Wie Alfred Adler das Machtstreben als ergiebigen Hebelpunkt des Erklärens begriff oder Sigmund Freud die Sexualität in den Focus nahm, so benutzt Heinz Bude den eigentlich psychologischen Begriff der Angst dazu, aus der Sicht des Soziologen unsere Gesellschaft auf den Punkt zu bringen. Aus solch einem abstrahierten, distanzierten Blickwinkel kommt es zu kristallklaren Verdichtungen: Die Ehe wird zu einem System mit besonders intensiver "Verletzungsmächtigkeit". Die Erziehung des Kindes, die Anschaffung von Waren, der berufliche Behauptungskampf erscheinen gebündelt im Brennglas des Begriffes "Statuspanik". In der um den Aufstieg sich prügelnden Gesellschaft ist "für die Enkel die Herkunft nur noch eine (negative) Chiffre für Verlust, nicht mehr für (positiven) Ursprung." Alle sozialen Beziehungen, die beruflichen wie die privaten, erscheinen nunmehr von einer mitleidlosen Aufkündbarkeit unterhöhlt. "Verbitterungsstörung" scheint diejenigen wie eine Krebsgeschwulst zu befallen, die beim Wettrennen um die Aufmerksamkeit nur noch hinterdrein hecheln. Man ist regelrecht erfreut, wenn man in diesem schneidenden Messerwerk des unerschrockenen Zusammenfassens bei Heinz Bude auch ab und zu aufmunternde Sätze entdeckt: "Die Angst, nirgendwo hinzugehören" kann sich verwandeln "in den Stolz, für das Neue zu stehen."