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Kundenrezension

am 3. September 2013
Dieses Buch ist keine Abrechnung mit der Kirche oder eine allgemeine Auseinandersetzung mit der Religion. Kurt Flasch weist in seinem Vorwort darauf hin, dass dieses Buch keine Kirchenkritik sei, sich auch nicht mit dem Zustand der Kirchen beschäftige. Ihm gehe es allein um die kirchliche Lehre und um seinen Weg zu der titelgebenden Erkenntnis. Den Titel des Buches trug bereits vor vielen Jahren eine zweisemestrige Vorlesungsreihe an der Uni Bochum. Man kann das Buch also eine nachgeholte schriftliche Begründung nennen.
In zwei Teilen und in insgesamt 9 Kapiteln befasst sich Flasch, ausgewiesener Mittelalterhistoriker und Philosoph, mit den verschiedenen Glaubensbegründungen und den Themen der christlichen Lehre, wobei er sich eigentlich sich nur auf die katholische und evangelische Lehre bezieht. Die orthodoxen Kirchen bzw. Lehrern bleiben weitgehend ausgespart. Kurt Flasch lässt für die Prüfung des Wahrheitsgehalts der kanonischen Texte, hebräische Bibel und das Neue Testament, nur die Methode der historisch-kritischen Textanalyse zu. Ebenso verfährt er streng philosophisch mit dem Wahrheitsanspruch der Christen, mit der Ethik und anderen Aussagen. Er legt also an die kanonischen Texte die Maßstäbe einer wissenschaftlichen Textkritik an, wie er sie bei der Analyse alter Texte erlernt hat. Dies ist aber keine innerkirchliche Kritik, sondern wird von außen an die Kirchenlehre herangetragen. Erwähnenswert auch die grundsätzliche Einstellung Kurt Flaschs zur Kirche. Er selbst hat keine negativen Erfahrungen mit Kirche und Priestern gemacht. Es waren die Antworten auf seine Fragen an die Texte und an die Dogmen sowie seine wissenschaftlichen Erfahrungen als Textinterpret und Philosoph, die ihn zur Abkehr vom Christum veranlassten.
Diese Fragen und Analysen, die für manchen Laien sicherlich gelegentlich ermüdend sein können, sind für den philosophisch Interessierten eine überaus spannende Lektüre. Vor allem, weil Flasch, der sich als Agnostiker und nicht als Atheist versteht, seine Analysen und Thesen ohne Häme und Polemik ausführt. Allerdings scheut er auch keine deutlichen Worte, wenn er bestimmte Neodogmatiker angreift oder auch nebenbei bekannte Christen wie Küng, und Drewermann kurz abfertigt. Klaus Berger wird zwar namentlich nicht erwähnt, jedoch kann man an einigen Stellen mühelos seinen Namen ergänzen.
Ich kann in dieser kurzen Rezension nicht die vielen exemplarischen Analysen anführen, deshalb seien nur einige Beispiele genannt. Wenn also von Wunderheilungen in einigen Evangelien die Rede ist, dann fragt Flasch konkret nach, wann wurde der Text verfasst, gibt es Beweise dafür oder tauchen in anderen, oft älteren Texten, diese oder ähnliche Wunderberichte auf. Widersprechen sich die Evangelien zu bestimmten Fakten, dann ist ihm das ein Indiz, dass eine Version nicht stimmen kann und er fragt sich, warum man dem Verfasser dann in anderen Punkten glauben sollte. Insbesondere lehnt er die Vorstellung ab, dass die Bibel Gottes Wort sei und belegt seine Argumentation mit vielen Beispielen. Beispielhaft seine Fragen an das Glaubensbekenntnis der Katholiken. Dabei fordert Flasch keineswegs, dass sich die Leser bzw. Gläubigen seinem Votum anschließen, er will niemanden zum Nichtchristen bekehren. Was er aber erwartet, dass sich jeder Gläubige diesen gewonnenen kritischen Erkenntnissen stellt. Was der Gläubige dann damit macht, das ist Flasch dann nicht mehr wichtig.
Die teilweise geäußerte leichte Kritik, dass Flasch die moderne Entwicklung des Christentums nicht ausreichend berücksichtige, geht an dem Anliegen Flaschs vorbei. Auch heute noch wird das Glaubensbekenntnis gebetet, wird der Glaube an die Dogmen der unbefleckten Empfängnis, der Auferstehung Jesu, Himmelfahrt etc. gefordert. Flasch wendet sich ausdrücklich nicht gegen Religion, sondern er schreibt: Religion ist vielgestaltiger, bunter, uriger. Sie erzeugt poetische Vielfalt und Geschichtsbezug." Er akzeptiert die heute geäußerte christliche Wahrheit nicht als alleinige Wahrheit. Vielmehr plädiert für einen relativistischen Wahrheitsbegriff. Das mag für einige unbefriedigend sein, aber die vielen Beispiele bzw. Textsorten, die er dafür anführt, machen deutlich, dass damit alle gut leben könnten. Allerdings glaubt er nicht so recht daran, dass es dazu kommen könnte. Die monotheistischen Religionen brauchen das zugleich universalistische und faktisch-objektivistische Wahrheitskonzept: Da ihr Gott der einzige Gotte sein soll, muß er es für alle sein." (S. 106) Jan Assmann lässt grüßen.
Dieses Buch kann ich nur jedem empfehlen, der sich mit der christlichen Religion und ihren Werten und Anschauungen befassen will. Allerdings ist es keine einfache Lektüre, man muss es sicher mehrmals lesen, um es in allen Facetten zu verstehen. Flasch lässt den Leser an seinen Überlegungen teilhaben und macht seine Analyse überprüfbar. Seine Ausführungen sind kein oberflächliches Gerede wie von Manfred Lütz und auch keine Polemik und keine penetrante Besserwisserei a la Klaus Berger. Christ, Atheist oder Agnostiker können ganz entspannt dieses Buch lesen und sich an der dargestellten Vielfalt und am Erkenntnisgewinn freuen.
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