesen unterstützen würden.

Wer glaubt, daß es solche Haltungen von demokratischen Staaten im 21. Jahrhundert nicht mehr geben könne, möge sich mit der Diskussion um Shlomo Sands 2011 erschienenes Buch "Die Erfindung des jüdischen Volkes: Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand" beschäftigen. Als studierter Sozialwissenschaftler lehrt er an der Universität Tel Aviv Geschichte. Seine Gegner werfen ihm vor, sich auf dem von ihm diskutierten Teilgebiet der Geschichte nicht richtig auszukennen. Giffhorn wird sich wahrscheinlich ähnliche Äußerungen anhören müssen. Diese Art von Experten hätte Marie Curie 1911 nie den Nobelpreis für Chemie verliehen, schließlich hatte sie doch 1903 den Nobelpreis für Physik erhalten!

Ich kann nicht beurteilen, ob Giffhorn Recht hat, oder uns geschickt einen Bären aufzubinden versucht. Er sagt, daß er mit der Veröffentlichung seiner Erkenntnisse eine Diskussion lostreten möchte, die dann vielleicht zu eindeutigen und von fast allen Experten anerkannten Erkenntnissen führen wird.

Egal wie die Diskussion ausgehen wird, ich fühlte mich brillant unterhalten und bewundere, wie Giffhorn, der doch "nur" Kulturwissenschaftler ist, so viele Wissenschaftsrichtungen, wie Archäologie, Geschichte, Genetik, Geografie, Meteorologie und noch viele andere schlüssig zur Untermauerung seiner Thesen zusammenführt. Mir bescherte sein Buch zwei spannende Leseabende, die mich an mein Abenteuerinteresse in meiner Jugend erinnerten. Der Bucheinband spricht mich grafisch übrigens nicht an, aber das wunderschöne Papier dazwischen trug zum wohligen Genuß beim Lesen ebenfalls erheblich bei.
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