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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unheimlichkeiten und katholische Obsessionen, 22. April 2013
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Rezension bezieht sich auf: Lisa und der Teufel (DVD)
Mario Bava genießt einen beachtlichen Ruf als Genre-Regisseur mit höherem Anspruch und als Erfinder des Giallo. Seine Karriere startet am Beginn der 1960er Jahre und endet bereits in der Mitte der 1970er Jahre. „Lisa und der Teufel“ (1973) ist also ein spätes Werk, das aber als ambitioniert gilt. Die Umstände der Veröffentlichung des Films waren leider typisch für die meisten späteren Bava-Filme: Weil der Film in Italien floppte und auch die US-Verleiher sich zurückzogen, wurde der Film auf Veranlassung des Produzenten (und gegen Bavas Willen) neu geschnitten und durch Zusatzmaterial zu »The House of Exorcism« umgestaltet. Dankenswerterweise enthält die vorliegende DVD die ursprüngliche, von Bava beabsichtigte Version.

Der Film hat einen sehr starken Beginn: Eine junge Frau, Lisa Rainer (Elke Sommer), kommt als Touristin mit einer Reisegruppe in eine alte italienische Stadt. Eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt ist ein mittelalterliches Wandgemälde, das den Teufel zeigt. Lisa streift später ziellos durch die Stadt und gelangt in den Laden eines Handwerkers, wo sie auf einen Mann (Telly Savalas) trifft, der eine lebensgroße männliche Puppe kauft und dem Teufel auf dem Wandgemälde auffallend ähnlich sieht. Lisa erschrickt, flieht und verirrt sich in der labyrinthischen und nun eigenartig menschenleeren Stadt. Irgendwann trifft sie den Mann mit der Puppe wieder, der ihr den Weg weist. Sie trifft daraufhin für sie selbst überraschend auf einen anderen Mann, der sie gut zu kennen scheint und offenbar gesucht hat. Er sieht der männlichen Puppe verblüffend ähnlich. Der Mann stürzt eine Treppe herab und ist tot. Eine Taschenuhr zerbricht. Lisa flieht weiter.

Diese ersten zehn Filmminuten beeindrucken. Die Szenen der ziellosen Flucht durch die alte labyrinthische Stadt mit den menschenleeren Straßen ist wirklich unheimlich. Sie erinnern an frühe Murnau-Filme (›Nosferatu‹, ›Phantom‹) oder an die Traumszene am Beginn von Ingmar Bergmans ›Wilde Erdbeeren‹. Bava gelingt es, ohne technischen Schnickschnack eine surreale Atmosphäre zu schaffen, in der hinter jeder Ecke Unfassbares zu lauern scheint. Auch später in dem Film – in einigen Szenen in dem großen alten Stadthaus, wo der größte Teil der Handlung spielt – zeigt Bava, wie geschickt er eine Atmosphäre der Unheimlichkeit zu erzeugen versteht.

Bedauerlicherweise scheint Bava seinem Talent für das Unheimliche nicht zu trauen. Die Filmhandlung kommt einem zwar zunächst undurchschaubar vor, aber die Dinge liegen eigentlich ganz einfach. Zu einfach. Bava, der auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnet, ist lieber explizit als subtil. Und er erklärt zu viel. Es läuft alles auf eine Mischung aus altbekannten katholischen Obsessionen (vor allem: Verbindung von Sex und Tod, aber auch das allgegenwärtige Sündemotiv) sowie aus psychoanalytischen Standardsituationen (Ödipuskomplex, Leiden an der Übermutter, daraus resultierendes Sexualversagen usw.) hinaus. Das war schon Mitte der 1970er Jahre alles andere als originell. Auch vieles andere wirkt angestrengt und überzogen. Eine Figur wird durch Überfahren getötet, aber der Wagen fährt nicht nur einmal, sondern gleich ein halbes Dutzend Mal über den Körper. Was vermutlich als Steigerung des Schreckens gedacht war, gleitet ins Lächerliche ab. Auch Bavas Vorliebe fürs Symbolische (kaputte Uhren, Spiegel usw.) entfaltet durch Überdeutlichkeiten und Wiederholungen eine unangenehme Penetranz.

