Was man früher nur über CD's und Noten-Bücher erahnen konnte, überwältigt uns nunmehr mit der suggestiven Kraft des Films: MAHALIA on DVD now! Begonnen hatte für Mahalia Jackson (1911-1972) alles sehr spartanisch, in New Orleans: dort musste sie nach dem frühen Tod ihrer Mutter für die Familie ihrer gestrengen Tante Duke Kohlen von den Gleisen oder Holz vom Fluss-Ufer sammeln; New Orleans hatte für Mahalia viele Schatten-Seiten: sie hasste die rigoros durchgesetzte Rassentrennung oder die Karnevals-Riten mit der schockierenden nd wachsenden Gewohnheit, die Maskeraden kriminell auszunutzen für Schlägereien und Morde [der Sohn ihrer Tante starb bei einem solchen "MARDI GRAS"-Event]: 1927, 16-jährig, nutzte sie deshalb die Chance und begleitete eine andere Schwester ihrer verstorbenen Mutter (Hannah) nach Chicago [jemand namens Louis Armstrong hatte sich damals gleichermaßen entschieden]. Im Norden der USA erhielt sie bald die Gelegenheit, in einem Quartett mitzusingen - nachdem ihre Stimme im Kirchen-Chor neidisch als zu hervorstechend eingestuft worden war. Zu Anfang wollte der Pastor auch ihre rhythmischen Körperbewegungen und Finger-Schnipsereien überhaupt nicht dulden und empfahl ihr wütend die Rückkehr in den Süden. Sie blieb in Chicago, setzte ihren Stil durch - aber es sollte noch lange dauern, bis sie, reich geworden, in ihrem lavendel-farbenen CADILLAC in ihre polizei-geschützte Villa fahren konnte, ihre jährlichen Auftritte in der New Yorker Carnegie Hall oder in Radio-Shows zelebrierte, von MARTIN LUTHER KING gelobt wurde oder für Präsident EISENHOWER oder bei der Amts-Einführung von John F. KENNEDY singen konnte. Als sie anlässlich eines Symposions von Musik-Professoren der Columbia-Universität, Massachusetts, sang (und aufgezeichnet wurde), wurde sie in einem PFERDESTALL untergebracht. Als sie den frühmorgens verließ, hörte sie aus den prächtigen Villen-Fenstern ihre auf Tonband mitgeschnittenen Songs - absurd und ärgerlich, wie sie Jahre später empört erzählte. Ihren Anfang hat sie nie vergessen: In New Orleans hatte sie aus den Häusern der Weißen ENRICO CARUSO gehört, aus den Fenstern der Schwarzen BESSIE SMITH. Eine Mixtur davon wurde ihr eigener unverwechselbarer Stil. Ihr musikalisches Herz war bei den Begräbnis-Riten in New Orleans entflammt worden - besonders bei den fröhlicheren Stücken im Anschluss an die jeweilige Beerdigung. Der BLUES mache sie zu traurig, sagte sie. Sie missbilligte übrigens, dass niemals einer Frau die Ehre eines traditionellen, straßenfest-artigen New-Orleans-Begräbnis-Zuges zuteil wurde. Vielleicht weil man sich ihren Song "JESUS MET THE WOMEN AT THE WELL" (der auch Alice Schwarzer gefallen hätte) hinter die Ohren schrieb, wurde sie als erste in diesem Ritus zu Grabe getragen. Jedes Jahr um die Weihnachtszeit greife ich zudem, was uns die Technik von Mahalia Jackson übrig ließ - und diese begnadete Sängerin wird verblüffenderweise von Jahr zu Jahr lebendiger, intensiver, fast hautnah (Gänsehaut zumindest erzeugt sie) - sie ersteht in einer anderen Dimension immer deutlicher neu - und lebt somit für uns weiter ...