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Kundenrezension

am 17. Januar 2014
Liebes Leben, auf Englisch Dear Life, was sich richtiger als "Das nackte Leben" als mit dem deutschen Titel übersetzen ließe, präsentiert 14 Stories, die nach dem Willen der Autorin ihre letzten sein werden.

Es sind erzählerische Juwelen; scharfkantig, hart, funkelnd. Munro packt ganze Leben in die wenigen Seiten. Ich empfand es fast als magisch, wie sie den Eindruck zu vermitteln versteht, dass ihre Figuren existiert haben, bevor die Geschichte beginnt, und dass sie ihr Leben danach fortsetzen werden. Sie gibt quasi vor, lediglich einen entscheidenden Moment dieses Lebens zu beleuchten; einen, in dem sich etwas zuspitzt oder das Blatt sich wendet. Diesen Moment breitet sie vor uns mit bestechender Klarheit aus. Das, was sie dabei auslässt, ist ebenso gehaltvoll wie das, was gesagt wird, und in den Leerräumen zwischen Gesagtem und Ungesagtem bleibt reichlich Raum für Resonanz. Ihr Blick scheint, einem Scheinwerfer gleich, den Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit gnadenlos zu erhellen, ist aber nie ohne Mitgefühl. In ihrer knappen, polierten Komplexität klingen Munros Geschichten lange nach und wollen sich erst setzen, bevor die nächste Geschichte in Angriff genommen wird.

Der Titel des Bandes hilft, den gemeinsamen Nenner der Geschichten zu finden. Alle spielen im ländlichen Ontario; die Erzählzeit ist die Zeit der 30er und 40er Jahre. Es geht um die Frustrationen eines Frauenlebens, aber auch um die Last, Ehemann und Vater zu sein. Es geht um Tod und Verlust, um Stolz, Verrat, Enttäuschung, Verletzung, Versagen. Immer aber geht es um die Unberechenbarkeit des Lebens, das unsere Pläne durchkreuzt, die Karten neu mischt, uns überrascht, herausfordert und manchmal fast zerstört.

"Train" ist der Titel der Geschichte, die mich am meisten beeindruckt hat. Wie oft verurteilen wir das Verhalten von Menschen? Wir finden ihre Handlungsweise seltsam, herzlos, unmoralisch. Wir sagen: Wie kann man nur? Ja, wie? Munros Erzählung eines heimkehrenden Soldaten, der scheinbar grundlos vor seinem Heimatbahnhof vom Zug springt und bei der ersten Frau bleibt, die er trifft, macht klar: Nur wenn du die Geschichte eines Menschen ganz kennst, kannst du ihn verstehen. Aber verstehen wirst du ihn. Also urteile nicht. Und das ist nur eine der Geschichten, und nur eine von vielen möglichen Deutungen; ich bin sicher, dass andere Leserinnen noch ganz andere Sichtweisen beitragen könnten.

Die letzten 4 Stories nehmen eine Sonderstellung ein. Sie sind, so lässt uns die Autorin vorweg wissen, die ersten und einzigen autobiografischen Geschichten, die sie willens sei zu schreiben. Stilistisch fallen die autobiografischen Erzählungen gegenüber den fiktiven deutlich ab: Sie sind nicht so stringent, poliert und glänzend wie sie. Sie sind, wie sie einmal sagt, "nur das Leben", nicht die Fiktion, die mehr Aussagekraft hat als die sachliche Wahrheit. Trotzdem sind sie bedeutsam in Bezug auf das Phänomen Alice Munro.

Jubilee und die anderen fiktiven Orte Munros stehen für Wingham, den Geburtsort der Autorin in Southwestern Ontario. Ihre Heimat war und ist geprägt von einer für uns Europäer unvorstellbaren Ländlichkeit. Eine Gegend, die sich zwischen Lake Huron und Lake Erie über Hunderte von flachen, eintönigen Kilometern Landwirtschaft erstreckt, unterteilt von seichten Strömen; in den kleinen Städten entlang der Flüsse eine einengende Gesellschaft, deren christlich geprägte Kultur weniger den Glauben, als vielmehr eine Lebenshaltung diktiert. Wie Munro ihre Mutter beschreibt, diese Frau, die sich um jeden Preis von ihrem bäuerlichen Herkunftsmilieu emanzipieren will, lässt ahnen, wie schwer es für Munro gewesen sein muss, ihren Weg zu gehen. Dabei hat sie die Last und Eigenart ihres Ursprungs benutzt, um aus ihren Erfahrungen etwas Großartiges, Neues, aber gleichzeitig auch Allgemeingültiges zu destillieren. Was ihre Figuren fühlen, erleiden, wie sie handeln, was ihnen wichtig ist: Das ist überall auf der Welt ganz genau so. Eben dies macht die große Weisheit von Alice Munro aus.
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