"Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können" - mit diesem Nietzsche-Zitat sieht der Musikwissenschaftler Martin Geck den Ludwig van Beethoven durchaus präzis auf den Punkt gebracht. Chaos hat der arme Beethoven in der Tat wohl genug in sich gehabt - nicht nur bedingt durch die ja nun wirklich tragisch zu nennende unaufhaltsam ansteigende Gehörlosigkeit, die ihn zu dem mutigen Satz veranlasste: "Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht!" - sondern, es muss erwähnt werden, Beethoven hatte in die Rachen noch einiger anderer Tiger und Pumas zu greifen: in den seines eigenen Jähzorns zum Beispiel, der ihn zu Beschimpfungen greifen ließ wie: "Baron Dreckfahrer, Faschingslump, verdammtes Musikgräferl - mich belehren zu wollen, das ist gerade, als wenn die Sau die Minerva lehren wollte. Beethoven. Punkt." Chaos mögen auch die schmerzhaften Absagen einiger Damen der Gesellschaft bei ihm bewirkt haben, denen er sich zunächst erobernd und charmant genähert hatte, die aber nach einigen Gunsterweisen sich zumeist wieder in den Rückwärtsgang versetzten, weil die damaligen gesellschaftlichen Schranken ein Hinunterneigen alsbald torpedierten. Man musizierte für die höhere Gesellschaft, gelangte aber nicht wirklich in sie hinein. Der solchermaßen entstehende Gefühlsstau mag zwar für die aus ihm resultierenden "Mondscheinsonaten" und Lieder ("An die Hoffnung") produktionsfördernd gewesen sein - die zu erkennende grassierende Resignation Beethovens stimmt aber bereits den Betrachter eines solchen Lebens durchaus nachdenklich. Immerhin: allein die von dem Musikwissenschaftler Martin Geck zusammengetragenen Illustrationen - Beethoven einmal modebewusst und damen- und welt-zugewandt, ein andermal abweisend und verbiestert durch den Regen stapfend - allein die Illustrationen machen das erschwingliche Büchlein schon zu einem gewissen Kleinod - und befördern auf jeden Fall ein tieferes Verständnis seiner unvergesslichen Musik!