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Kundenrezension

am 27. Februar 2008
Die schier ausweglose Situation zwischen Israelis und Palästinensern ist in der Vergangenheit schon das Thema zahlreicher Romane und Erzählungen gewesen. Je nach Blickwinkel wurden dabei unterschiedliche Erfahrungswelten und Betroffenheiten in den Mittelpunkt gestellt. Jessica Durlachers "Emoticon" zum Beispiel hat vor etwa zwei Jahren eindeutig Partei ergriffen und den hinterhältigen Terror der palästinensischen Organisationen gegeißelt. Viele israelische Autoren wie Amos Oz, David Grossmann haben in der Vergangenheit sich literarisch diesem fast unlösbaren Verhältnis gewidmet und dabei nie die Hoffnung aufgegeben, dass es trotz des tiefsitzenden Hasses auf beiden Seiten zu einer Annäherung kommen kann, ja muss. Besonders beeindruckt haben mich im vergangenen Jahr drei Bücher aus Israel, die sich mit dem Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern befassen: Avirama Golans "Die Raben", Eshkol Nevos "Vier Häuser und eine Sehnsucht" und das auch bei Luchterhand erschienene Buch des jungen Schriftstellers Yiftach Ashkenazy von "Der Geschichte vom Tod meiner Stadt".

Das neue Buch von Assaf Gavron nun beschreibt den alltäglichen Wahnsinn im Nahen Osten auf eine ganz besondere, eigene und unverwechselbare Art, wie ich sie so voller Komik und Ironie vorher noch nicht gelesen habe.

Gavron, in Israel als einer der originellsten und besten Schriftsteller sehr geschätzt, beschreibt in seinem neuen Roman die Geschichte von Eitan Enoch, einem jungen Israeli, der mit seiner Tätigkeit bei einer Hightech-Firma, die sich auf Programme und Systeme spezialisiert hat, die ihren Kunden überall in Europa helfen wertvolle Zeit zu sparen, was Gavron voller Ironie schildert, gutes Geld verdient und sehr erfolgreich ist. Die dauernden Attentate von palästinensischen Terroristen nimmt er eher auf die leichte Schulter, während seine Freundin, die als Anwältin arbeitet, über die ganze Situation sehr besorgt und verängstigt ist.

Der Roman beginnt mit einer Szene in einem Bus, mit dem Eitan zur Arbeit fährt, und der, kurz nachdem er den Bus verlassen hat, Ziel eines Selbstmordattentäters wird. Ein junger Mann, mit dem Eitan noch kurz vor seinem Verlassen des Busses über eine verdächtige Person im Bus geredet hat, wird bei dem Anschlag getötet. Das schlechte Gewissen lässt Eitan keine Ruhe, und das ganze Buch über ist er auf der Suche nach der Geschichte dieses jungen Mannes, lernt dessen Freundin kennen, der er eine Botschaft überbringen sollte, und verliebt sich in sie.

Auf dieser Suche gerät er kurz hintereinander in zwei weitere Anschläge und überlebt sie. Eitan wird zum Held, präsent in allen Fernsehsendungen. Gleichzeitig macht ihn dies zur endgültigen Zielscheibe der Terroristen, über deren Pläne, Gedanken, politisch-wirren Vorstellungen und Gespräche wir vom Autor parallel zur anderen Handlung immer wieder informiert werden.

Denn der Palästinenser Fahmi Sabih, der die Attentate plante, liegt im Krankenhaus im Koma, ist aber bei vollem gedanklichen Bewusstsein und erzählt, immer abwechselnd mit Eitan, die Geschichte weiter. Er hadert mit seinem Schicksal und seinem Bruder, der nicht nur ihn zu diesen Attentaten angestiftet hat und dafür aus dem Gaza-Streifen auch die nötigen finanziellen Mittel bekommen hat.

Wir erfahren, wie die Palästinenser von einem großen Schlag träumen und doch keine blasse Vorstellung davon haben, wie ihre Zukunft aussehen könnte. Ich fühlte mich bei der Lektüre immer wieder erinnert an Dan Diners wegweisendes Buch "Versiegelte Zeit. Über den Stillstand in der islamischen Welt", das ich auf diesem Weg allen Lesern des Buches von Gavron sehr ans Herz legen möchte.

Und wir erfahren etwas vom Umgang der israelischen Gesellschaft mit dieser dauernden Bedrohung, mit der man zu leben gelernt hat und mit der man dennoch nicht wirklich leben kann, weil sie alles zerstört, was diesem Staat und dieser Gesellschaft wichtig war und ist. Darauf haben besonders Amos Oz und David Grossman in der letzten Zeit immer wieder in zahlreichen Zeitungsartikeln hingewiesen.

Indem Gavron durch die Komposition seines Buches quasi eine Symmetrie des Leidens auf beiden Seiten herstellt, bringt er den Konflikt, seine Wurzeln, aber auch seine Aussichtslosigkeit auf den schmerzhaften Punkt. Dass es ihm dabei gelingt, dem allen eine tragikkomische Seite abzugewinnen, macht die Lektüre dieses Buches zu einem Ereignis, das nicht nur in Israel sicher manche Leser auf die Palme bringen wird. Denn wie gesagt, er schildert nicht nur die Situation der Opfer, sondern führt uns weit in die Gedankengänge und Gefühlswelten der terroristischen Täter hinein. Fern ab vom Geschehen, kann sich der deutsche Leser nur vorstellen, welche Diskussionen dieser absolut lesenwerte und spannenden Roman in Israel ausgelöst hat.

Ich wünsche diesem Buch in Deutschland viele Leser, die sich danach vielleicht intensiver mit der Situation in Israel befassen werden, und vielleicht auch zu anderen Büchern über dieses endlose Themen greifen werden.
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