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Customer Review

on November 9, 2009
Auch wenn einem die Erkenntnis von Seiten des Verlages nicht eben leicht gemacht wird: Dies ist ein sehr früher Roman von Carlos Ruiz Zafon, der mich zuletzt mit seinem grandiosen Das Spiel des Engels gebannt, begeistert und um den Schlaf gebracht hatte. "Der dunkle Wächter", das sei vorausgeschickt, ist noch weit davon entfernt, sich mit dem "Spiel des Engels" messen zu können. Es ist eigentlich der dritte Band von Zafons Mitte der 90er Jahre entstandener und wohl nur lose verwobener "Nebel-Trilogie", die im Original mit Der Fürst des Nebels beginnt und mit Der Mitternachtspalast fortgeführt wurde. (Der Fischer-Verlag hat bzw. wird beide Titel im Laufe des Jahres 2010 veröffentlichen...) Warum der letzte Teil dieser Nebel-Trilogie der erste ist, der der darbenden deutschen Zafon-Anhängerschaft endlich anheimgegeben wurde, steht entweder in der Bibel oder bleibt bis auf Weiteres das Geheimnis des Verlags.

Aber wie dem auch sei: "Der dunkle Wächter" erzählt in oft schöner, teils aber auch übertriebener bis schiefer Sprache die Geschichte einer Familie, die, nach dem Tode des Vaters mittellos geworden, aus Paris in ein kleines Dorf an der See zieht, wo der Mutter eine neue Stellung angeboten wurde: Sie soll das gespenstische Anwesen Cravenmoore verwalten, in dem der grandiose Spielzeugerfinder Lazarus Jann residiert. Cravenmoore ist vollgestopft mit mechanischen Figuren, Mobiles und etwelchen anderen Spielzeugen, die auf die Besucher aber eher einschüchternd bis beängstigend wirken. Neben den Geschöpfen Janns lebt nur noch dessen bettlägerige Frau in dem schlossgleichen Herrenhaus, und - wenigstens tagsüber - die junge Köchin Hannah.
Die Tochter der Neuankömmlinge, Irene, verliebt sich bald in Hannahs Cousin Ismael und lässt sich auf einen kleinen Törn mit seinem Segelboot ein. Als sie auf der verwaisten Leuchtturminsel vor den Gestaden des Dörfchens Halt machen, fällt Irene das Tagebuch einer Toten in die Hände, das sie in seinen morbiden Bann zieht. Wenig später wird Hannah im Wald von Cravenmoore tot aufgefunden - doch was sie tötete bleibt unklar. Nur so viel steht fest: Ein unfassbarer Schrecken hat ihr Herz stillstehen lassen.
Irene und Ismael sind schockiert, doch sie machen sich auf, das Geheimnis zu lüften. Und ihr mehr als nur gefahrvoller Weg führt sie mitten ins Herz der Düsternis: nach Cravenmoore.

Die Figuren sind wunderbar, die Story ist gut durchdacht und aufgezogen, den Pro- bzw. Epilog des Buches bilden zwei Briefe, die so voll von wunderbarer Sehnsucht sind, dass diese fast körperlich spürbar wird, die Passagen der Annäherung der beiden Jugendlichen sind fast schon poetisch in ihrer bezaubernden Einfachheit, die Gruselpassagen sind überaus gelungen... fast mehr also, als man von einem Jugendbuch (denn das ist es) erwarten kann. Weshalb dann der Punktabzug?
Zum einen wegen der ärgerlichen Fehler, die sich allenthalben eingeschlichen haben (an einem Sommerabend scheint um 20 Uhr noch die Sonne, und es ist NICHT tiefschwarze Nacht; eben noch wirft der Mond ein silbernes Band übers Meer, keine zwei Sätze später taucht blutrot und siedend die Sonnenscheibe ins Meer; die Jugendlichen segeln morgens kurz nach Sonnenaufgang zu einer Lagune, in der sie kurz bleiben - und plötzlich ist es Abend. Diese Liste ließe sich fortsetzen...), zum anderen wegen der teils unerträglichen Schwurbeligkeit von Zafons damals noch nicht ganz ausgereifter Schreibe. Was hier mit teils dreifachen Adjektiven herumgeflattert wird, ließ mich unweigerlich an "Das Spiel des Engels" denken, wo Zafon Don Basilio sagen lässt, allzu verschwenderisch gebrauchte Adjektive und Adverbien seien etwas für Perverse und Leute mit Vitaminmangel. Vielleicht hätte Zafon damals ein paar Äpfel mehr essen sollen, vielleicht war auch der Lektor überarbeitet.
Der letzte Kritikpunkt geht an den deutschen Verlag Fischer: Die Seiten sind dicker als mancher Aquarellkarton (wirklich!) und so verschwenderisch bedruckt, dass zu vermuten steht, dass das Buch auch auf 250 Seiten mit der Hälfte an Umfang hätte gedruckt werden können. Und wäre das schlimm gewesen? Nein! Was haben Verlage heutzutage nur gegen etwas schmalere Bücher?

Dennoch - und hiermit möchte ich meine Rezension beschließen -: "Der dunkle Wächter" ist ein recht schöner Schmöker, der einem das Warten auf Neues von Zafon verkürzen kann, und den man an wenigen Tagen gelesen hat. Wer den Erbsenzählermodus auschaltet und keinen Zweiten "Schatten des Windes" erwartet, wird auch nicht über Gebühr enttäuscht werden.
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