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Kundenrezension

TOP 500 REZENSENTam 29. November 2013
Jetzt kann man sie also wieder lesen, die selten trantütigen Vergleiche, dass es mit Nick Cave so sei wie mit einer edlen Flasche Rotwein, die werde im Alter auch immer besser, überhaupt sei der Mann nie so gut gewesen wie heute. Alles Mumpitz. Schon in den Anfangstagen, als er noch mit den Boys Next Door und der Birthday Party das Konzertpublikum zusammenstauchte, war Cave ein genialer Künstler und er ist dies über die Jahre und vor allem mit den Bad Seeds bis heute geblieben – nur hat sich eben mit der Besetzung seiner Begleitband auch der Charakter seiner Songs geändert. Man muss deshalb nicht gleich etwas von „altersgerechtem Ruhestandsrock“ daherfaseln, auch wenn der Anteil an Balladeskem erheblich zugenommen hat – er verpackt die bedrohliche Düsternis, die sich wie ein schwarzer Faden durch sein Werk zieht, nur einfach subtiler.

Nun also die dritte offizielle Live-Aufnahme des Australiers – zur Auswahl der Stücke passt der überschaubare Rahmen einer Radio-Session wie hier bei KCRW in Los Angeles mit handverlesenem Funkhaus-Publikum perfekt, eine Platte, die eher dem Crooner als dem Schachtelteufel Cave gerecht wird, die mehr mit Intimität als Intensität überzeugen kann. Bis auf den Rausschmeißer „Jack The Ripper“ vom live sonst eher stiefmütterlich behandelten 92er Album „Henry’s Dream“ wurden durchweg getragene Nummern ins Programm gehoben, selbst „Higgs Boson Blues“, das auf der aktuellen Tournee noch mit mächtig viel Schaum vorm Mund zum Vortrag kam, wirkt hier deutlich abgebremst, was dem Stück aber ganz gut steht. Weniger gut funktioniert das später beim „Mercy Seat“, der nun fast alle Beklemmung und jedweden Furor verloren hat – eines der wenigen Beispiele dafür, dass die Übersetzung früherer Klassiker in die Jetztzeit schon auch mal daneben gehen kann.

Der Gesamteindruck bleibt dennoch ein positiver, denn wo Cave nicht mit fiebriger Umtriebigkeit punkten kann, da läßt er seinen morbiden Charme funkeln und hat zudem eine Band im Rücken, die neben der wilden auch die leise Spielart beherrscht. Wenn bei „Mermaids“ die Gitarrensaiten kratzen oder Warren Ellis seine Violine unheilvoll vibrieren läßt, wenn „Stranger Than Kindness“ in (diesmal wirklich) altem Glanz erstrahlt und alle zusammen mit „Push The Sky Away“ dem Fadeout entgegenschaukeln, dann hat das wirklich einen Zauber, dem man sich schwerlich entziehen kann. Nach „Live Seeds“ von 1993 und „Abattoir Blues Tour“ aus dem Jahr 2007 ist diese neuerliche Liveeinspielung unterm Strich also eine lohnende. Er kann ja auch gar nicht anders. mapambulo:blog
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