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Kundenrezension

am 31. Oktober 2012
Nach der Lektüre dieses überaus wichtigen Buches wird einem bewusst, dass alle Bilder, die man mit Umweltzerstörung oder Ausbeutung von Menschen und Ressourcen in Verbindung bringt, falsch sind. Wir leben nicht in einer mit düsteren Farben dargestellte Gesellschaft in Anarchie, die zu Nahrungsmitteln recycelte Tote in Form von "Soylent Green" essen, wir erleben auch keinen Emmerichschen Klimakollaps, der die bekannte Welt innerhalb weniger Tage zusammenbrechen lässt.

Kathrin Hartmanns umfassend recherchiertes Buch (430 Quellenverweise) besitzt schon fast einen belletristischen Spannungsbogen, an deren Ende die Gewissheit steht, dass sich die Probleme nur subtil offenbaren, nämlich als direkte Folge der als selbstverständlich angesehenen Grundlage unserer westlichen Lebensweise und den Mechanismen eines globalen Marktes. Die bitteren Wahrheiten bleiben hinter einem Narzissmus unentdeckt, der stylisch, grün, gutbürgerlich und politisch neutral daherkommt.

Die Lohas, von Hartmann erfrischend sarkastisch aufs Korn genommen, bilden im Buch übrigens nur ein gut durchorganisiertes Paradebeispiel für diesen Narzissmus. Auch der Begriff Lifestyle-Ökos kommuniziert die Inhalte der entsprechenden Kapitel auch nicht genau. Der Untertitel erscheint mir eher verwirrend und suboptimal.

Einige Rezensenten haben Hartmanns fehlende Lösung der drängenden Probleme kritisiert, ich empfinde das bei diesem Buch gerade als positiv. Es passt vermutlich nur nicht in eine Zeit, in der man zu jedem Problemthema und erst recht in einem Buch mit vermeintlich fröhlichem Buchumschlag das ultimative Patentrezept und bequeme Instant-Lösungen erwartet. Angesichts der Inhalte kann es nämlich diese ultimative Lösung nicht geben, jedenfalls nicht, ohne das Geflecht der globalen Marktmechanismen in Frage zustellen, in dessen Fäden wir uns alle befinden und auch bei individuell völlig veränderter Lebensführung nicht daraus befreien können. Und was für uns Westler gilt, gilt in umgekehrtem Fall auch für diejenigen, die irgendwo auf der Welt die Produkte unseres Konsums herstellen.

Ob und wie viele dieser Produkte schließlich mit oder ohne einem Fairtrade- oder Biosiegel in den Regalen stehen, ist nämlich ebenfalls der Logik des globalen Marktes aus Angebot, Nachfrage und Imagewerbung der Konzerne geschuldet. Jeder Händler weiß, dass das Geld im Einkauf verdient wird. Dass dieses Gesetz nicht nur für den konventionellen Handel gilt, sondern ebenso für den Markt für fair gehandelte Ware oder Bioprodukte, demonstriert Kathrin Hartmann eindringlich anhand konkreter Zahlen und Fakten. Fair ist selten Bio, Bio ist noch lange nicht fair und beide Trends spielen nur eine marginale Rolle im Handel.

Selbst für den auf den ersten Blick hinrissigen Wunsch nach Erdbeeren im Februar weiß Hartmann zu differenzieren. Würden die Früchte aus Spanien nicht nachgefragt werden, entstünden womöglich große Hotelkomplexe, und selbst die Naturschützer warnen angesichts der hohen Arbeitslosigkeit im Lande davor. Andererseits ist es die Schnäppchenmentalität der deutschen Verbraucher als wichtigsten Handelspartner, die Bioqualität und damit höhere Preise nicht zulassen.

Das Fazit der Lektüre ist also ernüchternd, aber gerade deshalb relevant: der Glaube, nicht nur sich selbst, sondern auch der Welt etwas gutes zu tun, nur weil man im Bioladen einkauft, Manufactum-Produkte bestellt und einmal aufs Fleisch verzichtet oder gelegentlich den SUV zugunsten des Fahrrads stehenlässt, ist ein Irrglaube. Was für den Einzelnen wichtig und relevant ist, ändert nichts am System einer egozentrischen Erlebnisgesellschaft, das die Probleme verursacht.

Hartmann fordert am Ende deshalb politisches Engagement der Interessengruppen, die mehr erwartet als das naive Bild eines Kapitalismus mit nachhaltigem Anstrich.
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