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Kundenrezension

22. September 2014
Es macht einen großen Unterschied, ob man einen wissenschaftlichen Fachautor vor sich hat, der sein Themengebiet zwar gut recherchiert, es aber nicht zu verstehen weiß, den entscheidenden Schuß Herzblut in seine Texte zu geben, der das Lesen so vergnüglich macht – oder ob man, wie in diesem Fall das Glück hat, jemanden zu lesen, der wirklich schreiben kann und will, weil er alles bis in alle Einzelheiten selbst erforscht und erlebt hat.

Dave Goulson ist d e r Hummelforscher und -schützer Englands und sieht sich durchaus als wissenschaftlicher Abkömmling von Charles Darwin, auf den er häufig Bezug nimmt. Das Buch ist für Einsteiger ebenso wie für versierte Insektenkundler ein wahrer Schatz. Sprachlich sehr ausgereift, dabei persönlich bis plauderhaft – ohne mit seinen Schilderungen und Exkursen jedoch jemals zu langweilen.

"Der ohrenbetäubende Gesang, mit dem die Männchen der grünen Heupferdchen ihre künftige Partnerin beeindrucken wollen, tönt endlos durch die warmen Sommertage. Auf dem Boden vor ihren Wohnröhren sitzen rundliche schwarze Feldgrillen, deren melodisches Zirpen vom schrillen Gesang der Heupferdchen übertönt wird. Mit ihren riesigen übergroßen Köpfen sehen die Feldgrillen aus wie Comicfiguren."

Dieses Buch hätte ich gern zuerst auf Englisch gelesen. Sabine Hübner ist die Übersetzung ins Deutsche sehr gut gelungen, doch das Original mit seinen Wortspielen ist unübertroffen. Die Schrift des 320 Seiten – noch handlich zu nennenden Werks – ist gut lesbar auf naturweißem Papier gedruckt. Der Schutzumschlag wird von zwölf puscheligen Hummeln geschmückt. Der Titel "Und sie fliegt doch" macht neugierig, der Untertitel "Eine kurze Geschichte der Hummel" ist bestes britisches Understatement.

Der Autor hat sich von Kindesbeinen an mit dem Studium der Insekten beschäftigt. Bei der Lektüre der ersten Kapitel kann man sich richtig vorstellen, wie er mit Botanisiertrommel und Käschernetz durch Wald und Flur zieht, immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen. Dieser frische Forschergeist durchzieht das ganze Werk. Der Autor überzeugt durch riesiges Erfahrungswissen und kritische Sachkenntnis, macht jedoch keinen Hehl daraus, für wessen Sache er sich einsetzt…

Hummeln sind die wohl wundersamsten der staatenbildenden Insekten, denen man hierzuland begegnet. Angefangen vom rituellen Paarungsverhalten über den Nestbau und die Aufzucht der Larven, bis hin zu ausgeklügelter Nahrungssuche, Unterwanderungs- und Verteidigungsstrategien – der Autor weiß zu allen Aspekten authentisches Material beizusteuern. Genauso wie man Konrad Lorenz als Gänsevater erinnert, wird Dave Goulson sicherlich als Mr. Bumblebee in die Geschichte eingehen.

Nicht erst seit dem Dokumentarfilm "Not Just Honey", der seit einiger Zeit in unseren Kinos gezeigt wird, ist die Öffentlichkeit für das prekäre Thema Bienen sensibilisiert. Nur wenige wissen jedoch, dass Hummeln für viele Wild- und Nutzpflanzen eine entscheidende Bedeutung als Bestäuber zukommen. Beispielsweise wurde die Tomatenzucht durch den Einsatz von Hummelvölkern vor einigen Jahrzehnten revolutioniert. Dies wiederum führte zu unkontrollierter Zucht und Export von Hummeln, die in einigen Regionen bereits heimische Arten gefährden.

Das empfindliche Gleichgewicht der Natur, die gegenseitige Abhängigkeit der Hummeln von den Blüten, auf die sie sich spezialisiert haben, wird an Beispielen aus unterschiedlichsten Forschungsvorhaben und Beobachtungen aus aller Welt deutlich gemacht. Der Leser erfährt so auf eindringliche Weise von den Kettenreaktionen, die ausgelöst werden, wenn bestimmte Teile von Nahrungs- und Nutzungskreisläufen sich verändern oder ganz entfallen.

Goulson widmet sich in seinem Buch den Fragen nach der Wiedereinführung von bereits regional ausgewanderter bzw. ausgestorbener Spezies, seien es Insekten, seien es Pflanzen. Und er hat jede Menge Antworten parat. Nicht nur theoretischer Natur, sondern ganz praktische Hinweise, wie wir alle zum Gelingen beitragen können. Ein ganzes Kapitel widmet er der lebhaften Schilderung der streckenweise chaotischen verlaufenen Gründung – seines inzwischen sehr erfolgreichen – Bumblebee Conservation Trust, einer Stiftung die Hummeln schützt und unterstützt.

Vor einigen Jahren hat der Autor einen alten Bauernhof in der Frankreich erworben, um sich dort einen Traum zu erfüllen: Der nachhaltigen Verwandlung einer bisher total überdüngten landwirtschaftlich genutzten Grünfläche, in eine von bezaubernder Artenvielfalt wimmelnden Blumenwiese. So enthüllt er neben seinem Bestreben um Biodiversität auch ein ganz egoistisches Motiv: "Nirgendwo sitzt man an einem Sommertag so schön wie in einer Wiese … Näher kann man dem Himmel auf Erden eigentlich kaum kommen …"

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