Shop now Shop now Shop now Shop now Shop now Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Jetzt informieren PR CR0917 Cloud Drive Photos Learn More Mehr dazu Hier klicken HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle Unlimited AmazonMusicUnlimited BundesligaLive longSSs17

Kundenrezension

am 5. Mai 2014
Für mich ein tolles und sehr aufschlussreiches Buch über gleich zwei Themen, die mich brennend interessieren: zu 80 % Neuseeland UND zu 20 % der Journalismus.

Natürlich ist es kein Reiseführer, der alle Orte der aus 3 Inseln bestehenden "Weißen Wolke" ab- und durchklappert und prall gefüllt ist mit praktischen Tipps für Touristen und/oder Auswanderungswillige.
Soll es ja auch nicht sein, schon dem Titel nach nicht.
Es ist ein amüsanter und dennoch sehr informativer, bunter Erfahrungs- und Selbsterfahrungsbericht in und mit diesem schönsten "Arsch der Welt" und seinen Bewohnern.
Jedenfalls den Briten; etwas zu wenig den Maoris.

Für mich persönlich genau das Richtige.
Ich war nämlich vor 33 und 31 Jahren selbst dort- zwei Male, insgesamt fast ein ganzes Jahr- und bin uninformiert über die Kultur besonders der Briten dort von einem Fettnäpfchen ins andere gestolpert, weil es damals Bücher dieser Art noch nicht gab, und ich so was wie eine Pionierin sein musste.
Hätte ich dieses Buch VORHER lesen können, wären meine Gastspiele dort - eines mit Tätigkeit in einer Anwaltsfirma in Wellington- besser für beide Seiten verlaufen.

Wie segensreich wäre für mich allein die Info von Frau Richter in diesem Buch gewesen, mit Neuseeländern nicht deren Essen zu thematisieren, obwohl sie immer danach fragen, wie man es findet, weil sie selbst wohl stolz darauf sind.
Das hätte den ersten und bekanntlich unheilbaren schlechten Eindruck verhindern können, den ich auf meine Kollegen damit machte, dass ich ihre Frage, ob mir ihr Bier gefalle, mit einem ehrlichen: "Ich mag es, aber Bier würde ich es nicht nennen" beantwortete und dann noch in ihre allgemeine Schockstarre hinein einen Vortag über das deutsche Reinheitsgebot besonders beim Bier hielt.

Bis heute blieb ich mit vielen noch nicht aufgeklärten Fragen verwirrt zurück, in die dieses Buch nun doch endlich mal viel glaubhafte Aufklärung brachte.

Den von der Autorin Anke Richter behandelten "cultural cringe" ( den Hinterwäldlerkomplex der britischen Kiwis, das Schämen im Kollektiv ) habe auch ich damals deutlich gespürt.

Zwar wurde ich nie als eine "Heil-Hitler" angegangen, was die Damaligen wohl auch noch höflich für sich behielten, aber diesem Buch nach heute wohl gerne mal gen Deutsche raus lassen.
Ich wurde wenn dann eher bei der RAF eingeordnet, womit man damals Deutschland wohl noch mehr identifizierte.
Aber als eine Frau eingeschätzt, die natürlich Heinrich Heine und alle anderen deutschen Dichter und Denker auswendig kannte und auf deren geistigem Niveau lebte, so dass sie sich offensichtlich jedem Austausch mit mir jenseits des "Small Talks" von Vornherein nicht gewachsen sahen.
Neben ihrer Allergie gegen Tiefschürfereien und Direktheiten aller Art - wie die Autorin hier zutreffend beschreibt- auch echte Angst vor einer Blamage in meinen Augen hatten, und solchen Unterhaltungen vorsorglich gekonnt auswichen, indem sie mir nur als Gruppe mit vereinten Kräften, in ihrer Hausbar - damals HOTEL genannt, da es Bars nur in Hotels gab und diese außer am Freitag schon um 20 Uhr schlossen - und auf den von Frau Richter geschilderten Mottoparties- begegneten.
Der Höhepunkt war daher ein Austausch über "Die Bremer Stadtmusikanten" da auch sie ihren Kindern deutsche Märchen vorlasen, die mir Gott sei Dank ebenfalls mal vorgelesen wurden.

