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Kundenrezension

99 von 123 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sarrazin spielt auf - die Redakteure tanzen, 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der neue Tugendterror: Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland (Kindle Edition)
Schaut man sich dieser Tage in den Medien um, wird schnell deutlich: Man überstürzt sich förmlich in der Empörung über diesen „Kassenwart der Apokalypse“ (ZEIT), diesen „Ungleichheitsapostel“ (FAZ). Wer etwas auf sich hält distanziert sich, echauffiert sich, verreißt und verdammt in Bausch und Bogen. Was hat _er_ nur wieder angestellt?

Sarrazin präsentiert in seinem neuen Buch eine Liste von „Vierzehn Axiomen des Tugendwahns im Deutschland der Gegenwart“:

1.Ungleichheit ist schlecht. Gleichheit ist gut.
2. Sekundärtugenden sind nicht wichtig, Leistungswettbewerb ist fragwürdig.
3. Wer reich ist, sollte sich schuldig fühlen.
4.Unterschiede in den persönlichen Lebensverhältnissen liegen meist an den Umständen, kaum an den Menschen.
5. Die menschlichen Fähigkeiten hängen fast ausschließlich von Bildung und Erziehung ab.
6. Völker und Ethnien haben keine Unterschiede, die über die rein physische Erscheinung hinausgehen.
7. Alle Kulturen sind gleichwertig, insbesondere gebührt den Werten und Lebensformen des christlichen Abendlandes und der westlichen Industriestaaten keine besondere Präferenz.
8. Der Islam ist eine Kultur des Friedens. Er bereichert Deutschland und Europa.
9. Für Armut und Rückständigkeit in anderen Teilen der Welt tragen westliche Industriestaaten die Hauptverantwortung.
10. Männer und Frauen haben bis auf ihre physischen Geschlechtsmerkmale keine angeborenen Unterschiede.
11. Das klassische Familienbild hat sich überlebt. Kinder brauchen nicht Vater und Mutter.
12. Der Nationalstaat hat sich überlebt. Die Zukunft gehört der Weltgesellschaft.
13. Alle Menschen auf der Welt haben nicht nur gleiche Rechte, sondern sie sind auch gleich, und sie sollten eigentlich alle einen Anspruch auf die Grundsicherung des deutschen Sozialstaats haben.
14. Kinder sind Privatsache, Einwanderung löst alle wesentlichen demographischen Probleme.

Sarrazins Anliegen ist schnell zusammengefasst: Unser Kulturkreis befindet sich auf dem absteigenden Ast. Eine neue Dekadenz macht sich breit. Leistung wird nicht mehr ausreichend motiviert, Wettbewerb nicht hinreichend gefördert - siehe Punkt 1-5. Die deutsche/weiße Bevölkerung schmilzt dahin und verschließt die Augen vor der Brisanz zukünftiger demografischer Herausforderungen. Besonders den Eliten gelingt es nicht mehr, sich zu reproduzieren. Einwanderung kann das Problem nicht lösen, da es - siehe Punkte 5-8 - ein ethnisches IQ-Gefälle sowie kulturelle Inkompatibilitäten gibt. Auch im internationalen Maßstab gibt es die Tendenz, wider alle Vernunft, Ungleichheit einzuebnen, zu alimentieren statt Leistungsbereitschaft und Selbsthilfe zu aktivieren. Die Medaille der Folgeschäden hat dann zwei Seiten: die Hilfeempfänger werden immer unselbständiger, die Geber überfordern ihre Möglichkeiten - so zu beobachten im Kontext der europäischen Finanzkrise, der Euro-, aber natürlich auch der internat. Entwicklungshilfepolitik - Punkt 9.

