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Kundenrezension

20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der sympatische Alexander Supertramp auf seinem Egotrip, 13. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Into the Wild (DVD)
Als im Jahr 1992 ein junger Hiker in der Wildnis Alaskas verhungerte, war dies zunächst nichts weiter als nur eine Notiz in der Lokalpresse. Erst durch das Buch von John Krakauer "In die Wildnis" wurde Chris McCandless alias Alexander Supertramp zu einer landesweit bekannten Figur, allerdings einer ambivalenten Erscheinung, die in der Darstellung Krakauers mit einer Mischung aus Abenteuerlust und infantiler Ahnungslosigkeit in der Wildnis Alaskas zugrunde geht.
Der Schauspieler und Regisseur Sean Penn, der sich zehn Jahre lang um die Filmrechte bemühte, hat aus Krakauers Werk einen mitreißenden Film gemacht - allerdings mit einem vollkommenen veränderten Protagonisten. Im unterschied zu Krakauers differenzierter Darstellung erscheint Chris McCandless in dem vorliegenden Film wie ein wieder erstandener Jesus - wer ihn auch trifft, jeder liebt ihn, er ist bedürfnislos und bescheiden und voller Liebe zu den Menschen und der Natur. In seinen Reisestationen - West Virginia, Arizona, South Dakota, Kalifornien und schließlich Alaska - spiegeln sich die Vereinigten Staaten, ihre Menschen, ihre Weite und ihre grandiose Natur - gerade so als wolle Chris McCandless dreißig Jahre nach John Steinbecks klassischer Reise mit Charly" die tranksamerikanische Grand Tour auf eine neue Weise kreierten.
Das ist der eine, der ästhetisch ungemein ansprechende Teil des Films. Er macht Lust auf Ferne, Abenteuer und Neubeginn und all die Wunder, die die Welt für den bereithält, der sie wirklich aufsuchen will.
Sean Penns filmische Neuschöpfung der McCandless Sage aber zielt tiefer. Denn so freundlich der junge Held auch durch den Kontinent reist, so ersichtlich gefühllos verhält er sich gegenüber seinen Eltern. Die wohlsituierten McCandless erscheinen als ein gescheitertes, verlogenes Paar, das Alexander Supertramp in seinem eigenen Interesse weit hinter sich lassen und dadurch implizit auch bestrafen muss. "Du siehst aus wie ein geliebtes Kind", sagt eine Reisepartnerin einmal zu Alexander Supertramp, doch dieses geliebte Kind verschwendet keinen Gedanken an den Schmerz, den er seinen verlassenen Eltern zufügt. Kein Gedanke daran, dass es schwieriger sein kann, eine Ehe zu retten, als einen Winter in Alaska zu überstehen, behindert Alexander Supertramp auf seinem Egotrip. "Um glücklich zu werden, braucht man keine menschliche Gemeinschaft", sagt er am Ende zu einem großväterlichen Freund, ehe er auch ihn verlässt und nach Norden aufbricht.
Alaska sollte McCandless eines besseren belehren, und es gehört zu den besondern Pointen des vorliegenden Films, dass deutlicher als im Buch von Krakauer der jugendliche Weltenbummler sich am Ende, von der Natur zurechtgestutzt, wie ein kleines Kind nach Gesellschaft und Geborgenheit und sogar nach seinen Eltern sehnt. Es ist eine harte Strafe, die das Schicksal dem jungen McCandless für seinen seelischen Autismus auferlegte - elend und allein stirbt er in den Weiten Alaskas den Hungertod. In einer letzten Phantasie, die allerdings nur dem Drehbuch des Regisseurs entspringt, kehrt der verlorene Sohn in die Arme seiner glücklichen Eltern zurück.
Der Film hat mich an "Amerikanisches Idyll" von Philip Roth erinnert. Hier wie dort wenden sich geliebte Kinder von ihren Eltern ab, um einer Passion zu folgen. Hier wie dort bleiben die Eltern schuldlos schuldig zurück. Unbedingt sehenswert.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.01.2010 13:16:00 GMT+01:00
Mr.Pii meint:
Eine wunderbar geschriebene Rezension, die die Kerngedanken des Films sehr gut rüberbringt. Sie haben allerdings hier massiv gespoilert, und hier wäre sicherlich weniger mehr gewesen ; )

Veröffentlicht am 09.01.2010 21:03:06 GMT+01:00
paarhufer71 meint:
dem möchte ich mich anschliessen ! eine sehr gute Rezension, um dann leider in den letzten Sätzen (ohne entsprechende Vorwarnung) das Ende vorweg zu nehmen. Sehr schade, habe mich gerade sehr darüber geärgert...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2010 08:36:26 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.05.2010 15:36:56 GMT+02:00
euripides50 meint:
Lieber paarhufer 71,
danke für die freundliche Bewertung und sorry, wenn ich Sie geärgert habe. Aber gerade die letzte Passage, an der sie Anstoß nehmen, ist eigentich eher meine Interpretation - man kann diese finalen Szenen auch ganz anders deuten.
Mit freundlichen Grüßen
Ludwig Witzani

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.01.2010 13:12:33 GMT+01:00
Star Dust meint:
Ergo: liebe deine Eltern, weil du in der freien Wildnis verhungern würdest?
Das Gebot, liebe deine Eltern, ist hinreichend hinterfragt und als hinterhältig entlarvt worden. Weshalb brauchen Kinder ein Gebot ihre Eltern zu lieben? Sie tun es von alleine, aus reinem Herzen. Es sind die Eltern die hilfsbedürftig sind, ihre Kinder für eigene Belange und Unzulänglichkeiten verantwortlich machen. McCandless ist ein paradigmatischen Bsp. für die Folgen dieser elterlichen "Liebe".
Es ist höchste Zeit die unantasbare Plattform der Eltern zu hinterfragen und bei Bedarf als trügerisch und falsch zu entlarven. nicht alle Eltern sind schlecht, aber es mehr als man denkt!
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