So konnte ich leider nicht bekennen, dass auch ich Heinrich Heine damals noch nur vom Hörensagen kannte, und dass mich ihre spielerische, freudige, fast kindliche Oberflächlichkeit im Gegensatz zur deutschen Überseriösität und zwanghaften Verbissenheit geradezu magisch anzog.

Und dass ich meinerseits Angst vor einer Blamage in ihren Augen hatte.
Zurecht, denn meine Blamage passierte schon mit so Kleinigkeiten wie selbst "eine Runde Bier" zu bestellen, mich nach Berliner Art mangels sonstiger Sitzplätze mal auf einen Bordstein zu setzen, mit Vorliebe Jeans zu tragen, wie sie Zeitung zu lesen, Maoris in unsere Runde zu winken, auch nach 4 Wochen immer noch auf der falschen Seite in ihre Autos einsteigen zu wollen- was aber daran lag, dass sie mir auch nach 4 Wochen immer noch zuerst meine Tür aufschlossen, woran ich mich nicht gewöhnen konnte- ihre Pseudofragen ernst zu nehmen und aufrichtig zu beantworten, und immer wieder zu erklären, dass mich ihre Sports im Einzelnen nicht wirklich interessieren.

Was leider - neben der Tatsache, eine mit 30 noch unverheiratete allein reisende Frau in einem Männerberuf zu sein, und dass ein Dinner unter 4 Augen zusätzlich auch noch anrüchig gewesen wäre-zu einer bedauerlichen Isolation auf meiner Seite führte;jedenfalls bei meinem ersten beruflichen Aufenthalt von 5 Monaten Dauer mit ausschließlich den Briten.
Der einzige Brite, der es sich leisten konnte, mit mir essen zu gehen, obwohl auch er verheiratet war, war ein Hochangesehener, ein über jeden Zweifel erhabener alter Leiter einer anderen Anwaltsfirma, der zufällig sogar Heinrich Heine gelesen hatte, lach.

Meine spätere Zeit mit den Maoris dort verlief Gott sei Dank völlig anders.

Auch die in diesem Buch beschriebene Berührungsfeindlichkeit und viktorianisch angehauchte Prüderie der britischen Kiwis habe ich damals erfahren müssen, aber anfangs nicht genug wahrhaben wollen, nicht berücksichtigt.
Was ich aber auch nicht korrigieren konnte, da sie keine offene Kritik zeigen, sondern - wie Frau Richter mir nun leider 30 Jahre zu spät verklickert hat- ihre Verhaltensempfehlungen in Bergen von Lob verpacken, und wohl nur die ausländischen Elefanten im Porzellanladen diese nicht überhören, die über diese Sitte ausreichend informiert sind.

Ihre mir damals geradezu noch unvorstellbare Prüderie stand für mich auch so dermaßen im Widerspruch zur ihrem eher spielerischen, leichten, lässigen und ungekümmert unverkrampftem Verhalten, dass ich da keinen klaren Sender empfing.
Sie herrscht aber- so die Autorin- offenbar noch heute, und die britischen Privatschulen als Verursacher - so die Autorin- gefallen mir gut.
Ich dachte bisher eher an calvinistische Kirchen oder katholische Internate und Mütter mit dem Vornamen Victoria.

Wie auch immer: ihre sportlichen Outdor-Aktivitäten, lockeren frivolen Sprüche und immer unbezahlbar süß lächelnden und somit wohlwollend wirkenden Pokerfaces und ihr bezaubernder Charme mit Flirtfaktor 100 sagen halt nichts aus über ihre viktorianische Sexualität; und bei den Männern nichts über ihre hinter der lässigen Fassade lauernde Doppelmoral und ihren fast mittelalterlichen Chauvinismus.
Der Hammer - den sie wohl bis zum Schluss nie richtig verdauten - war mein Ablassen des in Berlin gängigen Spruches: " A woman needs a man like a fish needs a bicycle"; nachdem sie auf mein Klagen, schon 14 Tage lang an verlängertem Jetlag zu leiden- nicht schlafen zu können - reagierten mit: "May be you need a man?"

