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Kundenrezension

am 23. Dezember 2013
Schade ... und meine Vorahnung zu Reynoldswerken bestätigte sich.

Regisseur Kevin Reynolds schaffte es für mich nicht, mit der im amerikanischen Bewußtsein bekannte Blutfehde wieder gebührenden Anschluss an die Film- und Kinowelt zu bekommen. Reynolds bzw. seine Werke, die für mich, trotz ihres daherkommenden Bombast, aus künstlerischer Sicht immer einen Hauch des oberflächlichen Kinomachens besitzen, beweist auch hier, dass die hochgelobte Miniserie nur magere Westernkost auf TV-Niveau ist.
Verglichen mit Edelminiserien wie "BoB" oder "The Pacific" steckt der an wenigen Location gedrehte Dramaverhau im Westernlook doch tief im Allerlei der 80er-/90er Fernsehkost a'la "Fackeln in Sturm".

Standardkameraeinstellungen wechseln sich mau mit handwerklich gediegener TV-Ausleuchtung ab, lassen zudem die ärgerlichen für US-TV eingebetteten Werbausblendungen (zudem sind es dann auch noch magere Cliffhanger) erkennen.

Selbst die narrative Dramastruktur des Drehbuches ist eher seicht zu nennen und in den zeitlichen Sprüngen klaffen riesige Lücken im hier abgewandelten Raum-Zeit-Kontinuum der Geschichte, dass man just denkt: "War die Fehde überhaupt bzw. wirklich so spektakulär?".

Zudem wird versucht, wer die geschichtlichen Abläufe kennt, vieles dramaturgisch so aufzupolieren, dass die gezeigte Geschichtsstunde im Apalachengebirge nicht dröger wirkt als sie über die lange Fehde war (was natürlich filmisch nur gerecht bzw. vertretbar ist, sonst wären fast alle Adaptionen, als erzählte Geschichtsstunde im Spielfilmlook, kaum genießbar; ergo langweilig).

Doch trotz des Versuches hier und da große Kinofahrt aufzunehmen, bleibt vieles eben dröge erzählt und dümpelt plump, ja fast schwerfällig, durch die drei Teile. Wartet man schließlich als versierter Western- bzw. Spielfilmkenner, nach einverleiben des ersten Drittels, nur auf den nächsten blutigen Coup. So gilt eher eine Art Abhaken im Kopf des Betrachters, bis sich die dezimierten Sippen zwangsweise so ausgelöscht haben, dass sich alsbald endlich die beiden verbohrten Oberstreithähne -showdownmaßig- gegenüberstehen.
All jenes ist dann milde gesagt, in dieser adaptierten Version, einschließlich seiner eher hausbackenen Lovestory im typischen Quotenfieber des TV-Familiengenußes, eher langweilig zu nennen und zeugt nicht vom dramaturgischen Wurf eines shakespearischen Werkes, welches doch unter der eigentlichen Storyhaut sanft schlummert.

Langweilig, ein nächstes Stichwort!
Herr Costner, so war zu lesen, beharrte auf die Länge und sagte seiner Verpflichtung wohl nur zu, wenn es über den üblichen 90minütigen TV-Film hinausgeht. Anstatt daraufhin das Drehbuch neu zu überarbeiten, streckte man es wohl nur auf die hier zu sehende Gesamtlänge; fühlt sich für mich zumindest so an.
Die Figurenkonstellationen bleiben deshalb im üblichen TV-Mehrteilermodus stecken und außer zwei, drei Charakteren entwickelt sich keine aufbäumende ins Finale mündende psychologische Charakterstudie über die gesamte Tragödie.
Und deshalb bleibt -für mich- nur die Präsenz weniger Schauspieler übrig. Der Rest bleibt, für eine angebliche Edelserie, auf durchschnittlichem (US-)Allerlei-Serienniveau.
Nochmals: Das übliche Verteilen der Rollen bleib im Klischeesaft hängen. So sind dann auch zu finden: Der sensible Schönling (eine dürftige blonde TV-Kopie des z.Z. hochdotierten Ryan Gosling) mit hollywoodtypischen Waschbrettbauch; die zänkische, männerverschlingende Schwarze Witwe, die man aus "Dallas" und "Denver" bis zu Überdruss satt hat; der bemitleidenswerte Dorfdepp; der aalglatte Advokat; die verrottet, versoffene Exekutive usw.. Dies sind eben alles Figurenkonstellationen, die man immer wieder, und gerade in den von Reynolds gemachte Filmen, antrifft.
Deshalb: gestandenes 08/15 Filmhandwerk, was uns Reynolds wieder mal bietet.

Und so bleiben -für mich- nur noch Costner, Paxton und ...., das ist die einzig wirklich positive Überraschung für mich, dieser wie Phönix aus der Asche entsprungene Tom Berenger übrig, über die es sich eigentlich zu schreiben lohnt.
Als absoluter Costnerfan muß man wie immer zugeben, dass er auch den schlechtesten Film (siehe z.B. "The New Daughter", "Im Zeichen der Libelle" u.a.) retten kann. Selbst im neuesten Spektakel, rund um den Man of Steel, sind die einzig sehenswerten Szenen die mit Costner (der, nebenbei erwähnt, für mich die riesige Lücke füllt, die Gary Cooper in amerikanischen Seeleleben hinterließ).
Aber: Costner bleib hier wiedermal nur solide und spielt seine Rolle -wie erwartet- glatt und in typischer Costnermanier runter. Eine Costernrolle par excellence, aber eben nichts fulminantes!
Bill Paxton zeigt sich im guten Format, obwohl die Rolle des McCoy auch hätte stärker besetzt werden können.
Ragt also nur dieser Tom Berenger heraus, der irgendwie in seiner Karriere stark startete und dann im Gemengelage Hollywoods hängen blieb (sieht man sich sein Erscheinungsbild an, ahnt man weshalb). Hier zeigt er allerdings wieder sein Talent, hebt sich merklich vom Rest der Darstellertruppe ab. Er gibt der Serie eine einzigartige Würze und erinnert im Spiel an den guten alten Schatzinselbösewicht Long John Silver.
Berenger ist hier eindeutig der Gewinner der Serie und sieht man auf IMDb die kommenden Rollen, zahlte sich wohl sein Auftritt voll aus.

