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Kundenrezension

am 16. November 2012
Die größte Enttäuschung ist Herr Kehlmann.
Warum lässt er es zu, dass es plötzlich Veränderungen seiner Szenen zum Schlechten gibt. Besonders ärgerlich die Szene, die jeder aus dem Buch kennt: Ein Zitteraal hat Humbold und seinen Getreuen mit Stromschlägen im Wasser malträtiert.
Im Film spielt die Szene plötzlich mit busenfreien kakaohäutigen eingeborenen Schönheiten die bei ihrem paradiesischen planschen plötzlich einem Zitteraal zum Opfer fallen.
Die Szene ist so eindeutig kinomässig in Richtung "Blanke Haut" verschoben, dass sogar der Wahrheitsgehalt in Mitleidenschaft gezogen ist. Schliesslich darf man annehmen, dass Indiofrauen genau wissen, wann sie das Risiko einer Begegnung mit einem Zitteraal zu fürchten haben.
Oder ein weiteres Beispiel.
Die nachlassende körperliche Spannkraft von Humbold, bei gleichzeitigem Erhalt seiner Abenteuerlust (sie erlebt man ihn im Buch in mehreren Szenen) wird im Film einfach platt dadurch ersetzt, dass er im Gespräch mit Gauss sein Wasser vor Aufregung nicht halten kann. Das ist zuviel des Guten und ersetzt nicht die schöne Differenziertheit mit der Kehlmann im Buch das Thema Altwerden von geistigen Koryphäen versieht.

Andere Szenen, die man für ein Kinoerlebnis in 3D dringend so klein wie möglich hätte gestalten müssen, werden mit einer Widerlichkeit gezeigt, dass man sich fragt, ob der Regisseur sein Publikum absichtlich abschrecken wollte.
Gemeint ist die Zahnarzt(-Klempner) Szene mit dem blutigen Ausrupfen des erst falschen und dann richtigen entzündeten Backenzahnes von Gauss.
Man kann sich denken, warum schon Kehlmann diese Szene geschrieben hat. Um auf die Diskrepanz des schon modern denkenden Gauss und der Mittelalterlichkeit seines Jahrhundert hinzuweisen. Dafür braucht es im Kino aber nicht Szenen dieses Kaliber in 3 D.

Einzig überzeugend:

Die Frische, die die Schauspielerin der Rolle der ersten Frau von Gauss dem Film verleihen kann.
Ansonsten bleibt nur der hervorragend besetzte Fürst in Erinnerung.

Die Figur des deutschen Kriegsherren mit Dreispitz, die nicht näher erklärt wird, sollte wohl eine Rolle für den von Buck geschätzten "Hitler" aus RubeldiKatz ergeben, fügt sich aber so gar nicht harmonisch funktionierend in den Film ein.

Bis weit über die Mitte des Buches hält sich der Film fast sklavisch an das Buch, um zum Schluss die ganze Russland Reise dem Zuschauer schuldig zu bleiben.

Somit fällt auch die schöne Ironie eines "alten" Humbold in Russland, dem alle Mitarbeiter vorrauseilen und seine Arbeit tun, weg. Mehr als schade.

Wenn dann auf dem Schiff sein Sohn bei der Überfahrt nach Amerika auch noch quasi pflichtschuldigst seine Liebste auf dem Schiff entdeckt und mit einem Zuzwinkern "Alles klar" ist, ist der Abgeschmacktheit genug und der schönen Ironie des Buches zu viel angetan worden.

Dass der Autor dies selber mitzuverantworten hat, ist eine ganz große Enttäuschung! Das Herr Buck dieses Buch nicht stimmig ins Medium Film übersetzten konnte, sondern es bei einem Bilderbogen-Reigen mit blassen Schauspielern und müder Fernsehdramaturgie belässt, ist eine weitere Enttäuschung.

Nur noch ein letztes Beispiel:
Wenn zu Anfang des Filmes die Sichtbarmachung der Zahlen, die Gauss im Sinn hat, als Staub, der sich in der Luft formiert hat, erleben, dann freuen wir uns noch auf das, was kommt. Doch an filmischer Auflösung ist es das dann auch schon. Und das, obwohl das Buch herrliche Vorlagen gibt, wie das Kapitel, in dem Gauss durch seinen vermessten Wald geht und überall nur Winkel und Linien sieht. Da kann man im Buch die filmische Übertragung fast greifen. Überall würde man Messlinien ein- und überblenden und man känn kurz in die Gauss'sche Welt aus Zahlen und Geometrie eintauchen. Doch die Szene wird einfach weggelassen...

Kurz und knapp gesagt:
So sieht der gute deutsche Film, den wir uns alle wünschen, nicht aus!
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