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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 19. März 2012
Genial: Establishing Shots, die Kamera nähert sich in Standbildern einer bestimmten Örtlichkeit, zeigt schließlich Hauptfigur Charly und verortet ihn so auch sozial. Ein gehetztes Tier im Niemandsland, ein Mörder in seinem Versteck, wie er da auf dem Bett in der Absteige liegt. Später: Fast eine Wiederholung der ersten Minuten. Ganz andere Gegend, piefige Kleinstadt, adrett und nett, und doch dasselbe: Charlene, ebenfalls Charlie genannt, ist ein junges Mädchen bzw. eine junge Frau, die sich genauso gefangen vorkommt in der spießigen Enge, die genauso verloren und sinnsuchend auf dem Bett liegt und an die Decke starrt. Charlie (Teresa Wright) und Charly (Joseph Cotten) sind Nichte und Onkel, Seelenverwandte, Nichte Charlies Schwärmerei für den Onkel ist ein bißchen Jungmädchenschwärmerei. Aber man merkt bald, dass sie vom Leben mehr will, als ihr ihre betuliche Kleinstadt bieten kann. Und dass sie auch erkennt, was das sein könnte. Weswegen sie nicht nur den reichen Onkel, der sie dann aus der großen weiten Welt besuchen kommt, verehrt, sondern weswegen sie auch bald hinter die abgründigen Fassaden blicken wird. Was sie in schwere Gewissenskonflikte stürzt, weil sie den Nonkonformismus Charlys immer noch bewundert, aber nicht seine Misanthropie und die mörderischen Methoden, mit denen er seine Vorstellungen in die Realität umsetzt. Soll sie ihn der Polizei ausliefern oder ihn schützen und zu bewirken versuchen, dass er das Morden sein lässt?

Dass sie sich am Ende für Ersteres entscheidet, ist nicht so sehr moralisch einwandfreie Haltung, wie es scheinen könnte, sondern auch Selbstschutz: Charly versucht schließlich andauernd, seine Nichte umzulegen. Töte, was Du liebst (bzw. vordergründig: wer Dir gefährlich werden könnte). Wenn also Charlie am Ende als Gute dasteht, die mit einem kreuzbraven Polizisten glücklich werden soll, liegt gerade auch hierauf "der Schatten des Zweifels". Dass sie ihre schwärmerische Faszination für den Mann verloren hat, der sein Leben selbst bestimmen wollte, statt es von der Gesellschaft bestimmen zu lassen, mag man kaum glauben, und dies ist sogar reziprok: Charlys Versuche, Charlie umzubringen, sind reichlich umständlich und von extrem unsicheren Erfolgsaussichten gekennzeichnet. Ein typisches Hitchcock'sches Logikdefizit? Vielleicht nicht: Charly liebt Charlie immer noch, weil sie ihn wenigstens versteht. Obwohl es sein eigener Untergang sein wird und er sich vorgeblich redlich bemüht, sie zu töten, will er es im Innersten kaum vollbringen. Bei ihm der Zweifel, ob er gänzlich böse ist, bei ihr der Zweifel, ob sie gänzlich gut ist. Hitchcock schuf damit nicht nur einen passablen Thriller, sondern vor allem ein psychologisches Meisterstück. Dazu beigetragen hat auch Co-Autor Thornton Wilder, von dem man merkt, dass er die Befindlichkeiten der Menschen in "unserer kleinen Stadt" sehr gut kennt. "Im Schatten des Zweifels" ist lebendiger und vielschichtiger als vieles, bei dem sich alles zu sehr nach Hitchs eigenen Vorlieben und Obsessionen richtet. Zwar ist der Film insbesondere bei dem schwarzen Humor anhand zweier Nebenfiguren, die unentwegt Mordarten gedanklich durchspielen, unverkennbar vom Meister geprägt. Aber er ist im positiven Sinne Teamwork. Wilder als Co-Autor, Teresa Wright als nicht blonde, nicht kühle Heroine, sondern in der schwierigen Rolle eines Mädchens, das in jeder Hinsicht reift und sich zwischen Überhöhung und Abgrund entscheiden muss. Wunderbar! Scharfsinnige Beobachtungen in Wort, in der Montage - und auch im Einzelbild, gelegentlich hängt da alles mit allem zusammen: Wenn etwa die behütet aufgewachsene Charlie von Onkel Charly in eine als verrucht geltende Bar eingeladen wird, von der man zwar weiß, dass es sie im Ort gibt, in die man aber nicht geht. Schon vor dem Gebäude sind beide ins Noir-Dunkel der Nacht getaucht, aber über Charlie müht sich noch eine Lampe, Licht auf ihr Haupt zu zaubern. Charly ist bereits verloren, Charlie immerhin noch am Scheideweg, und es muss sich herausstellen, ob sie den Rubikon überschreitet und zu Charly ins Dunkel tritt, oder ob sie im Licht bleibt. In der Bar schließlich sehen und hören wir anhand der Dialoge mit der Kellnerin indirekt, aber doch punktgenau, was einen im Dunkel erwartet: Sie ist nämlich eine Schulkameradin Charlies, die genau die gleichen, mutmaßlich guten Ausgangschancen hatte, aber mit dem miesen Job im miesen Schuppen versackt ist. Ein jeder ist, was er aus sich macht, aber eine Garantie auf Glück gibt es dennoch nicht. In dieser Szene wird besonders plastisch, wie existenziell Charlies nächste Schritte sein werden und wie groß die Gegensätze, die sie erwarten könnten. Wobei diese Kellnerin gerade NICHT den Abgrund Charlys symbolisiert, den er sich frei gewählt hatte, indem er das Lebensschicksal (perverserweise eben nicht nur sein eigenes) in die eigenen Hände nahm und so zum Herrn über Leben und Tod wurde. Die Kellnerin steht vielmehr für den gegenteiligen Abgrund, in den man durch Passivität geraten kann. Charlie sieht also anhand von Charly und der Kellnerin gleichzeitig zwei Wege, die in die Katastrophe führen könnten. Das helle Licht der Straße ist nicht mehr da (aber wir WISSEN immerhin, dass man ja wieder rauskommen kann). Intensives, bewegendes Drama.

Das "Thrill"-Finale ist dann leider wieder - typisch Hitch - mit einer schwachen Rückprojektion und mit einem absurd blödsinnigen Logikfehler garniert: Wieso kann ein Zug ohne das geringste Ruckeln weiterfahren, wenn er einen Menschen überfährt? Egal, da war der Film als PsychoDRAMA schon so überzeugend, dass er als PsychoTHRILLER gewisse Schwächen haben darf.

Qualität, Sprachfassungen und Extras sind ordentlich. Etwas seltsam und unpassend ist die Menümusik, die aus der viel späteren und eher auf Mysterykomödien angelegten Serie "Alfred Hitchcock Presents" stammt und auch so klingt. Die Musik des Filmes ist hingegen ein Genuss, die mit äußerst originellen und gar nicht immer leicht zu erkennenden Variationen des Walzers "Lippen schweigen" spielt. Dieser stammt aus der Operette "Die lustige Witwe", und Charly mordet Witwen, die es sich seiner Ansicht nach allzu gutgehen ließen, nachdem ihre Männer das Zeitliche gesegnet hatten. Der Zusammenhang wird sogar zu einem wichtigen Element der Handlung gemacht. Normalerweise stört mich unpassende Menümusik nicht im Geringsten, aber gerade bei diesem musikalisch sehr durchdachten Film ist das ein bißchen anders.
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