Zur Fehde selbst:
Als Zuschauer bleibt einem nur Kopfschütteln übrig und es wird einem trotz des mageren Dramaaufgusses verständlich, was das sture Beharren auf Recht, in seiner letzten Konsequenz (und der Verbindung mit Selbstjustiz), mit sich bringt .... nämlich nur Verlierer!
Und so zeigt sich der vielleicht einzig wirklich sehenswerte Höhepunkt in der Schlüsselsszene als Hatfield/Costner mit seinem Filmsohn angelt.

Setzt man den Hebel an, indem man für irgendeine Familie doch Partei ergreifen möchte, eine moralische Rechtfertigung im traurigen Dilemma sucht (was objektiv betrachtet schwer fällt; wenn überhaupt geht aus europäischer humanistischer Gesinnung Wall Hatfield/Powers Boothe den richtigen Weg; Costner hegt ja die typischen amerik. Zweifel an das gesetztgebende Recht gegenüber der Bootheschen Entscheidung), kommen die Hatfields (außer natürlich Jim Vance/Tom Berenger) "sympatischer" rüber. Während Oberhaupt McCoy im Sumpf von indoktrinierten Bibelweisheiten stecken bleibt, scheitert Hatfield zwar an der Konsequenz seiner Prinzipien, kann er aber letztlich ein Zugeben der Fehler preisgeben, somit seine eigene Härte "brechen". Im Gegenzug sich aber bei McCoy die selbstauferlegte Bibeltreue als Lebenslügen -eben durch die brutalen Ereignisse- entlarvt und er sich letztlich nebulös im Alkohol verliert.
So scheint Hatfields Pioniergeist ungebrochen.
Als -amerikanischer- "Freigeist" ist er die Sorte eines Gläubigen, der sich nicht durch die starre Einhaltung des Wortes Gottes lenken lässt. Er ist und bleibt deshalb pure amerikanische Seele schlechthin; passt sich den Gegebenheit zwar an, wird aber nie seine individuelle Freiheit dadurch opfern; er akzeptiert ein schmerzliches Dazulernen, ohne seine Prinzipien dafür preis zu geben; er ist geläutert ohne seine Identität zu verlieren.
Und so findet er den uramerikanischen Weg durch und im Glauben, was bei McCoy, durch die gleichen Erlebnisse, bitter abhanden kam.
McCoys Lebensphilosophie ist also, so könnte man den Reynolds-/Costnerfilm interpretieren, der Verlierer der "Sache", während Costerns Hatfield den Weg zur Erlösung letztlich in der vom ihm zuvor vergraulten Religion, die für den Amerikaner unabdingbar ist, (wieder-)findet. Ferner das Oberhaupt Hatfield, mit seinem utilitaristischen Verhalten, einen für sich brauchbaren Weg ableitet, ohne sein Selbst zu "verraten".
Er entkommt also aus dem nicht enden wollenden Irrweg, driftet so, zwar körperlich und seelisch stark angeschlagen, zurück ins "normale" Leben. Letztendlich seine (die) amerikanische (Pionier-)Seele -in der Taufszenen- ihre Ruhe findet. Sprich: die -ihm- haltgebende Brücke schlagen kann, eine dauerhafte Verbindung kittet, zwischen dem schier unüberwindbaren Hindernis der amerikanischen (republikanischen) Lebensphilosophie, welches die Liebe zum grenzenlosen Land beinhaltet, gepaart in einen festen Familienverbund, die in einen gottesfürchtigen Glauben wandeln, jedoch -wie gesagt- ohne dabei die individuelle Freiheit zu verlieren (das also, was John Wayne im "Der schwarze Falke [Blu-ray]" quälend sucht aber nicht -in sich- findet; darum auch im Original der Ford/Wayne-Film "The Seachers/Die Suchenden" heißt).

Fazit: nüchtern betrachte -aus dramaturgischer und künstlerischer Sicht- eine filmische Enttäuschung und nur durch die für mich positiven Aspekte (Costner, Berenger, einige Dialoge) noch im gediegenen 3er-Bereich angesiedelt.

P.S.
Vergleichbar mit dem gängigen Hau-Drauf-Kinoformaten ist die FSK-16-Wertung mal wieder ein Witz (man versucht mit dem blauen Label Interesse zu schüren, denn das grüne Logo hätte es auch getan).
Bild und Ton bleiben auf dem z.Z. typischen 16:9 Standardniveau, sind aber kein Referenzbeispiel für das BD-Medium.
Allerdings, wie fast alle "Western", sollte man sich die Originalversion (evtl. mit Untertiteln) einverleiben;
zudem Costner mit seiner eigenen Stimme einfach noch genialer spielt,
als seine ohnehin gute Synchronstimme von Frank Glaubrecht;
die natürlich auch hier im Einsatz ist.
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