Sarrazins Gegenstrategie besteht in der Anerkennung von Ungleichheiten, da nur auf dieser Grundlage deutlich wird, wer, was, wo und wie viel in den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess einbringen kann und muss. Geschlechter etwa sollen ihre unterschiedlichen Potenziale so nutzen, dass alle davon profitieren. Frauen sind bspw. besser geeignet, diskursive und kreative Abläufe zu befördern; Männer haben bessere Qualitäten, wo es um zielorientierte Führungsaufgaben geht. Quoten- und Gleichheitswahn wirken sich deshalb kontraproduktiv aus (Punkt 10). Den Wert westlicher Kultur gilt es neu zu entdecken. Sie bedarf zu ihrem Erhalt nationalstaatlicher Strukturen (Punkt 12) und der Begrenzung von Einwanderung, zumal in die Sozialsysteme. (Punkte 13-14). Die Familie ist Keimzelle der Gesellschaft und sollte entsprechend geschützt und unterstützt werden. Was sie in der traditionellen Form stabilisiert, fördert auch die Lust auf die so dringend benötigten Kinder. Die Homoehe bspw. setzt falsche Signale. Dabei geht es nicht darum, homosexuelle Lebensweisen zu bewerten. Die Ehe - so Sarrazin - ist keine Institution zum Schutz sexueller Beziehungen (die fänden ohnehin auch unabhängig von einer bestehenden Ehe statt), sondern zum Schutz der Kinderaufzucht.

Wie so oft, kommt man nicht umhin, Sarrazin an vielen Stellen Recht zu geben. Wie so oft fröstelt es den Leser aber auch ein wenig. Das hat sicher damit zu tun, dass der Autor die Themen von vornherein mit dem kalten Blick des Technokraten und Finanzfachmanns behandelt, für den sich alles um die ökonomische Leistungsfähigkeit des gesellschaftlichen Räderwerkes zu drehen scheint. Menschliches Einfühlungsvermögen und Sensibilität vermisst man ebenso, wie den Blick für die Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Fragestellungen sowie etwas weiter gefasste soziokulturelle Perspektiven.

Dass die Welt zu einem Dorf wird, die Grenzen der Nationalstaatlichkeit zunehmend aufweichen werden, kulturelle Abgrenzung kaum mehr machbar ist, sind Dinge, die man nur noch zur Kenntnis nehmen kann. Zurückschrauben kann man diese Entwicklungen nicht mehr. Wir müssen also miteinander auskommen, und dafür ist der immer wieder übertrieben defizitorientierte Blickwinkel des Autors nicht hilfreich. Man kann zudem auch nicht alles gleichzeitig haben – die absolute Leistungsbereitschaft einerseits und den Spielraum und die Lust auf Kinder und Familienleben andererseits... Die Vermittlung westlicher Werte im interkulturellen Miteinander einerseits und die überhebliche Abgrenzung andererseits...

Um das Thema Meinungsfreiheit, den ja in unserer Gesellschaft stellenweise tatsächlich grenzwertigen gutmenschlichen Gesinnungsterror geht es dem Autor im Grunde nur am Rande. Die Art und Weise, wie er im ersten Teil des Buches versucht, kulturhistorische und sozialphilosophische Beschlagenheit zu vermitteln, mutet eher unfreiwillig komisch an. Mit dem Christentum sei der Wille zur geistigen Monokultur in die Welt gekommen, die nun in säkularisierter Form fortbesteht, so seine – oder besser die von ihm entstaubte – Generalthese. In der vorherigen Antike sei noch alles bestens gewesen, schreibt er in Kapitel 5. Dass er in der Einleitung die Hinrichtung des Sokrates unter der attischen Demokratie als Paradebeispiel angeführt, hatte er da offenbar schon wieder vergessen. - Sarrazin benutzt das Thema Meinungsfreiheit lediglich als Aufmacher und Eisbrecher für seine Thesen, die aber im Grunde wie gesagt an vielen Stellen eher durch die Art und Weise, wie er sie vorbringt, provokativ sind, als durch ihre Inhalte.

Wunde Punkte spricht der Autor aber allemal an. Es liegt nun an den Medien, ob sie „Schmuddelkind“ Sarrazin ihrerseits mit der gleichen Arroganz, die sie an ihm kritisieren, ignorieren und seine Thesen mit Verachtung strafen oder ob sie die Gelegenheit nutzen, diese aufzugreifen und in einer etwas vernünftigeren und weniger platten Art und Weise zu diskutieren.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.03.2014, 18:54:00 GMT+1
Tja, und genau der letzte Satz zeigt das Problem: Die Medien werden eben nicht die Gelegenheit nutzen! Da bin ich mir sicher!
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