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Kundenrezension

am 15. November 2012
War sein Debüt "Gazing At The Moonlight" 2009 noch über das inzwischen zwar abgehalfterte, aber immer noch legendäre Label Ruthless erschienen, so blieb Hopsin mit dem Nachfolger "RAW" zunächst leider nichts anderes übrig als den digitalen Weg der Distribution zu wählen und das Album als MP3 zu veröffentlichen. In Deutschland sicher noch vielen unbekannt, dürfte der 26-jährige Rapper aus Los Angeles durch seinen Auftritt auf Tech N9ne's neuem Werk "All 6's And 7's" vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit erlangen. Dass er diese definitiv verdient hätte, zeigt uns dieses Album aus dem Jahr 2010.

"RAW" umfasst 16 Songs, die alle vom Mann mit dem Faible für weiße Kontaktlinsen selbst produziert wurden. Als Opener dient "Hot 16's", bei dem der Junge keinen Zweifel daran lässt, dass er vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, was in Kombination mit einem penetranten, straff gehaltenen Instrumental passiert. Wer Hopsin zum ersten Mal hört, wird dabei auch sofort auf seinen lässigen Flow und die angenehme Aussprache aufmerksam. "Sag My Pants" erinnert ein wenig an Hopsins Vorbild Eminem. Das liegt nicht nur am rotzfrechen Refrain, sondern auch daran, dass der Junge sich gleich mit einem Haufen von Leuten anlegt. Neben Drake, Rick Ross, Lil Wayne und Soulja Boy bekommt auch das alte Label Ruthless sein Fett weg. Die Produktion ist dabei recht schlicht, fast schon unspektakulär, eignet sich dadurch aber perfekt zum Zuhören. Kleiner Tipp: Unbedingt mal das Video zum Song anschauen. Deutlich düsterer geht es beim darauf folgenden "You Are My Enemy" zu. Allein schon die Hintergrundmelodie sorgt für Gänsehaut-Feeling, Hopsin tut sein Übriges. Leider nimmt der Refrain mit seiner vielen Elektronik und dem Gesang wieder etwas davon, nichts desto trotz kann man auch hier von einem gelungenen Track sprechen. Im krassen Gegensatz dazu steht dazu "I'm Not Introducing You", das insgesamt verdammt groovy und fröhlich klingt, was durch Hopsins Gesang etwas verstärkt wird. Den ersten Gastauftritt erleben wir mit Swizzz, der ja öfter mit Hopsin zusammenarbeitet, auf "I Am RAW". Inhaltlich erzählen die beiden von ihrem Werdegang und diversen Rückschlägen, was mit einem sehr pompösen Beat und der Aussage "B*tch I am raw" in unser Gehör gemeiselt wird.

Etwas nachdenklicher erleben wir Hopsin auf "Nocturnal Rainbows", das vom Sound her tatsächlich nach einem Ausflug in die dunkle Nacht klingt. Dabei spricht er seine persönliche Lage an ("I still don't know who Hopsin is"), aber geht auch mit dem amerikanischen Präsidenten hart ins Gericht. Der nächste Track "How You Like Me Now", ebenfalls mit Swizzz, präsentiert sich dagegen ruff und aggressiv, was man sowohl der Produktion, als auch den Performances der beiden deutlich anhört. "Kill Her" erinnert ein wenig an Brotha Lynch Hung. Harter Tobak, bei dem die Bässe gnadenlos poltern und Hopsin seinem Hass auf Tomica Wright freien Lauf lässt. Auch hier sollte man sich unbedingt mal das zugehörige Video ansehen - krasser Stoff! Als perfektes Anhängsel folgt darauf mit "I'm Not Crazy" (feat. SwizZz & Cryptic Wisdom)ein Track, der unterhaltsamer nicht sein könnte. Hier erzählt er uns, was er ist und was nicht. So wirklich glauben mag man den Titel des Tracks zunächst zwar nicht, doch nach den Worten im Refrain: "I'm not crazy // I'm just a tad bit strange" denkt man sich selbst nur "alles klar" und grinst dabei, insbesondere beim erneuten Seitenhieb auf Lil Wayne. Gegen Ende geht es mit "Blood Energy Potion" in Richtung Horrorcore, wobei der Song tatsächlich den Sound eines alten Horrorschinkens - garniert mit ein paar E-Gitarrenriffs - nennen kann. Hopsins Flow ist hier ein wahrer Genuss, den Inhalt darf man dabei natürlich nicht ganz so ernst nehmen. Abgerundet wird das Ganze mit einem erneut mehr als gelungenem Track, "Pillow Man".

Wenn man das Album dieses wirklich talentierten Rappers durchgehört hat, fällt man in Begeisterung, da Hopsin endlich ein Label fand, das dieses Werk auf Platte presst. Verdient ist es allemal. "RAW" ist erfrischend, da deutlich abweichend vom Mainstream, außerdem sehr unterhaltsam, wenn man den Lyrics aufmerksam zuhört. Wer die Strange Music Crew oder die älteren Sachen von Eminem mag, sollte hier definitiv mal rein hören, aber auch alle anderen, die vom Pop-Weichspüler genug haben.
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