In diese Tiefen ist Frau Richter nicht geraten, da sie als Familie ausreiste und den Versuch einer näheren Verbindung mit einem Kiwi daher nicht nötig hatte.
Ein Vorrezensent zog einen Punkt ab, weil ihn das Thema Sexualität darin nicht so arg interessierte, und ich ziehe einen Punkt ab, weil es nur am Rande berührt wurde.
Welche Folgen diese von ihr erwähnte Prüderie beim Sex für eine Frau hat, hat sie nicht offenbart; weil sie diese nicht erleben musste.
Anders als ich, die dazu noch ein ganzes weiteres Buch nachzulegen hätte.
Und dann wird das mit der Prüderie ja erst spannend- oder langweilig. Wie man`s nimmt.

Das Buch ist daher also ein wenig unvollständig, auch wenn das unverschuldet ist.

Meinen damaligen Erlebnissen nach ist Neuseeland als Auswanderungsland für deutsche Singlefrauen über 25 nicht wirklich zu empfehlen; außer sie streben ein Eremitendasein in der herrlichen Natur an.
Die Kiwis sind absolute Familienmenschen und beginnen schon ab 18 bis Mitte 20 mit der Familiengründung.
Jedenfalls zu meiner Zeit GING eine Singlefrau mit 30, die selbstverständlich auch alleine
ausging und eigene Vorstellungen von Sexualität hatte, GAR nicht.

Die Freundin der Autorin, eine sich Claude nennende lesbische Neuseeländerin, und deren Kommentare zu ihren Landsleuten -die hier oft wieder gegeben werden- sind daher goldeswert für mich, aber immer noch reine Andeutungen.
Wer Genauers wissen will, sollte sich die Filme der Neuseeländerin Jane Campion anschauen, besonders ihren jüngsten Film " Top of the lake".

Claude weist hier aber auf wirklich gute noch weitere ältere Filme über Neuseeland hin- alle von ihr zurecht als wahrhaftiger als "Whale Rider" oder gar "Herr der Ringe" empfohlen - zum Beispiel auf: " In my father`s Den" ( deutscher Titel sehr irreführend: Als das Meer verschwand), die diesbezüglich deutlich mehr zur Sache und auf den Punkt kommen.

Natürlich beschreibt Frau Richter auch den Ort, an dem sie lebt - und die Landschaften auf der Nordinsel, der Südinsel und der Vogelinsel Stewart Island, die sie meist als beauftragte Journalistin themenorientiert besucht- sowie auch neuseeländische Großereignisse und Festivitäten, sehr anschaulich und zutreffend, und wirklich auch genug davon.
Von diesem möglicherweise ersten "Jungel Camp" der Welt, in Westport an der Westküste der Südinsel hatte ich bis jetzt noch nichts gehört.
Auch nichts von dem jährlichen "Heiratsmarkt" auf der Stewart Island.
KÖSTLICH !

Das Buch steckt voller kostbarer Informationen, die nur denen entgehen können, die sich von Vornherein gegen jede Vermischung mit Selbstdarstellung sperren.

Der Abzug des letzten Sterns von mir darin liegt auch daran, dass meiner Ansicht nach von einer Umwandlung nicht wirklich die Rede sein kann.
Frau Richter lebt als deutsche Familie mit überwiegend deutschen Kontakten dort.
Sie wandelte jedenfalls bis Ende des Buches weder sich nennenswert um, noch die Kiwis.
Ist aber völlig in Ordnung, denn alles andere wäre wohl eher eine Katastrophe, lach.
Solche Versuche sind zum Scheitern verurteilt, meiner Meinung nach.

Von mir alles in allen eine Kaufempfehlung.
0Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden| Permalink
Was ist das?

Was sind Produktlinks?

Im Text Ihrer Bewertung können Sie mit einem Link direkt zu einem beliebigen auf Amazon.com angebotenen Produkt leiten. Befolgen Sie diese Schritte, um einen Produktlink einzufügen:
1. Das Produkt, zu dem der Link führen soll, auf Amazon.com suchen
2. Internetadresse des Produkts kopieren
3. Klicken Produktlink einfügen
4. Die Internetadresse in das Kästchen einfügen
5. Klicken Auswählen
6. Wenn Sie den angezeigten Artikel auswählen, erscheint ein Text wie dieser: [[ASIN:014312854XHamlet (The Pelican Shakespeare)]]
7. Sobald Ihre Bewertung auf Amazon.com erscheint, wird dieser Text in einen solchen Hyperlink umgewandelt:Hamlet (The Pelican Shakespeare)

Ihre Bewertung ist auf 10 Produktlinks beschränkt, und der Linktext darf maximal 256 Zeichen betragen.