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Kundenrezension

am 17. Januar 2011
Dieses rare 73er Werk von Don Ellis versprüht jede Menge faszinierende und packende Klänge zwischen Tradition und Moderne.

- Bereits der Opener "Whiplash" geht in die Vollen und erlaubt sich einen unerhörten Mix aus dem Frühwerk und den Klangfarben eines Gil Evans direkt in das Soundtrack-Epizentrum der "Strassen von San Francisco". Eine kuriose Mischung, die jedoch glänzend funktioniert. Auf mehreren Ebenen.

- "Sladka Pidka" beginnt mit Nostalgie - Hollywood trifft auf Osteuropa! Puh! Und verstrickt sich schließlich in Kammermusik meets Gangsterfunk, also dem ersten Song nicht unähnlich... ;-) Hier gibt es, daneben, heiße Improvisationen aus der 70s Miles Schule mit deutlichen Herbie Hancock-Einflüssen. Aber man sollte das nicht mit Plagiaten verwechseln. Don Ellis samt Band kochen die ganze Chose schön eigenwillig auf und sind zu cool um als alberne Diebe herhalten zu müssen. Auch wenn vieles an andere Großtaten erinnert, macht diese Musik sehr viel Spass und kann locker für sich selbst bestehen...Auch in ihren Konsequenz und Direktheit.

- "The Devil made me write this Piece" beginnt mit funky E-piano und Wahwah Gitarre. Und wieder diese ungarischen Stimmungen im Background. Die Arrangements haben auch was von Frank Zappa. Es ist verrückt aber vermeidet das Absurde und behält die Erdung. Seltsame Klangfarben überall, aber dieses Stück fließt mehr easy. Und der "Devil" steckt hier eher in den Breaks und Überraschungen. Trotz einiger Waghalsigkeiten ist diese Musik relativ eingängig, klingt viel weniger abstrakt als sie tatsächlich ist.

- "Go back Home" folgt. Ist das "Krimi-Rhythm and Blues"?! Wie eine hochgezüchtete Ausgabe der Blues Brothers. Mit Peter Gunn und wiederum Zappa zumindest als Co-Produzenten. ;-)

- "Invincible" beginnt sehr reduziert. Wie englische Chamber-Music mit allerlei Oboen und English Horn... Streicher gesellen sich hinzu und schwelgen dahin. Das erinnert dezent, ausgerechnet, an die erste Soloplatte von Sting - Ästhetik und Jazz. Und dazu addiert man einen schwebenden Swing wie aus alten französischen Filmen, und so kommt dieses Stück zugleich gut in Fahrt und bewahrt sich aber dennoch ganz viel Sophistication. Das klingt zwar unangestrengt aber dennoch nach ganz großer Kunst.
Das Outro ähnelt dem Intro, allerdings mehr amerikanisch jetzt. Warum, das wissen nur die Götter.

- "Image of Maria" - Gitarrenmeditation, Streicher und "La Montanara". Empfundenes Piano oder besser Pianissimo und (wieder) dieser spezielle Trompetenton. Woanders wäre dies womöglich unfreiwillig komisch, aber hier funktioniert es irgendwie. Es ist ein bißchen wie bei Bert Kaempfert oder James Last. Ein schmaler Grad, den nur wenige souverän meistern.

- "Sidonie" klingt wie eine Variation der Thematik zuvor. Aber hier haben wir scheinbar den "Don Ellis Klang", der sich durch sein Umfeld oder den Kontext stark mitverwandelt. Ein interessantes Phänomen, das augenblicklich in einen groovigen Impro-Part hineinführt und hier klingt Ellis auch sofort völlig anders. Nicht komplett, aber es fasziniert zu sehen, wie fähig und facettenreich der Leader hier aufspielt.
Nun gut: Einigen wir uns auf einen unfreiwilligen Anteil von 'Helge Schneider Genen'. Es könnte schlimmer kommen. Der Mann spielt jedenfalls astrein und langweilt in keinem Moment. Und wieder werden die Arrangements hochgepeitscht und gedehnt um zuletzt nochmal in die ausgeglichene Ausgangsbasis zurückzufinden.

- "Nicole" beschließt dieses Album. Hat uns Don Ellis genarrt und quasi durch den Wahnsinn in den "Kitsch" hineingeschaukelt?
Nein, diese Ballade ist schön!
Und wer sein Album mit solch, eigensinnigen Tracks eröffnet, der muss eine ganze Menge von seiner Kunst verstehen. Hier gibt es sowohl Beweise für die Extreme als, daneben, auch die gnadenlose Reduktion auf das Wesentliche.
Dies ist eine drastische Arbeitsweise und man muss das erst mal schlucken. Aber im Grunde hat er doch Recht. Man sollte nicht nur selbst alles geben, sondern auch von seinem Publikum etwas erwarten dürfen. Das ist ein faires Give and Take. Dies ist also ein sehr realistisches Werk.
Und nichtsdestotrotz: Auch "Nicole" hat fraglos alle cineastischen Qualitäten, die hier den roten Faden bilden.
Von den "Straßen von San Francisco" zu "Gone with the Wind". Welch eine spannende und skurrile Reise in 8 Episoden!

Fraglos ein sehr empfehlenswertes Werk zu einem fast schon lächerlichen Preis.

Ich hoffe ihr habt auch soviel Freude daran!
Gruß
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