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Kundenrezension

am 4. Juli 2013
Eine Musiklehrerin aus Leipzig erhält auf diversen Wegen die Botschaft „Ich bin auserwählt“. Ein Schülerstreich? Ein Verrückter? Und schon wird die Lehrerin tot in einem Berliner Park gefunden. Clara Schwarzenbach, Heldin des neuen Romans von Silke Nowak, übernimmt mit einem Team der Berliner Polizei die Ermittlungen. So beginnt ein klassischer Whodunnit (Werwars)? Diverse Spuren führen in das private Umfeld der Lehrerin, fördern alte Liebesgeschichten und gescheiterte Schüler zu Tage. Oder war es doch die Gang, die den Park schon länger unsicher macht und durch sadistische Tierquälereien abstößt? Zwar führen alle diese Spuren in den Sand, aber überall stößt Clara auf eine diffusen Bodensatz aus Hass, Verletztheit und verdorbenem Leben, der im wohlanständigen Leben der meisten Figuren des Romans verborgen liegt. Bald gerät zudem ein polizeilicher Spezialist für Serienmorde, Hagen, in Verdacht, der Täter zu sein. Mit Hagen gelingt Silke Nowak eine tolle Figur: Wie muss man sein, um einem solchen Beruf nachzugehen? Worin gleichen sich Feuerwehrmann und Brandstifter, Ermittler und Serienmörder? Denn um einen solchen handelt es sich, weitere Morde geschehen, auch eine Polizistin fällt dem Auserwählten zum Opfer.

Ich mag selten Whodunnit-Krimis. „Auserwählt“ aber ist eine klasse Lektüre. Denn Silke Nowak erspart einem die gängigen Tricks der mäßigen Krimi-Literatur, um Spannung herbei zu schreiben. Die Spannung beruht tatsächlich auf der Suche nach dem Täter. Das funktioniert wunderbar, vor allem aus zwei Gründen. Erstens ist zwar die Person des Täters lange unklar, aber nicht ihr psychologisches Profil und das abstrakte Motiv der Tat. Das zeichnet sich durch den ganzen Roman hindurch ab, wird in verwandten Figuren wie Hagen oder der Gang im Park konkretisiert und dadurch der tatsächliche Täter vorbereitet. Der Täter ist sehr gut versteckt, fällt aber dennoch nicht vom Himmel, er ist die ganze Zeit im Werden. Zweitens – das gefällt mir generell besonders in Krimis, deshalb schätze ich den amerikanischen und französischen roman noir so sehr – ist der Roman sehr geradlinig und schnell erzählt, einige Male wird gesprungen, der Täter festgestellt, aber nicht mehr festgenommen. Der Roman verzichtet weitgehend auf Abschweifungen und Nebengeschichten, Ausschmückungen der Heldin und dergleichen mehr. Sehr gut gefällt mir übrigens auch, dass typische Aspekte eines Serienmörderkrimis komplett weggelassen werden: Gewalt, Folter, Verstümmelungen, sexuelle Gewalt stehen als Drohungen im Raum, bleiben aber der Fantasie der Figuren bzw. der Leser_innen überlassen.

Allerdings unterscheidet sich der Roman in einer anderen Hinsicht fundamental vom roman noir. Er bietet eine biographisch-psychologische Erklärung des Täters und seines Motivs an. Im roman noir unterbleibt dies meist bzw. handelt es sich um nicht-psychologische Gründe. Das Stärkste daran finde ich die Normalität der Kränkungen, die den Täter zum Täter werden lassen. Kränkungen, die jeder kennt, fügen sich in ein Wahnsystem, das zum Serienmord führt. Insofern wird das Exzeptionelle – ein pathologischer Serienmörder – zum Extremismus des Normalbürgers, der es endlich allen zeigt, was in ihm steckt. Sehr schön und klug!

Die ganze Geschichte ist in einem knappen, schnellen, aber sprachlich ganz unaufgeregten Stil geschrieben. Die Spannung wird gerade nicht äußerlich durch Action erzeugst und durch Gewaltbeschreibungen vordergründig hoch gehalten. Es werden einem keine Adverbien und Metaphern um die Ohren gehauen, als müsste auf jeder Seite einer Figur atemlos das Blut stocken. Die verbrauchten Klischees der Krimi-Literatur hat Silke Nowak nicht nötig. Das Buch liest sich wie Literatur ohne billige Tricks, spannend wie ein Krimi, sprachlich fein und erzählend. Mein Kompliment!
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