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Kundenrezension

62 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein einfacher Stoff, 29. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Im Universum der Zeit: Auf dem Weg zu einem neuen Verständnis des Kosmos (Gebundene Ausgabe)
Lee Smolin hat in seinen bisherigen Veröffentlichungen als Physiker, sprachlich durchaus flüssig und auch dem Laien nachvollziehbar, vor allem eines auf den Weg gebracht:
Eine fundierte Kritik an der „Gesetztheit“ der „Naturgesetze“.

In diesem Werk nun erläutert Smolin noch genauer und ausführlich, was den Kern seiner Gedanken und das Fundament seiner Theorie ausmacht: Die Zeitbedingtheit von Allem.

Außerhalb der Zeit existieren keine „ewigen“ Gesetzlichkeiten, somit sind auch die solidesten und zentral verteidigten Naturgesetze immer nur als „relativ“ anzusehen. Unterliegen (in anderer Form, als das alltägliche Leben natürlich), den Schwankungen der Zeit selbst, könnten sich verändern, bilden damit keine unwandelbaren Konstanten in diesem Universum und bieten somit im besten Falle je eine „Momentaufnahme“ oder einen für eine gewisse Dauer geltenden Erklärungsansatz.

Somit gelten also nicht „zeitlose“ Naturgesetze, die der Mensch fassen und formulieren kann (außerhalb der „Zeit“), sondern die gesetzte Größe des Universums ist eben diese „Zeit“ (und alles findet „innerhalb der Zeit“ statt).

Dass Smolin damit von Einstein bis Heisenberg, von Newton bis zur Quantentheorie, von der Relativität bis zu den Strings alles mit einem Schlag eben „in Beziehung zum Zeitpunkt setzt“ und damit in seiner bisherigen behaupteten fundamentalen und unwandelbaren Bedeutung in Frage stellt, dass ist seit Jahren bereits und sehr differenziert auch in diesem Buch der „Paukenschlag“ seiner Arbeit als Physiker.

Aber natürlich bildet dieses Denken, trotz der durchaus flüssigen Sprache des Buches, keinen einfachen Stoff für den Leser, sondern deutet im Gegenteil teils in hohe Abstraktionen hinein. Und dem Laien wird es, letztlich, auch kaum gelingen, in der Tiefe der physikalischen Forschung den „Wahrheitsgehalt“ dieser Theorien wirklich zu beurteilen.

Dennoch, Smolin argumentiert sehr überzeugend, seine Schlüsse wirken mit Hand und Fuß versehen, er verzichtet auf akademisches Gerangel und eine zu breite Darlegungen physikalischer Denksysteme .

„Was ist (das Wesen der) Zeit“, das ist das wichtigste Einzelproblem der Physik und der naturwissenschaftlichen Forschung, auf das sich Smolin weitgehend in diesem Werk konzentriert und bewusst als „nicht akademisches“ Buch einer breiten Leserschaft zuführt.

Vorweg bereits stellt Smolin den Leser vor eine „Erschütterung“, religiöser, kultureller und wissenschaftlicher Natur.

„Zeit“ ist „keine Illusion“.
Außerhalb der Relativierungen der Zeit ist nichts „Ewiges und Unwandelbares“ begründet zu behaupten, ein „Entrinnen in eine zeitlose Dimension“, in eine „wirkliche Welt“ außerhalb der Erfahrungen der Bedingtheit durch Wandel und Veränderungen, in eine „unwandelbare Ewigkeit“ hinein stellt Smolin grundlegend in Frage. Mit weitreichenden Folgen für das gesamte Denken, Streben und das Bedürfnis nach hoher Berechenbarkeit für die Unwägbarkeiten des Lebens beim Menschen.

Nicht nur für religiöse Vorstellungen, Gott, Kharma und andere Glaubenselemente, sondern geltend auch für alle bisherigen naturwissenschaftlichen „Gesetze“.

Wie in einen Sog zieht Smolin hierbei den Leser mit hinein in sein: „Nichts, was wir kennen oder erleben, kommt dem Herzen der Natur näher als die Wirklichkeit der Zeit“.

Und das führt Smolin eloquent Schritt für Schritt aus.

Alles ist nur zu einem bestimmten Zeitpunkt wirklich. Die Vergangenheit ist endgültig vergangen. Die Zukunft ist „noch nicht“ und damit grundsätzlich „offen“ als Prozess.
Nichts geht über die Zeit hinaus. Auch die Zeit (und damit nach Smolin wirklich und restlos alles) ist der „darwinschen Evolution“ auf ihre Art und Weise unterworfen.

Flüssig, mit griffigen Beispielen, sprachlich überaus verständlich gehalten und dennoch kann dieses Werk nicht als „Lektüre“ im herkömmlichen Sinne bezeichnet werden. Es ist und bleibt ein anspruchsvolles, teils an die Grenzen des „natürlichen“ Denkens reichendes Arbeitsbuch, das so einiges an zurückblättern und noch-einmal-lesen notwendig macht.

Dafür bieten die Gedanken Smolins ein faszinierendes Geflecht, eine intensive Ideenvielfalt und einen ganz anderen Blick auf das Universum, die Welt und das Leben, der jede Zeile lohnt auf dem Weg, alles, was geschieht, als „neue“ Anforderungen zu betrachten, die „neue“ Lösungen benötigen, statt mit „ewigen Wahrheiten“ zu meinen, alle Anfragen des Lebens und der Gesellschaft beantworten zu können.

Bis dahin, „die Ungewissheit des Lebens als den notwendigen Preis dafür zu betrachten, lebendig zu sein“.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 06.02.2015 03:00:17 GMT+01:00
Könnte man solchermaßen betrachtet, das Werk auch als einen wissenschaftlichen Kommentar zu Heideggers These: "der Sinn von Sein ist Zeit" lesen oder befinde ich mich damit auf einer völlig falschen Fährte?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.02.2015 10:57:32 GMT+01:00
Smolin kommt aus der Naturwissenschaft und folgt strikt physikalischen Grundlagen, aus denen er Schlüsse zieht. Philosophische Bezüge stellt Smolin vordergründig nicht her und bezieht sich auch nicht auf philosophische Gedankengebäude. Allerdings sind seine Darlegungen durchaus philosophisch "weiter zu denken". ein klarer Bezug zu Heidegger aber ist von Smolin nicht in den Vordergrund gerückt. Wie weit für einen Leser sich dann solche Bezüge dennoch ergeben, ist natürlich dem persönlichen Denken und Verbindungen ziehen überlassen.
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