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Customer Review

on June 19, 2014
Wie jedes LP-Album wurde auch die neue Scheibe sehnsüchtig von den Fans (inkl. mir) erwartet. Mit voller Wucht schlägt sie nun endlich in Boxen der Hörer ein: THE HUNTING PARTY ist da!

„The Hunting Party“ – irgendwie ein komischer Titel, oder? Keine Ahnung wie man ihn am besten übersetzt… „Die Jagd-Party“ oder „Die Jagdgesellschaft“… zutreffen tut jedenfalls beides!

Ich will hier gar nicht drum rumlabern, wie lange ich LP schon kenne und wie ich jedes neu-erschienene Album empfunden hab. Seit „Minutes to Midnight“ sind sowieso keine Vergleiche mehr möglich. Und trotzdem vergleicht man die Platten unbewusst miteinander.
In meiner Rezension möchte ich versuchen, möglichst sachlich zu begründen, warum „The Hunting Party“ (also das Hier und Jetzt) von mir die volle Punktzahl erhält und wie es sich für mich als „alter Fan“ anfühlt, die Songs dieses Albums zu hören.

Schon als der Song „Guilty All the Same“ vor ein paar Monaten veröffentlicht wurde, haben sich die Meinungen der Fans gespalten. Die einen waren begeistert und riefen „Yeah, Back to the roots“, andere sagen „Ach du Sch****, der Sound ist ja schrecklich“. Ich kann es schwer beschreiben. Für mich persönlich trifft weder die eine, noch die andere Aussage zu.
Aber reden wir erstmal über die Songs als solche, bevor es um den philosophischen Kram geht.

Ich habe mit „The Hunting Party“ echt unheimliche Probleme. Luxus-Probleme. Auch nach gefühlten 500 Mal durchhören schaffe ich es nicht, eindeutige Favoriten für mich raus zu picken. Klar, mir gefallen prinzipiell die meisten Lieder von LP sowieso, dennoch stellt sich ja schon immer relativ früh raus, welche Songs einem wirklich am meisten zusagen. Auf der neuesten Platte funktioniert das irgendwie überhaupt nicht, da mich zu 95% alle Songs mit gleicher Stärke mitreißen.
Aggressive Gitarren, scharfe Drums und ausdrucksstarke Vocals – hier ist alles auf höchstem Niveau. LP bedienen den Zuhörer mit einer Mischung aus dreckigem Punkrock, Hardcore, alternative Rock und teilweise sogar Thrash-Metal. Das alles aber ohne dabei zu vergessen, klarzustellen, dass es sich um LP handelt. Denn viele Vertraute Elemente sind vorhanden geblieben, wie z. B. gekonnte Rap-Einlagen, emotionaler Gesang und Geschrei und schlichtweg LP-typisch-melodische Passagen.

Wirklich an alte Tage erinnern tut in meinen Augen aber nur noch der Song „Until it’s gone“. Der Rest klingt einfach frech, erfrischend, emotional und politisch packend und einfach nur dreckig. Letzteres mein ich übrigens im positiven Sinne. Bei mindestens jedem zweiten Song haut Gitarrist Brad Delson ein Solo raus, mit denen er zeigt, dass er nicht nur klassische NuMetal-Powerchords spielen, sondern auch wirklich mit seinem Instrument umgehen mit anderen bekannten weltklasse Gitarristen mithalten kann.

Apropos, auch die Gastauftritte auf „The Hunting Party“ bringen gehörig Dynamik in die Songs. Page Hamilton und Rakim machen in ihren gefeaturten Liedern wirklich einen Klasse Job. Besonders hervorzuheben ist hier aber der Song „Rebellion“ mit Gitarrist Daron Malakian von der Band System of a Down. Jeder der schon mal SOAD gehört hat erkennt hier unmittelbar, dass deren Gitarrist auch wirklich mitspielt. Total kranke Riffs, aber eben ziemlich abgefahren man bekommt einfach nur total Lust darauf, abzurocken! Genial! Einzige kleine Enttäuschung auf der ganzen Platte ist für mich der Song „Drawbar“, zusammen mit Tom Morello, Gitarrist von Rage Against the Machine. Nicht falsch verstehen, anfürsich handelt es sich um einen super chilligen und gewohnt atmosphärischen Instrumentalsong. Wenn ich aber lese, dass Tom Morello da mitmacht, dann muss ich mich einfach fragen, wo? Hier hätte ich wirklich die Rage-typischen Hardcore funkigen Gitarrenriffs und –sounds erwartet; immerhin kennt man Tom Morello auch als den „DJ unter den Gitarristen“. Hier ist aber leider nur ein Hauch von… nichts. Aber cool bleiben. Keine Enttäuschung von LP, sondern nur eine Kleine von Tom Morello, die der Stimmung des ganzen Albums aber keinen Abbruch tut.

