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Kundenrezension

am 24. Juni 2003
Diese Beschreibung der systematischen Zerstörung Deutschlands im 2. Weltkrieg durch britische und später auch amerikanische Bombenangriffe ist schwere Kost, auch für einen Leser, der einen Tag vor Hitlers Machtergreifung zur Welt kam und einen wesentlichen Teil seiner Jugend in der Ruinenlandschaft Berlins durchlebt hat. Zu jener Zeit waren die Feuer in den Ruinen längst erloschen und mit der angeborenen Unbekümmertheit eines jungen Menschen nahm man die Situation hin. Heute, Jahrzehnte später, macht einem dieses Buch erst klar, welchen Schrecken man in der relativen Ruhe der schlesischen Provinz entgangen war und welche Verluste dem Lande zugefügt wurden.
Das Werk ist schwer zu lesen, nicht etwa weil der Verfasser schlecht schriebe (na ja, gelegentlich ist der Stil etwas knorrig), sondern weil man immer wieder quasi aus Angst vor dem, was kommen muss, das Buch schließt. Bei der Lektüre entwickelt sich langsam eine große Hochachtung vor der Leistung des Autors, der sein Werk ganz sicher nicht als eine Exkulpierung des Nationalsozialismus anlegen wollte und wohl noch mehr als seine Leser vor den Ergebnissen seiner Forschungen erschrocken ist. Indem er die Deutschen einmal nicht als Hitlers willige Vollstrecker, sondern als unschuldige Opfer der Bomben beschreibt, hat er einen enormen Beitrag zu einem distanzierteren Umgang mit den Ereignissen in jenem dunklen Tal der europäischen Geschichte geleistet.
Friedrich zeigt auf, dass die Bombardierung Deutschlands mit Millionen Tonnen von Munition aller Art durchaus nicht als alleinige Konsequenz vorhergegangener deutscher Angriffe anzusehen ist, sondern dass die Konzeption des Bombenkrieges gegen ein ganzes Land die logische Folge der Entwicklung des Kriegshandwerks und der entsprechenden Waffen war - Churchills gedankliche Planung eines Luftangriffs mit tausend Bombern auf das kaiserliche Berlin ist dafür ein nicht zu verwerfendes Zeugnis. Die Waffe wurde eingesetzt, weil es sie gab und weil es nur einer geringen Verschiebung der Begriffe bedurfte, um alle Bewohner eines Landes zu Kombattanten zu erklären. Über den zynischen Rat, das Kampfgebiet rechtzeitig zu verlassen, soll hier gar nicht diskutiert werden.
Das Buch macht in erschreckender Weise den Unterschied zwischen den deutschen Angriffen auf England und den alliierten Bombardements deutscher Ziele klar. Görings Luftwaffe sollte 1940 England an den Verhandlungstisch bomben - zu mehr war sie ohnehin nicht in der Lage. Aufgabe des Bomber Commands war die maximale Zerstörung Deutschlands - seiner Substanz, seiner Bewohner, seiner Geschichte. Der Auslöser des 2. Weltkriegs, nämlich die Erhaltung der Integrität Polens, spielte schon bald nach Kriegsbeginn keine Rolle mehr, es ging nur noch um die Ausschaltung einer großen Macht in Mitteleuropa. Die bis in die letzten Kriegstage fortgesetzte Bombardierung ziviler Ziele bezeugt, dass es auch gar nicht darum ging, die Moral der Bevölkerung zu brechen, denn schon um eigenen Verluste einzugrenzen hätte man ja dieses Ziel immer wieder einmal auf seine Wichtigkeit untersuchen müssen; das geschah aber nie, man bombte einfach weiter bis zum Ende der Kampfhandlungen.
Materiell sicherte die Verbrennung der deutschen Städte einen Vorteil für England auf ein kleines Jahrzehnt hin; etwa 1955 waren die deutschen Schäden im wesentlichen beseitigt. Die geistige Wirkung war stärker, sie dauert bis heute fort. In unserer Naivität können wir uns nicht vorstellen, dass diese Zerstörungen keinen moralischen, sondern nur einen politischen Grund hatten - obwohl uns ja der Abwurf der Atombomben auf Japan zu denken geben sollte. Der Bevölkerung in den alliierten Ländern, und später auch den Deutschen im Rahmen der re-education, musste eine so totale Zerstörung Deutschlands durch den Hinweis auf entsetzliche, von den Deutschen begangene Verbrechen begreiflich gemacht werden - jedoch muss man sich darüber klar werden, dass solche Verbrechen beim Beginn der Planung der alliierten Luftkriegsstrategie durchaus nicht in einem Umfang gegeben waren, der einen solchen Holocaust gerechtfertigt hätte.
Durch seine Schilderung der Verhältnisse am Boden setzt der Verfasser auch den einfachen Menschen ein Denkmal, die ohne jedes Verschulden einer solchen Strafe unterworfen wurden. Jörg Friedrich beschreibt in diesem Zusammenhang Aktionen, die ganz einfach das Wort „heldenhaft" verdienen, und auch unser derzeitiger Außenminister müsste angesichts solcher Taten vielleicht doch seine Einstellung zu deutschen Helden etwas ändern.
Implizit führt uns Friedrich auch vor Augen, was für bewunderungswürdige Leistungen die verbleibende Bevölkerung in beiden Teilen Deutschlands, dezimiert und verkrüppelt wie sie war, in den Jahren nach dem Kriege allen Widrigkeiten zum Trotz vollbracht hat, ganz im Sinne von Rudyard Kiplings „or watch the the things you gave your life to, broken, and stoop and build them up with worn-out tools." Vielleicht sind wir Deutschen doch manchmal besser, als wir glauben wollen.
Es wäre zu wünschen, dass entsprechende Teile des Buches Eingang in die Heimatkunde-Bücher aller deutschen Städte finden.
Im Jahre 2003, am 60. Jahrestag des ersten großen britischen Angriffs auf Hamburg, bei dem etwa 40 000 Menschen zu Tode kamen, fand in der Hansestadt eine Gedenkfeier statt, auf der auch der britische Botschafter in vorzüglichem Deutsch eine Rede hielt. Er unterstrich darin den Wahn, der die europäischen Völker in jener dunklen Periode der Geschichte ergriffen hatte. Man fühlte sich erinnert an die letzten Worte in dem Film 'Die Brücke am Kwai': "Madness, madness..."
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