Zu den Schauspielern: Telly Savalas macht seine Sache als Diener Leandro bzw. als Teufel sehr gut. Die Figur wäre aber deutlich überzeugender, wenn man sich die Kojak-Anspielungen verkniffen hätte. Elke Sommers Leistung zeugt von bemerkenswerten Talentdefiziten. Ihr Spiel ist unfassbar steif und variationsarm (kein Wunder, dass in einer Szene am Schluss des Films spielende Kinder Lisa für jemanden halten, der schon lange tot ist). Als Scream Queen erinnert Sommers Darstellung mehr an Inge Meysel als an Jamie Lee Curtis. Alessio Orano ist als Maximilian ein Helmut Berger für Arme, was aber zu der Rolle gar nicht so schlecht passt. Alida Valli schließlich – berühmt durch Carol Reeds »Der dritte Mann«, Hitchcocks »Fall Paradin« und Viscontis »Sehnsucht« – ist neben Savalas der zweite darstellerische Fixpunkt des Films. Als blinde undurchschaubare Gräfin ist sie exzellent.

Zur DVD: Die Extras sind bedauerlicherweise spärlich. Weitere Informationen über den Entstehungskontext des Films oder über das Genre wären interessant gewesen. Die Tonqualität ist ganz passabel, die Bildschärfe schwächelt an einigen Stellen, allerdings ohne dass es beim Sehen wirklich stört.

Alles in allem ein interessanter Film in befriedigender Präsentation. Der Film liefert beeindruckende Talentproben, die Hunger auf mehr machen, den der Film selbst aber nicht stillen kann.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.08.2013, 18:29:29 GMT+2
Grauzahn meint:
Der Film wurde 1972 gedreht, Kojak entstand 1973 - das Lolli-Lutschen ist also keine Anspielung auf die Kojak-Filme. Das Markenzeichen eines der berümtesten Serienhelden der Ž70-Jahre wurde wohl aus " Lisa und der Teufel " übernommen. Da der Film leider - besonders in seiner Originialfassung - bisher nur wenigen Filmfreunden bekannt war (vom Massenpublikum ganz zu schweigen) ist diese Detail der Popkultur wahrscheinlich selbst den meisten Kojak-Fans unbekannt.
Meines Wissens irrt Lisa auch nicht durch eine italienische Stadt, der Film spielt in Spanien.
Den Film und die schauspielerischen Leistungen von Elke Sommer und Alessio Orano bewerte ich höher, aber das ist natürlich Geschmackssache. Das sehr passive Verhalten (und damit " steif und variationsarm ") von Elke Sommer passt meiner Meinung nach sehr gut zu einer Rolle, die möglicherweise nur eine Puppe in einem Spiel und vielleicht tatsächlich schon lange tot ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.08.2013, 08:23:47 GMT+2
Estragon meint:
Danke für Ihren Kommentar! Was die Chronologie angeht, haben Sie vollkommen recht. Da habe ich mich vom späteren Aufführungsdatum des Films in die Irre führen lassen, und die frühere Drehzeit nicht in Betracht gezogen. Auch mit dem Drehort der Anfangsszenen liegen Sie richtig (und ich lag falsch): Es ist Toledo.
Dass eine gewisse Steifheit im Spiel von Elke Sommer eventuell gut zur Rolle passt, ist ein interessanter Gedanke, den ich vielleicht in meiner Bemerkung über die Szene mit den spielenden Kindern nicht gründlich genug erwogen habe. Doch was durch die Idee der Rollenadäquatheit nicht abgedeckt wäre, ist der Umstand, dass man bei Elke Sommer immer den Eindruck hat, dass sie dabei ist, eine Rolle zu spielen. Telly Savalas macht für den Zuschauer den Teufel wirklich präsent, während wir Elke Sommer bei dem Bemühen zusehen, das Mädchen Lisa zu spielen. Und das halte ich für einen Mangel.
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Estragon
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