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Kundenrezension

VINE-PRODUKTTESTERam 4. August 2009
Was dem Regie-Neuling Steve McQueen (nein, nicht der legendäre Schauspieler) gleich mit seinem Langfilm-Debut gelungen ist, kann man recht schwer in Worte fassen, da man von diesem Werk auch nachhaltig extrem beeindruckt ist. Erzählt wird die Geschichte des IRA-Mitglieds Bobby Sands, der 1981 im Gefängnis Mate bei Lisburn den Hungertod erlitt. Er tat dies aus freien Stücken und wollte damit die britische Regierung dazu bringen, die IRA-Häftlinge nicht wie gewöhnliche Kriminelle zu behandeln, sondern sie als politische Häftlinge anzuerkennen.

Nun ist "Hunger" ganz sicher ein Film, der wieder einmal die Meinungen spalten könnte, denn wer hier einen actiongeladenen Knastfilm mit reihenweise wilden Schlägereien erwartet, der sollte sich diesen Film erst gar nicht anschauen, denn so etwas wird hier nicht geboten. Dafür wird dem Zuschauer hier eine Geschichte präsentiert, die man wohl kaum härter und intensiver hätte in Szene setzen können. Erstaunlich daran ist, das die vorhandene Intensität daraus ensteht, das während der gesamten Laufzeit so gut wie nicht gesprochen wird, fast die einzige Ausnahme bildet hierbei ein fast 20-minütiger Dialog zwischen Bobby und einem Geistlichen, der allein es schon wert ist, sich diesen Film anzusehen. Ansonsten werden zwischendurch einige Sätze gesprochen, aber zum größten Teil herrscht Stille.

Und genau diese Stille ist es, die diesem Werk eine unglaubliche Härte und Intensität verleiht, denn sie ist absolut zermürbend und greift selbst die Psyche des Betrachters an, es entwickelt sich ein starkes Gefühl der Beklemmung, das man einfach nicht abschütteln kann, selbst wenn man es wollte. Es ist nervenzerreissend, vor dem Bildschirm zu sitzen und hoffnungsvoll darauf zu warten, das endlich einmal einige Worte gewechselt werden, was aber wie gesagt, nur sehr selten passiert. Durchbrochen wird diese fast gespenstische Stille lediglich durch einige wenige, aber dafür umso härtere und brutale Übergriffe der Wärter auf einige Gefangene. Die Insassen werden körperlich maltretiert und das auf eine extrem harte Art und Weise.

Und es ist gerade dieser starke Kontrast zwischen der unheimlichen und beunruhugenden Ruhe und den eingestreuten Gewaltakten, die "Hunger" wie einen Keulenschlag in die Eingeweide des Zuschauers wirken lassen, den man nicht so schnell verdaut. Man ist schockiert und angeekelt und erschreckt sich sogar teilweise, wie realistisch und autenthisch das gante Geschehen auf die eigene Psyche einwirkt. Phasenweise hat man nicht das Gefühl, eine DVD zu schauen, sondern vielmehr selbst in diesem gefängnis zu sein, um alles live mitzuerleben. Dabei ist es äußerst schwer, die gewonnenen Eindrücke ziemlich zeitnah zu verarbeiten, da das gezeigte einem ordentlich zusetzt und seine markanten Spuren hinterlässt.

Perfekt ausgewählt für dieses aussergewöhnlich intensive Drama sind auch die agierenden schauspieler, wobei man eine Person ganz besonders hervorheben sollte, denn Michael Fassbender's Darstellung des Bobby Sands kann man ganz einfach nur als brillant bezeichnen. Die Hingabe, mit der er diese Rolle spielt, ist ganz einfach grandios wie auch der ganze Film an sich. Er spielt diesen Charakter nicht einfach nur, er lebt in richtiggehend, was man in jeder einzelnen Sequenz förmlich spüren kann.

So kann man letztendlich zu dem Fazit kommen, das hier ein aussergewöhnlich guter Film entstanden ist, der eine Thematik so intensiv und eindringlich bearbeitet, wie man es besser kaum hätte machen können. Das ist Kino vom Feinsten und auf ganz hohem Niveau. Ein anspruchsvoller Film für anspruchsvolle Filmliebhaber, die sich diesen Filmgenuß keinesfalls entgehen lassen sollten, denn ansonsten würden sie es sicherlich irgendwann bereuen.
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