Ich möchte hier nicht jeden einzelnen Song beschreiben, da soll sich wirklich jeder sein eigenes Bild machen, denn die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich kann nur betonen, dass ich bei „The Hunting Party“ das Gefühl hab, dass LP wie gewohnt einfach nur das machen, worauf sie im Moment Bock haben. Und das ist eben: Rock! Wie gewohnt bleiben die Songs einfach im Ohr und reißen einen einfach mit. Den bekannten, starken Eigenschaften von LP sei dank. Aber wie gesagt, hier soll sich jeder ein eigenes Urteil bilden.

So, nun kurz zu den beiden oben genannten Aussagen:

Mit „Back to the roots“ hat dieses Album für mich nichts (oder zumindest sehr, sehr wenig) zu tun. Das einzige was vielleicht mit den ersten beiden Alben (Hybrid Theory + Meteora) zu vergleichen ist, ist dass LP schlichtweg einfach wieder vermehrt zu „echten“ Instrumenten greifen. Sprich, hier dominieren die Gitarren und die Drums. Die elektronischen Elemente spielen hier „nur noch“ eine begleitende, Würze gebende Rolle. Ansonsten ist bei „The Hunting Party“ alles erwartet unerwartet, also neu für LP. Die Richtung ist eine ganz andere als damals. Früher war es wirklich Nu Metal, gepaart mit Hip Hop und einen Hauch Elektro. Heute ist es Hardcore-Punk, Hardrock, alternativer Metal und Rap, der wirklich an die 80er- und 90er Jahre erinnert. LP haben ihr Ziel also total gut getroffen. Sie wollten mit dieser Platte versuchen, junge Menschen zu inspirieren. Ganz grob dazu animieren, selber Musik zu machen. Eben genau so, wie sie sich selbst vor 20 Jahren gefühlt haben, als sie ihre Lieblingsbands gehört haben.

Und schlechter Sound? Ganz ehrlich, gerade weil dieses Album so roh klingt, bekommt es seinen ganz eigenen Charme. Wer sagt, die Songs oder Sound werden LP nicht gerecht, der täuscht: Wenn auf einem der 6 LP-Alben wirklich LINKIN PARK PUR zu hören ist, dann ist es „The Hunting Party“. Denn bei bisher jedem Vorgänger gab es einen Produzenten, der mit „reingefuscht“ hat. „The Hunting Party“ ist das erste Album von LP, was sie zu 100% selbst produziert haben. Das heißt, wenn jemand sagt „das ist nicht Linkin Park“, dann sage ich „Doch, genau DAS ist Linkin Park – genau so und nicht anders!“ Und was den Sound angeht: Abgemischt wurde es von Andy Wallace, dem Herren der damals schon „Hybrid Theory“ und „Meteora“ gemixt hat. Hier ist also weder ein Anfänger im Spiel, noch wurde hier schlecht gearbeitet. Wie gesagt, der dreckige Sound ist Absicht. Ich weiß, muss nicht jedem gefallen. Mir sagt es aber sehr zu. ;-)

FAZIT:
Für alle die, die mit „A Thousand Suns“, „Living Things“ und „Recharged“ nichts anfangen konnten, bei „The Hunting Party“ könnt ihr wieder ohne Sorgen zugreifen. Hierbei handelt es sich um eine Rockplatte auf höchstem Niveau. Garantiert eine DER Rock-Alben des Jahres oder der nächsten Jahre. Somit auch jedem anderen Fan der Rockmusik, der sich mit LP bisher noch nicht wirklich beschäftigt hat, zu empfehlen.
„Die Jagdgesellschaft“ namens Linkin Park geht also auf die Jagd und sagt dem Mainstream endgültig den Kampf an. Volle 5 Sterne!
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