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Kundenrezension

am 26. Januar 2012
Sich dem österreichischen Fußball widmen zu müssen, ist für einen Deutschen zwangsläufig der Vorhof zur Hölle. Es ist wohl der Ort, an dem Sportjournalisten für zwei bis drei Jahre geparkt werden, wenn sie innerbetrieblich derart viel Schaden angerichtet haben, daß Abschiebung und Zwangseinweisung dringend nötig scheinen. Wer dazu verdonnert wird, sich mit dem SV Ried und dem Kapfenberger SV auseinanderzusetzen, muß Sachen angestellt haben, die mindestens von Hurenbesuch auf Kosten des Senders bis zu heimtückischem Mord reichen; und niemand begibt sich freiwillig in solche Gefilde, wenn er parallel dazu dem heimischen Landesligisten beim Kicken zusehen könnte, sofern man denn '- aus welchen dubiosen Gründen auch immer - unbedingt Provinz und schlechten Fußball geboten haben will.

Meinen ersten Kontakt mit dem österreichischen Fußball hatte ich 2008, ich war in Mexiko unterwegs und traf auf zwei österreichische Medizinstudenten, die sich, wie für Männer so üblich, beim Erstgespräch sofort um die Klärung der persönlichen Fangrenzen bemühten; "Fußball geht immer", oder so ähnlich. Es war damals, als mir auffiel, daß der Österreicher wohl lieber von anderen Dingen schwärmt, zumindest die angehenden Kittel in Weiß philosophierten lieber über die Schnelligkeit der englischen Liga als über den einheimischen Fußball. Als ich nachfragte, ob es in dieser Hinsicht Bemerkenswertes von daheim zu berichten gäbe, schüttelten beide mit dem Kopf, bevor einer der beiden das Thema wechselte und davon erzählte, wie er Kokain am Strand von Puerto Escondido aufgetrieben hätte ("I hob gedocht, i explodier!").

Wahrscheinlich ist das Derby Rapid gegen Austria die einzig bemerkenswerte Konstellation, derer es sich zu widmen lohnt, und in einem Schattenreich aus Fritzl, Haider, Hitler und sonstiger Provinz scheint zumindest dieses Duell so etwas wie kulturellen Glanz auszustrahlen. Es ist offenkundig: Bis heute leidet der österreichische Fußball daran, daß man immer noch Hans Krankl zum Volkshelden erklären muß, wen auch sonst, andere gibt's schließlich nicht, aber trotz seiner Gotthaftigkeit konnte auch er den österreichischen Fußball nicht retten, im Anschluß an Cordoba wurde man von Ungarn bis Slowenien von nahezu allen verprügelt. Kein Wunder also, daß sich einige Schreiberlinge zusammentrafen, um die Geschichte dieser Partie in all ihren Facetten nachzuzeichnen, das Wenige, was man hat, sollte man schließlich pflegen.

Als Bewohner des Ruhrgebiets dürfte einen ein Buch mit dem Titel: "Alles Derby!" in keinster Weise faszinieren, und daß es schlußendlich dann doch funktioniert, hat wohl damit zu tun, daß sich hier eine Phalanx von Autoren aufgemacht hat, um bild- und wortreich dieses Duell durch die Historie zu jagen. Von "papierenen" Austria-Stürmern ist dort die Rede, von ungeklärten Todesfällen, und der Meisterschaft der Rapidler im Nazideutschland, als ihr Exportprodukt fröhlich auf dem Burgplatz herumwinkte und die alte, neue Heimat grüßte. Von Fans bis Polizei reicht die Kette jener, die sich zu dieser Partie äußern, oral history steht neben Zeitungsausschnitten, von Mäzenen, Platzstürmen, Auf- und Niedergang wird dort gesprochen.
Es sind all diese Anekdoten und Geschichte, die einen dann doch in das Buch ziehen. Wo sonst hätte ich erfahren, daß der Fußballgott Krankl einstmals mit dem Song "Der Bätmän bin i" die österreichischen Charts aufmischte - wahrscheinlich der zweitgrößte Erfolg seiner Karriere, wenn nicht gar der größte -, und wo sonst hätte ich nachlesen können, daß die Austria tatsächlich so dumm war, Christoph Daums Rückfall an die Linie mit einzuleiten, Rapid aber mit Lothar Matthäus umgehend ausgleichen konnte? Spätestens als ich mich dabei ertappte, wie ich anfing, Sympathien für die einen und Antipathien für die anderen zu empfinden, war klar, daß ich diesen Klotz nicht mehr außer Acht lassen konnte. Um es kurz zu machen: Für Rapid sprach alles, für Austria nahezu nichts.

Es ist bemerkenswert, wie das Autorenkollektiv die Geschichte dieses Spiels beschreibt, dabei Zeitzeugen und Journalisten neben Historie stellt, Spieler analysiert und porträtiert, sich die Bälle zuschiebt, Fäden wieder aufnimmt und woanders weiterspinnt. Aber als alle Derby-Facetten dann mit der letzten Seite beleuchtet wurden, fragte ich mich, ob man diesem Buch ein weiteres über den österreichischen Fußball folgen lassen sollte. Zu groß ist vielleicht die Last, die weitere Autoren auf sich nehmen, wenn sie wirklich über den SV Ried und den Kapfenberger SV schreiben müssen, und was die liebevolle Aufbereitung und Lebendigmachung angeht, werden sich auch in Zukunft viele Bücher an diesem messen müssen. Oder, übersetzt: "Alles Derby!" ist das "I wer narrisch!" der österreichischen Fußballiteratur, der Hans Krankl der Bibliophilen. Aber in beiden Fällen gilt: Der nächste kann gerne kommen.
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