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Kundenrezension

am 9. Juli 2011
Die Veröffentlichung der Vorlesungen zur Moralphilosophie von 1963 ist für die Adorno-Forschung insofern ein Glücksfall, als der kritische Theoretiker selber keine Ethik geschrieben hat. Die "Negative Dialektik" von 1966 firmiert als theoretisches Hauptwerk, die zusammen mit Horkheimer 1944 im amerikanischen Exil verfasste "Dialektik der Aufklärung" kann als Geschichtsphilosophie gelten, und die unvollendete, 1970 posthum erschienene "Ästhetische Theorie" wird leider oft als Ethik-Ersatz angesehen. Ansonsten gibt es viele kleine Arbeiten zu Politik, Kultur und Gesellschaft.
Die Unterbelichtung der praktischen Philosophie in Adornos Werk hat aber selber theoretische Gründe. Denn anders als die Wortführer der Studentenbewegung hielt Adorno veränderndes Handeln unter den Bedingungen der verwalteten Welt und eines weitgehend unaufgearbeiteten Nationalsozialismus in den 1960er Jahren für irrational, wenn nicht unmöglich.
So nimmt es auch nicht Wunder, wenn diese Vorlesungen wieder keine kritische Theorie der Moral liefern, sondern eine einzige Auseinandersetzung mit der selber überlieferungskritischen Ethik Kants darstellen: mit dessen "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" einerseits, der "Kritik der praktischen Vernunft" andererseits. Andere moralphilosophische Konzeptionen, wie die von Freud oder Nietzsche, werden nur am Rande einbezogen. Dieses Verfahren scheint insofern vollauf berechtigt, als die Kantische Moralphilosophie in der Gegenwart immer wieder ernsthaft diskutiert wird, während die ethischen Entwürfe derjenigen Philosophen, die Kant kritisiert, korrigiert, transformiert, ergänzt oder schlicht verworfen haben, heute mehr oder weniger vergessen sind. (Und dies gilt immerhin für so große Namen wie Fichte, Hegel, Schelling und Schopenhauer.)
In die Reihe dieser Kant-Kritiker reiht sich Adorno hier ein, wenn er - bei aller Würdigung der großartigenden Universalität, die Kants Ethik ausmacht und zum Korrektiv der bestehenden moralischen Lebensverhältnisse bestimmt - die besonderen Probleme des kategorischen Imperativs, derjenigen allgemeinen Prüfregel praktischer Vernunft, die es erlaubt, Handlungsregeln zu legitimieren oder zu verwerfen, diskutiert: 1. Kants Rigorismus, der keinerlei Ausnahmen zulässt, ist, wie dessen Beispiele selber zeigen, in dieser Schärfe nicht aufrechtzuerhalten. 2. Die "Reinheit" des kantischen Praxis-Begriffs ist jenseits aller Erfahrung angesiedelt, muss gleichwohl in der Erfahrungswelt wirksam werden, sodass es anthropologischer und somit "unreiner", erfahrungsgeprägter Elemente bedarf, um die mögliche Wirklichkeit moralischen Handeln zu begründen. 3. Freiheit als unerlässliche Voraussetung des moralischen Handelns Einzelner ist unter den komplizierten Handlungsbedingungen und in den komplexen Abhängigkeitsverhältnissen der modernen Welt nicht ohne Weiteres gegeben, was die zu stark individualisierte Konzeption Kants aber voraussetzt. 4. Kants gesinnungsethischer Ansatz muss durch ein verantwortungsethisches Moment ergänzt werden, um die Folgen des Handelns genügend zu berücksichtigen.

Trotz dieser Aktualisierbarkeitsprobleme begreift Adorno Kants Ethik als fortgeschrittenste aller Moralphilosophien, die eine kritische Analyse immer lohnt. Anders als in seinen Hauptwerken zeigt sich der kritische Hermeneutiker seinen Hörern und Lesern hier überhaupt nicht hermetisch und arriviert sondern überaus kommunikativ und didaktisch einfühlsam.

Dr. Ulrich Müller
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